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„Das Ziel ist eine Vision für die Altstadt 2030“

Lübeck „Das Ziel ist eine Vision für die Altstadt 2030“

Es wird die größte Bürgerbeteiligung, die es in Lübeck je gegeben hat. Ziel ist es, eine Vision für die Altstadt 2030 zu erarbeiten. 2017 soll sie starten. Im LN-Interview erklärt Bausenator Franz-Peter Boden (SPD), was er sich davon erhofft.

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Seit 13 Jahren Bausenator: Franz-Peter Boden (64) hat den Posten seit Mai 2003 inne. Die Bürgerschaft hat die Wahl eines Nachfolgers nicht auf die Reihe bekommen. Daher ist Boden bis April 2017 im Amt.

Quelle: Malzahn

Lübeck. Wie fahren Sie durch die Altstadt?

„Keiner von uns kann die Königstraße passieren, ohne dass er irgendeine Verkehrsregel missachtet.“

Bausenator Franz-Peter Boden (SPD)

Serie

Autofreie

Altstadt?

Franz-Peter Boden (SPD): Ich bewege mich sehr unterschiedlich durch die Altstadt. Zu Fuß, mit dem Rad und oft mit der Vespa. Selten mit dem Auto.

Warum selten mit dem Auto?

Boden: Weil der Weg von A nach B viel zu zeitaufwendig ist.

Das Thema autofreie Altstadt ist durch den Koberg und das Hansekulturfestival wieder aktuell geworden. Haben Sie es unterschätzt ?

Boden: Nein. Wir haben das nicht unterschätzt. In den letzten 20 Jahren wurden viele Verkehrsberuhigungsmaßnahmen in der Altstadt umgesetzt. Das ist mehr oder weniger unmerklich geschehen.

Nehmen Sie die Hüxstraße als Beispiel, die sonnabends Fußgängerzone ist. Oder den Klingenberg und die Schmiedestraße. Oder die Reduzierung auf zwei Spuren an der Untertrave und an der Kanalstraße, zugunsten der Radfahrer.

Ist da das neue Parkhaus Wehdehof noch notwendig?

Boden: Wenn man danach geht, was die Leute sagen, dann wäre das nicht notwendig. Ich sage aber: Für die nächsten 10,15,20 Jahre ist das Parkhaus notwendig, damit die Altstadt als Einzelhandelszentrum einen Umbruch – der möglicherweise kommt – überhaupt überleben kann.

Was halten Sie denn von einer autofreien Altstadt?

Boden: Es ist ein Unterschied, ob man die Altstadt an einem Wochenende sperrt wie bei dem Hansekulturfestival. Da bin ich sofort dabei. Aber diejenigen, die eine autofreie Altstadt fordern, müssen sich doch der Realität stellen. Was ist mit der Erreichbarkeit der Wohnungen, der Praxen, der Geschäfte?

Die Anwohner sind für weniger Verkehr, der Handel dafür und der Stadtverkehr warnt davor, die Busse rauszunehmen. Wie wollen Sie das zusammenkriegen?

Boden: Das ist ja unsere tägliche Arbeit als Stadtplaner. Aber klar ist doch: Wenn man täglich 43 000 Menschen mit den Bussen in die Altstadt befördert, kann man nicht sagen ,Wir nehmen die Busse raus'. Das ist mir einfach zu kurz gedacht.

Theoretisch gibt es die autofreie Altstadt - aber praktisch hält sich keiner dran. . .

Boden: Für mich steht hinter dem Thema autofreie Altstadt die größere Frage der Mobilität der Zukunft. Man muss sich mit dem Thema ganzheitlich auseinandersetzen. Wir wollen alle Parameter aufnehmen, die mit der Innenstadt zusammenhängen. Dabei geht es nicht nur um den Verkehr. Denn es gibt gesellschaftliche Veränderungen in Bezug aufs Wohnen und aufs Einkaufen. Inwieweit wird die Fußgängerzone in zehn Jahren noch die sein, die sie heute ist? Vielleicht haben wir dann nur noch Shops, in denen man sich die Ware anschaut, die man sich aber in seiner Größe online bestellt. Wir müssen das veränderte Mobilitätsverhalten berücksichtigen. Wenn ich in der Stadt wohne, habe ich noch ein Auto, mache ich Carsharing, nehme ich den Bus, fahre ich mit dem Rad? Außerdem muss man nicht nur elektrische Autos berücksichtigen, sondern auch autonomes Fahren. In der Schweiz befinden sich beispielsweise in der kleinen Stadt Sitten zwei autonome Kleinbusse im Probebetrieb. Auch bei uns wurden erste Prototypen bereits vorgestellt.

Wie soll die Debatte in Lübeck jetzt geführt werden?

Boden: Wir werden eine Zukunftswerkstatt ins Leben rufen. Das ist ein größerer Prozess als bei der Perspektivenwerkstatt, weil wir es mit einem komplexeren Thema zu tun haben. Wir werden verschiedene Bereiche haben: Verkehr, Wohnen, Einkaufen, Dienstleistungen, Kultur. Die werden in Untergruppen aufgeteilt: Beim Verkehr beispielsweise in Radfahren, E-Mobilität. Es wird immer wieder Workshops geben. Das ist unerlässlich.

Klingt nach einem riesigen Aufwand und einem langen Prozess...

Boden: Ich bin der Meinung, dass man das innerhalb eines Jahres abschließen kann.

Wie ist die Zeitschiene?

Boden: Wir wollen in diesem Jahr ein Konzept vorschlagen, wie man den Prozess initiiert. Erste Aspekte werden wir den politischen Gremien Ende September vorschlagen. Die Bürgerschaft könnte dann im November entscheiden. Wir werden Fachleute haben, die uns beraten. Es werden alle eingebunden – Verbände, Vereine, Privatleute. Dann wird es die Arbeitsgruppen geben. Wir möchten von allen Input bekommen: von denen, die in der Altstadt wohnen – und von denen, die sie nutzen. Parallel werden Architekten das, was in den Gruppen verbal diskutiert wird, optisch umsetzen, damit es für die Bürger transparent wird.

Was kostet so eine Zukunftswerkstatt?

Boden: Ich schätze 200000 bis 300000 Euro – eher 300 000 Euro.

Was ist das Ziel?

Boden: Das Ziel ist es, eine Vision für die Altstadt 2030 zu erarbeiten. Aber keine, die man in den Schrank stellt. Sie muss so aufgebaut sein, dass man sie in Abschnitten verwirklichen kann – immer in überschaubaren Zeiträumen.

Wann könnten neue Altstadtregeln gelten ?

Boden: Die Einführung einer allgemeinen Tempo-30-Zone, eine Bereinigung des Schilderwaldes, Durchgängigkeit für Radfahrer – das wird man in den ersten fünf Jahren durchsetzen können. In einem zweiten Abschnitt sind längerfristig geplante Maßnahmen vielleicht bis 2025 vorzusehen.

Aktuell ist es in der Altstadt so: Man hat versucht es allen Recht zu machen, jetzt kennt sich keiner mehr aus. Gibt es die Gefahr auch bei solch einem neuen Prozess?

Boden: Die Gefahr besteht. Schauen Sie sich den Schilderwald beispielsweise in der Königstraße an. Keiner von uns kann sie passieren, ohne dass er irgendeine Verkehrsregel missachtet. Wenn man aber in einer Vision für die Altstadt sagt: Königstraße ist eine Einkaufsstraße, da fahren nur die Busse und die Anlieger der Rippenstraßen durch – dann muss man das auch konsequent umsetzen. Da darf die Politik nicht nachgeben, wenn sich fünf Leute beschweren. Es ist ein Umgewöhnungsprozess. Am Ende sehen viele ein, dass sie davon Vorteile haben werden.

Ist die Kontrolle der richtige Weg?

Boden: Auf Dauer kann das nicht der richtige Weg sein. Das ist etwas, was sich im Kopf abspielt. Die Mentalität der Menschen ändert sich. Für die jungen Leute ist das Auto kein Prestige-Objekt mehr.

Als Sie 2003 angefangen haben als Bausenator – hätten Sie gedacht, dass sich die Mentalität beim Thema Verkehr so verändert?

Boden: Ich habe es bei meinen eigenen Kindern erlebt. Die sind alle drei aus dem Haus, haben alle einen Führerschein, schaffen sich aber kein Auto an. Sie benutzen das Rad, den ÖPNV und die Bahn. Wenn sie ein Auto brauchen, leihen sie sich eins.

Sie stoßen den Prozess jetzt an, den jemand anderes umsetzten muss. Sind Sie da auch ein bisschen froh?

Boden: Nein. Das sind spannende Prozesse, die würde ich gerne noch begleiten. Aber das ist dann so.

 Interview: Josephine V. Zastrow

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