Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Lübeck Das neue Leben des alten Fährhauses
Lokales Lübeck Das neue Leben des alten Fährhauses
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
13:54 10.06.2017
Geschäftsführer, Pächter und Architekt (v. l.): Stephan Rönnig, Norbert Marienhoff und Tobias Mißfeldt auf der Dachterrasse des außen mit Reet verkleideten Neubaus. Im Hintergrund das sanierte Fährhaus. Quelle: Fotos: Ulf-Kersten Neelsen
Anzeige
Lübeck/Rothenhusen

Bis 1989 war dies das Ende der freien Welt. Näher als im Fährhaus Rothenhusen konnte man dem Niemandsland der DDR-Grenze beim Gaststättenbesuch kaum kommen. Etwas Verwunschenes hat der Ort noch heute. Das Fährhaus liegt auf einer Insel, dort, wo der Ratzeburger See in die Wakenitz übergeht, zwischen Biosphärenreservat und Naturschutzgebiet, zwischen Wasser, Schilf und Bäumen. Seit dem Mittelalter gehört es der Hansestadt Lübeck. Seit 770 Jahren gibt es hier eine Gastwirtschaft. Ende 2015 hörte der bisherige Pächter nach 42 Jahren auf. Seine Nachfolger Norbert Marienhoff und Jürgen Rössig haben das Haus saniert und mit einem neuen Anbau versehen. Zum Tag der Architektur präsentiert der Lübecker Architekt Tobias Mißfeldt (44) das neue Fährhaus heute der Öffentlichkeit.

Zum Tag der Architektur präsentiert sich die sanierte und erweiterte Gaststätte in Rothenhusen.

Was dem Besucher als Erstes ins Auge fällt, ist der neue Anbau. Der Vorgängerbau aus den 50er Jahren wurde abgerissen. Der aus Holz konstruierte Neubau ist außen mit Reet verkleidet. Das gibt es nach Mißfeldts Angaben bisher fast nur in Holland. „Der Ort gibt das Material ein bisschen vor“, sagt er. Mit Reet hat er sich schon in einem Forschungsprojekt an der Fachhochschule eingehend befasst.

„Das Fährhaus hatte früher ein Reetdach.“ Mißfeldt entschied sich aber bewusst, das Material anders zu nutzen. „Es ist der Versuch einer neuen Gegenwartsarchitektur, die trotzdem einen Ortsbezug hat“, sagt er. Eine praktische Seite gibt es auch: Das Reet wirkt wärmedämmend. Der langgezogene Neubau hat eine durchgehende Fensterfront zum See hin und eine große Dachterrasse.

Viel Arbeit mussten die Planer und Handwerker in den Altbau stecken, das eigentliche Fährhaus. Die Untersuchung des Holzes ergab, dass das Haus um 1580 gebaut wurde. Seitdem ist es immer wieder verändert worden. In den letzten Jahrzehnten sei der Bau vernachlässigt worden, sagt Mißfeldt. Bei der Sanierung machten er und die neuen Pächter keine Kompromisse. „Wir sind über nichts hinweggegangen, wo man sagen würde: ,Das müsste eigentlich gemacht werden, aber jetzt kann ich erst mal damit leben‘“, sagt der Architekt. Jeder Schaden an Mauern, Dämmung, Dichtung wurde behoben, auch wenn es teuer wurde. „Es ist schon siebenstellig geworden“, sagt Norbert Marienhoff, „was nicht geplant war.“ Aber er hat sich von den Arbeiten im alten Bestand begeistern lassen: „Es belebt einen – die Kreativität, damit umzugehen.“ Bewundernd berichtet er von den Zimmerleuten, die mit den riesigen Fachwerkbalken Millimeterarbeit leisteten.

„Der Zimmermann der Gegenwart benutzt zu 90 Prozent die Motorsäge“, sagt der Architekt Mißfeldt. „Hier braucht man Stecheisen und Feile.“

Das dem Haupthaus gegenüber gelegene, ehemalige Stallgebäude war so marode, dass es abgerissen und auf dem alten Grundriss neu gebaut wurde. Im Dachgeschoss ist dabei eine weitere Gaststube entstanden, geeignet für kleinere geschlossene Gesellschaften. Insgesamt gibt es jetzt sechs geschlossene und offene Gasträume: das Haupthaus, den Anbau, die Außenfläche davor, die Dachterrasse, das Dachgeschoss im Stallgebäude und den Innenhof. Theoretisch gibt es bis zu 330 Plätze. Die Küche des neuen, alten Fährhauses beschreibt Marienhoff mit den Worten: „Regional, saisonal, mit Anbindung an die Höfe und Betriebe der Umgebung.“

Führungen bieten der Architekt Tobias Mißfeldt und seine Projektleiterin Katharina Fey heute von 15 bis 17 Uhr alle halbe Stunde. Das gesamte Programm des Tages der Architektur steht unter http://tinyurl.com/y8atmrr4.

Tag der Architektur in Lübeck

Schule an der Wakenitz, neue Anbauten, heute, 15 Uhr (Dieselstraße 16)

Fachhochschule, Sanierung FB Bauwesen, Neubau eines Veranstaltungsfoyers, heute, 11 Uhr (Stephensonstraße 1-3) Vereinigte Baugenossenschaften Lübeck, Neubau (Geschäftsstelle, Wohnungen, Vorgarten), heute, 10 Uhr, Hövelnstraße 28-32

UKSH-Parkhaus, Neubau, morgen, 14 Uhr (Ratzeburger Allee 160, Haupteingang vor dem Automaten)

Europäisches Hansemuseum, Neubau, morgen, 11 Uhr (An der Untertrave 1)

 Hanno Kabel

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Anzeige