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Lübeck Das Mädchen ist jetzt wetterfest
Lokales Lübeck Das Mädchen ist jetzt wetterfest
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14:12 11.10.2016
Auge in Auge mit dem kleinen Mädchen: Dirk Helbig fixiert mit einer kleinen Malerrolle, auf die er Acryl streicht, das etwa 14 mal sechs Meter große „Outing“ an der Bunkerwand. Quelle: Fotos: Wolfgang Maxwitat
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„Ach, schön, dass das passiert“, ruft die Dame, die ihre zwei Hunde entlang der Aegidienkirche spazieren führt. Bettina Spohr ist Bewohnerin des Aegidienhofes und hat sich „so viele Tage gefreut an diesem Bild“. Die Rede ist vom 14 Meter hohen „Outing“an der Wand des Bunkers in der Schildstraße. Das „Kind im Spielzimmer“, das der französische Streetart-Künstler Julien de Casabianca im Mai auf die Bunkerwand gebracht hatte, wird nun wind- und wetterfest gemacht.

Bild auf der Bunkerwand gestern von Lübecker Künstler fixiert – Hanse-Unternehmerinnen sponsern Aktion.

Der Lübecker Künstler Dirk Helbig, der einige Monate des Jahres in Barcelona lebt und arbeitet, steht seit 8 Uhr morgens hoch oben auf einer Hebebühne an der Bunkerwand, um das Mädchen mit dem selbstbewussten, kecken Blick vor dem norddeutschen Herbst zu schützen. Denn sonst wäre das Kunstwerk, das bei Touristen und Einheimischen gut ankommt, extrem vergänglich.

Ermöglicht haben die Fixierung die Hanse-Unternehmerinnen, namentlich Ellen Ehrich. Zuvor hatten die Lübecker Museen eine Umfrage gestartet, ebenso wie das Behnhaus Drägerhaus, das das Originalbild „Kind im Spielzimmer“ von Heinrich Eduard Linde-Walther beherbergt. Nach einem LN-Aufruf, so Museumsleiter Dr. Alexander Bastek, hätten noch einmal doppelt so viele Menschen wie zuvor sich dafür ausgesprochen, das Bild auf der Bunkerwand zu belassen. „Negative Stimmen gab es gar nicht.“

Ellen Ehrich, die sich schon morgens um 7 Uhr mit Helbig getroffen und die Hebebühne abgeholt hat, steht mit zufriedener Miene auf der gegenüberliegenden Straßenseite und schaut nach oben. „Wir freuen uns sehr, dass viele Lübecker das Bild auf dem Bunker so positiv bewerten.“ Das Bild stelle eine Art Verbindung zwischen den Museen her – dem St.-Annen-Museum in direkter Nachbarschaft und dem Behnhaus als Heimat des ursprünglichen Bildes aus dem Jahr 1901.

Auch wenn Dirk Helbig es gewohnt ist, großformatig zu arbeiten: In insgesamt 16 Metern Höhe ist es doch noch einmal anders. „Die ersten paar Minuten hatte ich wackelige Knie“, gesteht er, „aber jetzt geht es.“ Er arbeitet zügig an der etwa 80 Quadratmeter großen Fläche, denn schließlich ist Regen angesagt – und er will vorher fertig werden. Zur Fixierung verwendet er Acryl, das sogar für Fußböden geeignet ist. Als Casabianca im Mai das Mädchen als Tapete auf die Wand brachte, hatte Helbig auch vorbeigeschaut. Jetzt macht er haltbar, was ein anderer geschaffen hat. Keine künstlerische Herausforderung für jemanden, der beispielsweise damit beauftragt wird, Supermärkte bei Barcelona so zu bemalen, dass keine unerwünschten Graffiti auf die Fassaden gesprüht werden. Das „Kind im Spielzimmer“ wird bei der Fixierung an einigen Stellen ausgebessert, zudem bringt Helbig einen Schriftzug an, der auf Casabianca verweist.

In der Größe, so Behnhaus-Chef Bastek, sei die Aktion einzigartig, aber er könne sich durchaus vorstellen, andere Streetart zu realisieren. „Nachahmung erlaubt“, sagt auch Ellen Ehrich, die andere motivieren möchte, solche Projekte zu sponsern.

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Das „Kind im Spielzimmer“ ist Bestandteil der Ausstellung „Begegnungen – Deutsche und dänische Malerei 1860-1960“, die noch bis Ende des Jahres im Behnhaus zu sehen ist.

Wer sich über Künstler Dirk Helbig und seine Projekte informieren möchte, kann das unter: https://pintordirkhelbig.wordpress.com/ tun. Per E-Mail ist er zu erreichen über die Adresse dirk.helbig@googlemail.com. Mehr über Julien de Casabianca unter: http://www.juliendecasabianca.com/.

 Sabine Risch

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