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Lübeck Das außergewöhnliche Boot von Klaus-Dieter Abitzsch ist ein echter Hingucker
Lokales Lübeck Das außergewöhnliche Boot von Klaus-Dieter Abitzsch ist ein echter Hingucker
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14:42 22.07.2018
Das Boot ist so geworden, wie es sich der Bootseigentümer Klaus-Dieter Abitzsch vorgestellt hat. Quelle: Fotos: Lutz Roessler
St. Lorenz Süd

Am Rande der Altstadtinsel, im ruhig gelegenen Lübecker Motorboot-Klub, schaukelt das selbstgebaute Dinghy gemütlich zwischen zwei Dalben. Von weitem sieht das Boot aus wie ein großer roter Swimmingpool. Eben einer, der schwimmen kann. Der leuchtend rot gestrichene Rumpf besteht komplett aus Palettenholz. „Zwar sind die Paletten aus Holzresten zusammengeschraubt, doch sind viele schöne Balken dabei, bei denen es zu schade ist, sie zu verfeuern“, sagt Bootsbauer und -Eigentümer Klaus-Dieter Abitzsch.

Es ist sechs Meter lang und rot wie die Farbe der Feuerwehr. Auf seinen Rundfahrten durch die Lübecker Kanäle erntet es viel Aufmerksamkeit. Aufgrund der Form des Bootes bekommt es von vielen den Spitznamen Badewanne. Nicht für Abitzsch. Für ihn heißt es einfach „Paletti“.

Und wer dabei an minderwertiges Holz denkt, der irrt. „Solide“, sagt er und klopft dreimal kräftig auf die Bordwand. Die unzähligen Hölzer für „Paletti“ habe er über die Jahre zusammengesammelt. Auf eine Stärke von vier Zentimetern habe er jedes der Holzbretter gehobelt und danach geschraubt, geleimt und zusammengesetzt. Eine dicke Schicht Epoxyd-Harz veredelt das bernsteinfarbene Deck des Bootes. „Ich behaupte immer, es ist das weltweit einzige Motorboot, das aus Paletten gebaut wurde“, sagt der 71-jährige Rentner stolz. Vier Jahre dauerte es, um das Palettenboot in seiner Garage zu konstruieren.

Auf einem rollenden Bürostuhl sitzend, manövriert Abitzsch den sechs Meter langen Kahn gekonnt durch die Kanäle der Stadt. Als er an einer schwimmenden Plattform vorbeifährt, die auf Tonnen gelagert ist, zeigt er drauf und sagt: „Da fragt man sich schon, wann ist ein Boot ein Boot?“ – und schmunzelt ein wenig selbstironisch. Denn die Fahreigenschaften seiner schwimmenden Badewanne seien ebenfalls gewöhnungsbedürftig, gesteht er. „Der Drehpunkt liegt ziemlich weit vorne. Deswegen ist der Wirkungsgrad des Rudereinschlags höher als die eigentliche Drehung am Ende“, erklärt der Rentner fachmännisch. Das sei aber nicht wirklich dramatisch, sagt er, denn für Touristen und Schaulustige sei „Paletti“ eine wahre Sensation. „Viele Leute strecken den Daumen in die Höhe und geben mir Komplimente für das Boot.“ Die positive Resonanz überrasche ihn total. Damit habe er nicht gerechnet.

Dabei ist „Paletti“ nicht nur ein absoluter Hingucker, sondern auch ein wahres „Do It Yourself“- Projekt: Nicht nur die Bootsarbeiten führte der gelernte Elektromaschinenbauer durch, auch der Bauplan ist selbst gezeichnet. „Das Ziel war es, aus sechs Metern Länge so viel wie möglich rauszuholen“, schwärmt er. Das Wissen eignete er sich durch Bücher an. Aber am meisten lernte er durch wiederholtes Ausprobieren. „Ich musste schon wirklich viel herumexperimentieren.“

Mit den Hölzern von Industriepaletten hat Abitzsch schon einige Erfahrungen gesammelt. „Ich habe schon viele Sachen aus Palettenholz gebaut: einen Pavillon, eine Terrasse.“ Die Idee, ein Boot aus Paletten zu bauen, habe er schon immer im Hinterkopf gehabt und nun umgesetzt. „Das Boot ist so geworden, wie ich es mir vorgestellt habe“, sagt er stolz.

Zwar mache es das gute Wetter noch nicht notwendig, aber als nächstes wolle er ein Ruderhaus bauen. Natürlich aus Palettenholz.

Recycling ist beliebt

Boote aus recycelten Materialien zu bauen, scheint ein Trend bei Bootsbauern auf der ganzen Welt zu sein. So baute zum Beispiel der Öko-Aktivist David de Rothschild vor einigen Jahren einen Katamaran aus 12 500 Plastikflaschen und überquerte damit erfolgreich den Pazifik. Kurios war auch das „Floß aus Müll“ des Amerikaners Dan Cullum. 2400 Meilen schipperte er damit den Mississippi hinunter.

Fabian Boerger

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