Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Lübeck „Das wäre ein politisches Erdbeben“
Lokales Lübeck „Das wäre ein politisches Erdbeben“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:27 24.09.2017
Thorsten Fürter möchte für die Grünen in den Bundestag einziehen und dort den Wahlkreis 11 vertreten. Quelle: Lutz Roeßler
Anzeige
Lübeck

Der Bundestagskandidat der Grünen will schaffen, was bisher nur in Berlin gelang. Thorsten Fürter (47) will das Direktmandat im Wahlkreis 11 für seine Partei holen. „Das wäre ein politisches Erdbeben“, weiß der Volljurist, der dann auch noch einen neuen Wahlkampf ausprobiert. 

Der gebürtige Hamburger ist ein erfahrener Politiker. Er ist seit 20 Jahren in der Partei, saß von 2009 bis 2012 im Kieler Landtag, ist seit 2013 Mitglied der Lübecker Bürgerschaft, war mehrere Jahre lang Fraktionsvorsitzender, ist seit einem Jahr Kreisvorsitzender der Grünen und bestreitet nicht seinen ersten Wahlkampf. 2011, als Fürter Bürgermeister werden wollte, holte er im ersten Wahlgang respektable 19,4 Prozent. Damals gab es durch das Reaktorunglück in Fukushima allerdings auch Rückenwind für die Partei.

Zum Thema

Informieren Sie sich mit aktuellen Nachrichten zum Wahlkampf auf Bundesebene unter www.LN-online.de/Bundestagswahl.

Alle Nachrichten über Ihren Wahlkreis unter www.LN-online.de/Wahlkreis11

Auf dem 2011-Ergebnis will er aufbauen. Und nach seiner Einschätzung ist die Lage günstig wie lange nicht. „Die Kandidatin der SPD ist seit 15 Jahren im Bundestag“, erklärt Fürter, „sie hat zweifellos ihre Verdienste, aber viele sagen, von ihr würden keine neuen Impulse mehr kommen.“ Die CDU schicke eine Newcomerin ins Rennen, bei der nicht sicher sei, „ob die CDU überhaupt geschlossen hinter ihr steht“. Fürter sagt: „Ich will für diejenigen Wähler die Alternative sein, die den Wechsel wollen.“ Das sei eine Kampfansage. Da die SPD bundesweit in Umfragen schwächele, rechnet sich der Grüne durchaus Chancen bei der Wahl aus.

Sein Wahlkampf ist unkonventionell. Er verzichtet auf Papier, es gibt keine Plakate, keine Flyer und keine Kugelschreiber. Wenn er mit seinen Mitstreitern von Haustür zu Haustür zieht, verteilt er kleine Buttons. „Es ist der Versuch, etwas Neues zu machen“, erklärt der 47-jährige, der verheiratet ist, in der Altstadt lebt und zwei Kinder hat. „Plakate und Flyer bringen nichts“, ist Fürter überzeugt. Sollte er aber nur fünf Prozent holen, würden die Grünen wohl beim nächsten Mal wieder Plakate kleben. Der Kandidat setzt auf das persönliche Gespräch und soziale Medien. „100 persönliche Ansprachen erreichen mich pro Woche.“

Der Richter am Oberlandesgericht Schleswig, der eigentlich Journalist werden wollte, sieht sich selbst als Realo und ist ein Fan von Spitzenkandidat Cem Özdemir, „weil der nicht so ein populistischer Draufhauer-Typ ist“. Das ist Fürter auch nicht. Konfrontationen geht er aber nicht aus dem Weg. Mit ihm, der früher mal ein paar Jahr in der FDP war, hatten viele im sehr linken Grünen-Kreisverband Probleme. Unter Fürter spalteten sich die Grünen in der Bürgerschaft. „Das habe ich nicht gewollt“, versichert er. Die Partei entwickele sich aber positiv, die Zahl der Mitglieder sei auf 110 gestiegen.

Klicken Sie hier, um Bilder und Porträts, Ansichten und Meinungen der Kandidaten des Wahlkreis 11 zur Bundestagswahl 2017 zu sehen!

Der 47-Jährige betrachtet die Wirtschaft nicht als Feind, sondern will sie als Bündnispartner bei „der Mammutaufgabe Klimawandel“ gewinnen. Trotzdem spricht er sich für einen klar terminierten Ausstieg aus dem Verbrennungsmotor aus. Sollte er in den Bundestag gewählt werden, will er sich für gesunde Lebensmittel stark machen, eine bessere Kennzeichnung einführen und die ökologische Landwirtschaft voranbringen.

Aber Fürter gehört nicht zu denen, die anderen Menschen vorschreiben wollen, wie sie zu leben haben. „Der erhobene Zeigefinger ist nicht mein Ding.“ Zugleich will er seine private Lebensführung nicht öffentlich kommunizieren. „Ich bin kein Öko-Musterknabe, aber natürlich fahre ich nicht mit einem SUV durch die Gegend.“

Die Wahl

166800 Wahlberechtigte sind in der Hansestadt aufgerufen, am 24. September bei der Bundestagswahl ihre Stimme abzugeben.

Im Wahlkreis 11, zu dem neben Lübeck auch lauenburgische Ämter zählen, sind es sogar knapp 177000. Bei der Wahl 2013 waren es fast 182000 Wahlberechtigte im Wahlkreis 11, 2009 waren es 180424 und 2005 179114.

Über 16 000 Briefwahlanträge wurden bis zum 4. September ausgehändigt oder ihnen zugeschickt. Das seien zehn Prozent der Wahlberechtigten in Lübeck, berichtet die CDU-Bewerberin Prof. Claudia Schmidtke. Seit dem 28. August können Wähler im Rathaus ihre Stimme abgeben oder Unterlagen abholen. Die Direktkandidaten Sieben Parteien und Wählergemeinschaften treten bei der Bundestagswahl am 24. September mit einem Direktbewerber im Wahlkreis 11 (Lübeck und Nord-Lauenburg) an.

Die Mitbewerber von Thorsten Fürter sind die Ärztin Prof. Claudia Schmidtke (CDU), Gabriele Hiller-Ohm (SPD), Timo Jeguschke von der FDP, Ingo Voht von den Freien Wählern, Hans-Eberhard Knust (AfD) und Lüder Möller (MLPD). Der Kandidat der Linken, Sascha Luetkens, hatte keine vollständigen Unterlagen eingereicht und kann deshalb nicht antreten.

KAI DORDOWSKY

 

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Anzeige