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Lübeck Das Wahrzeichen mit falschem Namen
Lokales Lübeck Das Wahrzeichen mit falschem Namen
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08:21 12.10.2016
Alexandra Grothe von der Lübeck und Travemünde Marketing GmbH schaut im Welcome-Center zwischen den falsch beschrifteten Holstentoren hindurch. Bei der LTM schmunzelt man darüber. Quelle: Fotos: Cosima Künzel, Ltm
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Lübeck

Genau besehen sind es nur zwei Striche zu viel und einer zu wenig. Schon ist aus dem Holstentor ein Bolstentok geworden. Und dieses Wahrzeichen im Miniformat gibt es im Welcome-Center der Lübeck und Travemünde Marketing GmbH (LTM) zu kaufen. Dort erweist es sich nicht trotz, sondern gerade aufgrund des Schreibfehlers als Verkaufshit.

 

Sprecherin Doris Annette Schütz hat bereits neue Tore bestellt, allerdings mit richtiger Aufschrift.

Verkaufsschlager

30 Wahrzeichen mit der Aufschrift Holstentor hat die Lübeck und Travemünde Marketing GmbH (LTM) bestellt. Geliefert wurden „Bolstentoks“, die in der Tourist-Information, Holstentorplatz 1, nun trotzdem verkauft werden.

Gebaut wurde das heutige Wahrzeichen von 1464 bis 1478 von dem Ratsbaumeister Hinrich Helmstede als Ersatz für den Vorgängerbau aus dem 14. Jahrhundert.

„Fehldrucke steigern wohl den Wert, ähnlich wie bei Briefmarken“, meint LTM-Sprecherin Doris Annette Schütz mit Blick auf die falsch beschrifteten Souvenirs, die so aber nicht geplant waren. „Wir haben die Wahrzeichen vor einigen Wochen mit Holstentor-Aufschrift bestellt und uns sehr amüsiert, als wir das Bolstentok sahen.“ In Auftrag gegeben wurde das etwa zehn Zentimeter kleine Modell über einen Zwischenlieferanten und produziert in China. „Da sind wohl ein paar Schriftzeichen durcheinandergeraten“, scherzt die Leiterin der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit.

Erst habe man überlegt, die 30 Mitbringsel mit der falschen Aufschrift zurückzuschicken, doch der Facebook-Eintrag mit dem Bolstentok kam gut an. Also hat die LTM das Souvenir neben Bastelkarten, Schlüsselanhängern, Filzuntersetzern, Gummibärchen und vielem mehr mit Holstentor-Design in der Verkaufsausstellung platziert. „Natürlich haben wir einen Hinweis dazugestellt, der auf den Fehler aufmerksam macht“, erklärt die Sprecherin. „Wir wollen ja nicht, dass die Gäste den Schriftzug erst zu Hause entdecken, oder noch schlimmer: dass sie denken, unser Wahrzeichen heißt so.“ Inzwischen sind 14 Stück verkauft, und Schütz ist sicher, dass der Rest auch noch gut über den Tresen geht. Daher hat die LTM bereits neue Holstentore bestellt. „Allerdings mit der richtigen Aufschrift.“

Norma Arndt vom Schöning Verlag in Lübeck kann verstehen, dass so etwas vorkommt. „Wir haben mal eine Postkarte von Bad Bevensen in Niedersachsen gehabt, auf der das Wappen von Baden-Württemberg abgedruckt war, und beim Ammersee war das M dreimal geschrieben“, sagt die Redakteurin in der Verlagsherstellung. „Das soll nicht, kann aber passieren.“ Seit Gründung des Verlags 1919 bedient der Verlag eine Vielzahl touristischer Orte und ein besonders großes Lübeck-Sortiment mit 160 Karten-Motiven. Außerdem kamen in den 80er- und 90er- Jahren neue Produktsparten dazu: Broschüren, Bildkalender, Reiseführer und seit 2000 auch Souvenirs. „Unsere oberstes Ziel ist aber natürlich – nicht nur in Lübeck –, immer korrekt und aktuell zu sein.“

Nicht ganz richtig hingegen war im vergangenen Jahr auch das Souvenir des Unternehmens Automaten Winkels aus Wuppertal, Teil der europaweit aktiven Souvenirpräger-Gruppe Euroscope. Die hatten Prägesäulen für Fünf-Cent- Münzen in der Hansestadt aufgestellt und dabei die Lübeck-Silhouette als Sechs-Türme-Panorama ohne St. Aegidien dargestellt. Wie es dazu kam, konnte nicht geklärt werden. Aber ob zu wenig Striche, doppelte Buchstaben oder vergessene Kirchtürme – in Lübeck weiß man auf jeden Fall, was nie fehlen sollte: der Humor.

 Cosima Künzel

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