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Lübeck Decken gegen die Kälte in St. Marien
Lokales Lübeck Decken gegen die Kälte in St. Marien
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20:37 02.12.2017
Warm anziehen lautet das Motto, wenn man in St. Marien den Gottesdienst oder ein Konzert besuchen will. Anna-Lena Niemann jedenfalls hat das beherzigt.  Quelle: Felix König/ Agentur 54°
Innenstadt

„Alle Jahre wieder“ ist eines der bekanntesten Weihnachtslieder. Für Kirchenbesucher in St. Marien bekommt die Refrainzeile inzwischen eine weitere besondere Bedeutung, kündet sie doch nicht nur die Ankunft des christlichen Heilands auf Erden an, sondern auch die Rückkehr der adventlichen Kälte aus 2016 im Kirchenschiff.

In St. Marien musste aus Sicherheitsgründen die Heizungsanlage stillgelegt werden. Bis eine neue eingebaut werden kann, wird es mindestens zwei Jahre dauern. Kirchenbesucher sind also aufgerufen, sich warm anzuziehen. Es werden aber auch vor jeder Veranstaltung Decken verteilt.

„Unsere Heizung ist bedauerlicherweise nicht mehr in Betrieb“, sagt Christian Rosehr, Vorsitzender des Kirchengemeinderates, „die Kirche bleibt also auch zu Weihnachten kalt und dies mindestens wohl für die nächsten zwei Jahre.“ Damit wiederholen sich die Geschehnisse des Vorjahres, denn auch vor zwölf Monaten hieß es: „Frieren im Gotteshaus“.

Das ganze Malheur begann während der Sanierungsphase im Marienwerkhaus vor zirka anderthalb Jahren. „Am Ende dieser Umbauzeit hat man festgestellt, dass der Trafo, der dort im untersten Kellergeschoss steht und die stromgetriebene Heizungsanlage in unserer Kirche am Laufen hält, marode ist und unbedingt ausgetauscht werden muss“, erläutert Rosehr, der von Haus aus Architekt ist.

In Folge dieses Vorhabens wurden die viele Meter langen Kupferleitungen zwischen Trafo und Heizung gekappt, aufgerollt und in einer Ecke abgelegt – dort sollten sie so lange bleiben, bis der neue Stromversorger eintreffen sollte. Dann passierte jedoch etwas Unvorhergesehenes: „Die anderthalb Tonnen Kupferkabel waren weg. Ein Insider muss damals diesen Diebstahl angezettelt haben“, vermutet Rosehr. Und obwohl mittlerweile über ein Jahr seit dem Vorfall vergangen ist, liegen die Hintergründe noch immer im Dunkeln. „Bisher konnte leider kein Täter ermittelt werden“, konstatiert dazu Polizei-Pressesprecher Dierk Dürbrook, „der Vorgang liegt inzwischen bei der Staatsanwaltschaft Lübeck.“

Als dann alles wieder auf einem sehr guten Wege schien – neuer Trafo sowie neue Anschlussleitungen waren angeschafft und zum Teil im Sommer ausgetestet worden – war die Gemeinde plötzlich mit einer Schreckensnachricht konfrontiert. „Eine Elektrofachfirma zog bei einem Vollbelastungstest vor nun acht Wochen das Resümee – wir können den Rückfluss des Stromes nicht mehr messen, weil der sogenannte Nullleiter, der Stromunfälle verhindern soll, nicht da ist“, erinnert sich der Kirchengemeinderats-Vorsitzende. Das heißt: Kriechströme durch das Erdreich sind möglich. „Entsprechend haben wir vor Kurzem entschieden, aus Sicherheitsgründen die komplette elektrische Fußbodenheizung, Baujahr 1962, stillzulegen“, so Rosehr. Da weitere Nachbesserungen technisch keinen Sinn machen, muss nun eine neue Heizungsanlage für die „Mutterkirche der Backsteingotik“ her. Und das kann dauern.

„Wir haben es hier mit einer sehr komplexen Materie zu tun“, begründet Jürgen Rösing, stellvertretender Leiter der Bauabteilung des Kirchenkreises, „denn das Raumklima im Kirchenschiff ist sehr sensibel und muss wohl austariert sein, nicht zu trocken und nicht zu feucht.“ Denn ein zu viel an Trockenheit könne Risse „am wertvollen Ausstattungsgut“ – wie zum Beispiel an Bildern oder am Altaraufsatz – verursachen, und ein Zuviel an Feuchtigkeit führe zu Schimmel und Pilzbefall.

Für den Experten ist daher auch eine Übergangslösung wie eine flächendeckende Bestückung mit Heizstrahlern nicht tolerabel. „Das hatten wir erst erwogen“, erklärt Marien-Pastor Robert Pfeifer, „es ist aber auch aus finanziellen Erwägungen nicht in Frage gekommen.“ Lediglich für mitwirkende Musiker habe man jetzt vor dem Altarraum eine Beleuchterbrücke mit Heizstrahlern aufgebaut. Dazu stehen rund 650 Decken für Besucherinnen und Besucher von Veranstaltungen zur Verfügung. „Und ab Januar wollen wir in der Briefkapelle die Gottesdienste feiern; die hat eine eigene wassergeführte Heizung und kann erwärmt werden“, so Pfeifer. Ansonsten müsse man nun mit der Situation leben.

 Von Michael Hollinde

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