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Lübeck Das Gründungsviertel wächst weiter
Lokales Lübeck Das Gründungsviertel wächst weiter
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12:04 18.04.2018
Los geht’s: (v. l.) Architekt Thomas Stricker, Bewohnerinnen Claudia Schmid und Sabrina Buchholz, Bauunternehmer Thomas Becker und Jan Westermann.
Innenstadt

Angelika Braun steht am Dienstag bei der Grundsteinlegung zum ersten Mal auf dem Fußboden ihrer neuen Küche. Sie malt sich aus, wie später alles aussehen soll. Mittelalterliches Flair, Innenstadtlage, 4,70 Meter hohe Decken. Das lockt die 54-Jährige aus Hamburg in Zukunft nach Lübeck. Mit ihrem Mann Klaus will sie ins Erdgeschoss der Hausnummer 24 in der Braunstraße ziehen.

Der Grundstein für drei Häuser in der Braunstraße ist gelegt. Damit nimmt das Gründungsviertel am Fuße von St. Marien langsam konkrete Züge an. Zwölf Wohnungen entstehen dort. Die zukünftigen Bewohner warten schon lange auf den Einzug. Im Sommer 2019 soll alles fertig sein.

Angelika Braun wohnt derzeit noch in ihrem Hamburger Eigenheim. Seit die Tochter aus dem Haus ist, wollen die Eltern sich räumlich verkleinern. „Ich habe vor vielen Jahren in Lübeck gewohnt“, sagt Braun, „und wollte immer wieder hierher ziehen.“ Im Herbst 2016 stieg sie in die von Privatleuten begründete Baugemeinschaft mit Namen „Drei-Giebel- GbR“ ein. Zwölf Parteien haben sich zusammengeschlossen, Paare und Alleinstehende, die sich ihren Traum vom selbst gestalteten Wohnen im Gründungsviertel nun verwirklichen. Der Grundstein ist gelegt, ab Herbst soll die Fassade stehen, im Sommer 2019 die Wohnungen bezugsfertig sein. So sieht es der Plan vor. Die Gesamtinvestition beläuft sich auf 4,2 Millionen Euro.

Der Bau der drei Wohnhäuser ist für Architekt Thomas Stricker von der Lübecker Firma Conplan eine Herausforderung: Er wolle Altes mit Neuem verbinden, und das auf wenig Platz und bei dichter Bauweise. „Die Stadt gibt bei Neubauten in der Altstadt enge Vorgaben“, sagt Stricker. Altbewährt seien das Giebelständische, geneigte Dächer und ein Einzelhauscharakter. Neu sei beispielsweise eine hohe Wärmedämmung. „Wir wollen die Gebäude aber nicht historisieren“, sagt Stricker. Jedes Haus werde ein Unikat. Geplant sind drei unterschiedliche Außenfassaden: Ziegel, Putz, und ein Haus mit geschlämmtem Mauerwerk. Zwei Häuser haben drei Geschosse, ein Haus fünf.

Die Wohnungen sind zwischen 45 und 120 Quadratmeter groß. Zwölf Parteien finden darin Platz. Auch ein 250 Quadratmeter großer Garten ist geplant, der werde dann von allen Hausbewohnern gemeinschaftlich genutzt. Elf neue Bewohner hat die Baugemeinschaft bereits gefunden. Eine Maisonette-Wohnung mit 120 Quadratmetern im Dachgeschoss mit vier Zimmern steht noch frei. „Es sind auch immer wieder Leute aus dem Projekt ausgestiegen“, erinnert sich Braun. Sie freue sich auf das Leben in einer „Wohngemeinschaft light“. Die zukünftigen Bewohner tauschen sich regelmäßig aus. „Wir waren schon in Baumärkten unterwegs und haben uns überlegt, wie wir den Garten gemeinsam gestalten können“, sagt Braun.

Der Weg zum gemeinschaftlichen Wohnprojekt sei nicht immer einfach, sagt Sabrina Buchholz. Die 60-Jährige zieht ebenfalls mit ihrem Mann Frank in die Braunstraße. Seit anderthalb Jahren plant die Baugemeinschaft das Vorhaben. Der Baubeginn habe sich zeitlich immer weiter nach hinten verschoben. Gründe: Die Bodenplatten lagen nicht da, wo sie sollten. Die Erde, auf der die Häuser errichtet werden sollen, stellte sich als zu hoch belastet heraus und musste abtransportiert werden. Die Baupreise stiegen. „Jetzt fehlen gerade vier statische Wände“, sagt Buchholz. Trotzdem freut auch sie sich, dass es jetzt mit konkreten Schritten losgeht.

Das Gründungsviertel wächst also weiter. 38 Grundstücke vergab die Stadt auf den 12000 Quadratmetern – neben der Wohngemeinschaft an eine Familie und Investoren. „Dadurch entsteht eine schöne Mischung“, sagt Annette Bartels-Fließ, Projektleiterin des Bauviertels.

 Von Saskia Bücker

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