Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Lübeck Debatte zur Untertrave: Auf dem Drehbrückenplatz fehlen Bäume
Lokales Lübeck Debatte zur Untertrave: Auf dem Drehbrückenplatz fehlen Bäume
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
10:53 21.04.2016
Volles Haus: 150 Lübecker diskutieren über die Neugestaltung der Untertrave. Bausenator Franz-Peter Boden (SPD, l.), Stadtplanerin Christine Koretzky (M.) und Landschaftsarchitekt Tonio Trüper (r.) stellen die Pläne in der Großen Börse des Rathauses vor. Quelle: Fotos: Felix König (5), Olaf Malzahn (1), Grafik: Trüper, Gondesen, Partner

Denn den größten Batzen mit 11,9 Millionen Euro zahlen EU, Bund und Land — und sie bestimmen auch den Zeitplan. Die Stadt finanziert zwei Millionen Euro, die Anwohner müssen 1,7 Millionen Euro beisteuern.

Zur Galerie
Drehbrückenplatz 2018: Eine Treppe führt zum Wasser. WC-Häuschen samt Imbiss sind weg. Ersatz soll an der Untertrave entstehen.

Größter Kritikpunkt der Lübecker: Der Drehbrückenplatz ist eine Steinwüste. „Pflaster haben wir in Lübeck genug“, sagt Johannes Frenzel. Sein Vorschlag: „Wenn der Drehbrückenplatz ein wenig Rasen oder Grün bekommt, wäre das gut.“ Für Jürgen Hagenow ist klar: „Es ist Wunschdenken, dass sich Menschen auf dem Drehbrückenplatz aufhalten.“ Er befürchtet, „dass der Platz wie der Koberg wird“.

Hagenow: „Gastronomie ist dort unverzichtbar.“ Und für Carl Ewert ist klar: „Der Platz braucht einen visuellen Punkt.“ Auf den die Menschen zulaufen können, wenn sie vom Holstentor die neue Meile entlangflanieren. Seine Idee: „Eine Wasserfontäne.“ Ähnlich wie es sie auf der Hamburger Binnenalster gibt. „Nur so groß muss sie ja nicht sein.“ Und Umweltschützerin Christa Fischer sagt: „Etwas Grün zu haben, ist ein Grundbedürfnis der Menschen.“ Sie fordert mehr Blumen.

Das Gegenargument von Landschaftsarchitekt Tonio Trüper: „Der Drehbrückenplatz war ein Umschlagplatz für den Hafen.“ Da habe es kein Grün gegeben. Er soll freie Sicht auf Rehderhäuschen, Media Docks, Schuppen 6 zulassen — und auf die Drehbrücke. Außerdem würde der große alte Baum an der Drehbrücke stehenbleiben und mit einer umlaufenden Bank und Grün eingefasst werden. Doch die Kritik an dem Platz reißt nicht ab. Eine Dame meint: „Sie machen einen Fehler.“ Christian Kahl von der Diskothek Sounds sagt: „Ich halte den Drehbrückenplatz nicht für sinnig.“ Es fehle Gastronomie. Zudem fahren 12000 Autos am Tag über die Drehbrücke.

„An der Obertrave hat sich viel Außengastronomie angesiedelt“, sagt Bausenator Franz-Peter Boden (SPD). Das hätte man vor dem Umbau zur Flaniermeile auch nicht gedacht. Durch die Umgestaltung werde die Untertrave attraktiver, so dass dort ebenfalls Gastronomen Restaurants und Cafés eröffnen. „Warten Sie doch ab“, so Boden. Aber: „Wir werden Ihre Anregungen mit aufnehmen.“

Denn den Bürgern fehlt nicht nur Grün, sondern auch etwas Verspieltes. „Ich habe keinen Raum für Kinder und Jugendliche entdeckt“, sagt Pito Bernet vom Kreisjugendring. „Für einen Spielplatz ist die Fläche zu schmal“, argumentiert Christine Koretzky von der Stadt. Trüper sagt: „Ich habe da keine ablehnende Haltung.“ Sein Büro habe den Piraten-Spielplatz in Travemünde gestaltet wie auch die Obertrave samt der Spielflächen für Kinder. „Wenn, dann müssten Spielgeräte einen maritimen Anklang haben“, so Trüper. Georg Conradi vom Museumshafen regt an, dass auch an Hunde gedacht wird — und Sandflächen eingeplant werden, damit Tiere dort ihr Geschäft erledigen können.

Kritik gibt‘s an der Parkplatzsituation. Derzeit sind 253 Parkplätze zwischen Holstenbrücke und Hansemuseum vorhanden. Im Sommer fallen davon 101 Stellplätze weg, im Winter sind es nur 34

Parkplätze. Damit bleiben im Sommer 152 Stellplätze übrig, im Winter immerhin noch 219. Der Grund: Im Sommer darf auf der Wasserseite nicht geparkt werden, damit dort flaniert werden kann. Damit fallen im Sommer 67 zusätzliche Parkplätze zwischen Holstenbrücke und Drehbrückenplatz weg. Diese Sommer-/Winterregelung gibt es bereits an der Obertrave. „Es ist jetzt schon jeden Abend Krieg um die Parkplätze“, moniert eine Anwohnerin. „Für das Wohnen in der Altstadt ist das Fahrzeug nicht das entscheidende Merkmal“, sagt indes Boden.

Aber auch für die Lübecker, die mit dem Bus fahren, ändert sich etwas. Die Haltestelle Untertrave nahe dem Holstentor fällt weg. Die Haltestelle Beckergrube wird etwas in Richtung Holstentor verschoben. Und: Ein neuer Haltepunkt ist an der Drehbrücke geplant. Der wird nicht an der Untertrave platziert, sondern auf der Seite der Musik- und Kongresshalle.

Von Josephine von Zastrow

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Der Streit eskalierte am Dienstag zwischen zwei Lübeckern — Einer der Männer wurde dabei leicht verletzt.

20.04.2016

Akribisch hat das Landgericht die Geiselnahme rekonstruiert — Der 23-jährige Haupttäter muss für mehr als sechs Jahre ins Gefängnis — Die Verteidiger finden die Urteile zu hart.

21.04.2016

Umweltausschuss will Platz für Wanderweg und Otter.

20.04.2016
Anzeige