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Lübeck Das „Hüx“ geht auf Zeitreise
Lokales Lübeck Das „Hüx“ geht auf Zeitreise
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13:48 24.04.2016
Auch „Tasteless“-Partys gab es im „Hüx“. Da durften dann mal Plastik- Weintrauben am Barschrank und Bikinis an der Decke hängen.
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Es ist ein Foto, bei dem jeder, der Ü 40 ist, sofort erkennt: Es stammt aus den frühen 80er-Jahren. Denn die beiden jungen Männer haben leichte „Vokuhila“ (vorne kurz, hinten lang)-Frisuren, die Sakkos haben Umschlag-Ärmel. Als Carsten „Cadde“ Albrecht im Januar 53. Geburtstag feierte, postete ein gewisser Marco Gleavs das Foto, versehen mit Glückwünschen, an „Caddes“ Facebook-Seite. Das trat eine Lawine los: „Es hat rasend schnell zig ,Likes‘ gekriegt.“ Denn das Bild von 1982, das Albrecht zusammen mit „Strandsalon“-Chef Andreas Donskoj zeigt, wurde bei einer Rallye aufgenommen, die das „Hüx“ seinerzeit veranstaltete.

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Immer mehr ehemalige Gäste der früheren Kneipe und späteren Disco (ja, damals sagte man noch nicht Club) posteten Erinnerungen an die gute, alte Zeit, als das „Hüx“ noch täglich geöffnet war, schickten Links zu Songs aus den 80er-Jahren und immer mehr Fotos. „Da wir immer schon mal eine Revival-Party machen wollten, habe ich Herbert Sachers und Olli Schmidt angesprochen“, erzählt Albrecht. Schnell war die Idee einer Party geboren. Allerdings nicht irgendeiner 80er-Party, sondern es sollte eine Art „Klassentreffen“ einer geschlossenen Gesellschaft sein. Die Akteure riefen die geschlossene Facebook-Gruppe „Hüx Zeitreise“ ins Leben, in Windeseile sammelten sich hier einstige Stammgäste, Servicekräfte und DJs, die Musik-Videos und Fotos posteten und zur „Let‘s Dance!“-Party zusagten.

„Die Karten waren schnell weg, deshalb nehme ich das Sachers dazu. Dort wird definitiv dieselbe Musik gespielt wie oben“, versichert „Hüx“-Chef Herbert Sachers (64). Beim Plausch mit Olli „Zimtstern“ Schmidt, Albrecht und Werner Warnken, der das „Hüx“ einst von der Kneipe zur Disco umbaute und seit Jahrzehnten zum harten Kern gehört, geraten die Akteure schnell ins Schwärmen.

Albrecht, der einst in der Disco kellnerte, ist noch heute beeindruckt: „Das war Lübecks erster Laden, der Heiligabend geöffnet hatte.“ Das muss so 1984/85 gewesen sein, und erst sei der Laden gähnend leer, später dann „der Bär“ losgewesen. Und Sachers, der den Laden 1975 noch als „Spielplatz“ übernommen hatte, erinnert sich an die regelmäßigen Fahrten nach Hamburg, um den „Madhouse“-DJ Micha nach Lübeck zu holen und „nachts, auch einmal im Schneetreiben“, wieder nach Hamburg zurückzubringen.

Besagte Auto-Rallye 1982, Fahrrad-Touren, Mottopartys ohne Eintritt und „sogar gemeinsame Urlaube gab es“, wie Sachers erzählt. „Wir waren wie eine große Familie“, sagt Albrecht. Manch einer wuchs mehr oder minder in dieser „Familie“ auf. Wie Olli Schmidt, mit 44 Jahren Jüngster im Bunde der Partymacher. „Ich habe schon mit 14 meine Mutter aus dem ,Hüx‘ abgeholt“, später wuchs er selbst mehr und mehr ins Team hinein. Oder wie Slam-Macher Tilo Strauß, der sich selbst als „Hüx-Gänger der ersten Stunde“ bezeichnet.

Mit seinem Geschäftspartner Wolfgang betrieb er neben der Disco den Imbiss „Picknick“, in dem es auch mitten in der Nacht frische Salate und dick belegte Sandwiches gab. So manches Mal, erzählt Strauß, sei er mitten aus seiner Schicht heraus rübergegangen, um mit seiner Band Local Heroes aufzutreten. Kein Wunder also, dass es Fotos gibt, auf denen Strauß mit Küchenschürze um den Bauch ins Saxofon bläst.

Ach ja, schön war‘s damals! Und schön wird es auch am 5. Mai werden, denn teils von weit her kommen die „Hüx“-Gänger der 80er- Jahre an. Kitty Wicher, einstige Mitarbeiterin, reist zum Beispiel eigens aus Iowa an. „Es werden mindestens 50 Leute, die ich schon 20 oder 30 Jahre nicht mehr gesehen habe und auf die ich mich riesig freue“, sagt Albrecht. Und auch der Rest der einstigen Truppe fiebert schon dem 5. Mai entgegen. Auflegen wird DJ Mathias Axt, einstiger Stammgast. 350 Wunschtitel haben die Zeitreisenden bereits bei Facebook gepostet — die wird Axt kaum alle spielen können.

Von Sabine Risch

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