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Lübeck Das freundliche Gesicht des Rathauses
Lokales Lübeck Das freundliche Gesicht des Rathauses
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21:41 22.12.2017
Friedrich „Fiete“ Jaacks (63) an der Rathaustür. 1983 fing er als Aushilfspförtner an. Quelle: Foto: Lutz Roessler
Innenstadt

Es war nicht das Ziel seiner Träume, als Friedrich Jaacks im Juli 1983 als befristet eingestellte Aushilfskraft in der Pförtnerei des Rathauses anfing. Der Hof, den der gelernte Landwirt in Malkendorf bei Groß Parin von seinen Eltern übernommen hatte, warf nicht mehr genug ab, Jaacks brauchte Geld. Aber schon bald stellte sich heraus, dass der neue Job, wie er heute sagt, ihm „wie auf den Leib geschneidert“ war. „Ich geh’ auf die Leute zu, und bei mir muss es immer geradeaus gehen“, sagt Friedrich Jaacks, genannt „Fiete“.

Er hat Touristen durchs Rathaus geführt, er hat Monarchen und Staatsoberhäupter betreut, er hat den Empfang für die Außenminister der G7 organisiert. Nach 34 Jahren in der Pförtnerei hat Bürgermeister Bernd Saxe Friedrich „Fiete“ Jaacks (63) am Freitag in den Ruhestand verabschiedet.

Damit kam er gut an. Nach zweieinhalb Jahren hatte er einen unbefristeten Vollzeitvertrag. Noch einmal 32 Jahre später ist er jetzt ausgeschieden – inzwischen als Leiter der Hausverwaltung und damit Chef der Pförtner, Hausmeister und Hilfskräfte in Haus und Küche.

Friedrich Jaacks hat Staats- und Regierungschefs empfangen, die dänische Königin, das niederländische Königspaar und Prinz Charles. Als 2015 die Außenminister der G7 in Lübeck tagten, ging es auch für Jaacks hoch her. Sicherheitsbeamte bevölkerten schon Tage vorher das Rathaus. „All das hat Fiete gleichmäßig freundlich, höflich und zuvorkommend abgewickelt“, sagte Bürgermeister Bernd Saxe bei der Verabschiedung vor etwa 60 Gästen im Börsensaal des Rathauses.

Dass die Mächtigen ihn wahrgenommen hätten – darüber macht Jaacks sich keine Illusionen. Er kümmerte sich um die Sicherheitsleute, die Caterer, die Tische und Stühle, er wollte, dass alles funktioniert, nicht, dass er groß herauskommt. „Ich war der Mann im Hintergrund,“ sagt er, „ich hab’ meinen Job gemacht.“

Im Alltag hatte er es viel mit Touristen zu tun, die er durch das Rathaus führte. Vor großen Gruppen zu sprechen, fiel ihm nie schwer, und auch weniger angenehme Situationen wusste er zu regeln. Wenn Bürger kamen, die ihrem Frust über die Verwaltung Luft machen wollten, ohne sich mit Höflichkeit aufzuhalten, fing er sie ab. „Alles, was hier unten stattgefunden hat“, sagt er und zeigt auf die Treppe, die zu den Büros und Sitzungssälen führt, „kam nie nach oben.“ Auch von den berühmten Gästen hätten sich einige danebenbenommen – aber Einzelheiten verrät Jaacks nicht. Sein Grundrezept für den Umgang mit allen, die Streit suchen: „Man muss einfach ruhig bleiben. Die haben immer recht, du hast nie recht.“

Die Verantwortung für die Hausverwaltung gibt er ab. „Ich brauch mich nicht mehr aufregen.“ Er freut sich auf die kleine Landwirtschaft, die er sich erhalten hat. Aber er wird weiter Besucher führen. Das nächste Mal am Mittwoch nach Weihnachten um 13.30 Uhr.

 Von Hanno Kabel

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