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Lübeck Dem Abgrund immer näher
Lokales Lübeck Dem Abgrund immer näher
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13:01 20.10.2013
Dicht rückt das Ferienhäuschen an die Abbruchkante des Brodtener Steilufers. Wann es abgerissen wird, steht noch nicht fest. Quelle: Holger Kröger
Travemünde

hat eine neue Touristenattraktion, allerdings eher ungewollt. Immer wieder bleiben Spaziergänger und Wanderer an dem weißen Ferienhäuschen unweit der Hermannshöhe stehen — sowohl oben auf dem Brodtener Steiluferweg als auch unten am Strand. Kommentare wie „Das dauert wohl nicht mehr lange“ oder „Davon möchte ich aber nicht erschlagen werden“ fallen. Dass hier vieles unablässig und unaufhaltsam in Bewegung ist, ist auch für Erstbesucher schwerlich zu erraten. Liegen schließlich massige, frisch entwurzelte Bäume am Spülsaum. „Der letzte Sturm hat wieder einiges herabstürzen lassen“, sagt Travemündes Kurdirektor Uwe Kirchhoff, „und das Brodtener Ufer ist nun einmal ständig in Bewegung.“

Der Kurbetrieb habe die Veränderungen im Blick und werde zeitnah am Strand an der Passage unterhalb des Hauses erneut ein Hinweisschild aufstellen, das auf die Gefahr hinweise. „Jeder Strandspaziergänger ist darüber hinaus aber gehalten, immer gut aufzupassen. Zudem empfehlen wir generell, direkt am Wasser zu laufen oder am besten oben auf dem Wanderweg“, erklärt Kirchhoff.

Eigentlich wollte der Eigentümer das mittlerweile unansehnliche und verwitterte Wochenendhäuschen mit Traumblick schon im September abgerissen haben (die LN berichteten). Aber jetzt steht es immer noch, und es ist weiter zur Abbruchkante vorgerückt. Anfang April hatte Christoph Thies bereits den Wintergarten abgerissen. Dem Hamburger gehört das idyllische Anwesen seit beinahe 20 Jahren.

„Dass sich die Abbruchkante in so relativ kurzer Zeit dramatisch annähern könnte, hätte ich nie gedacht“, sagt der Eigentümer. Er habe bei dem Erwerb schon mit einer längeren Nutzungsdauer gerechnet.

„Aber durch den Klimawandel hat sich die Intensität der Abbrüche einfach verstärkt“, erklärt Thies, der in der Elbmetropole für eine Umweltschutzorganisation arbeitet. Jetzt versichert er, die aufwendigen Abbrucharbeiten seines Feriendomizils zeitnah vor dem Winter erfolgen zu lassen — ohne aber ein konkretes Datum zu nennen. Was Stadtsprecherin Nicole Dorel mit den Worten quittiert: „Wir haben bei der derzeitigen Lage keine Handhabe. Aber selbstverständlich hat die Bauordnung der Hansestadt die Situation hinsichtlich der Verkehrssicherungspflicht des Eigentümers die gesamte Zeit im Blick und steht mit ihm in Kontakt.“ Eine akute Gefahr bestehe derzeit nicht, versichert sie. „Sollten sich die Gegebenheiten ändern, wird umgehend gehandelt.“

Wie Thies nach dem Abriss das Grundstück weiter nutzen wird, weiß er noch nicht. „So etwas bekommt man nur einmal im Leben, und über die vielen Jahre ist mir der Ort wie eine zweite Heimat ans Herz gewachsen“, erklärt er. Deshalb möchte er die restlichen Jahre, bevor das grüne Kleinod Stück für Stück im Meer verschwunden ist, noch möglichst nutzen. „Ich überlege, ob man dort einen Wohnwagen oder eine Hütte hinstellen könnte. Allerdings bin ich mir bewusst darüber, dass ich so eine Art neue Nutzung in einem Naturschutzgebiet mit der Hansestadt absprechen muss.“

• Ein LN-Video zur Situation vor Ort am Brodtener Steilufer finden Sie auf www.LN-online.de/video.

Über 80 Jahre alt
1931 entstand das Wochenendhaus. Damals lag die Abbruchkante recht weit weg. 1984 kaufte eine Berliner Familie die Immobilie, die zu dem Zeitpunkt rund 32 Meter von der Kante entfernt stand.
1987 musste der Wanderweg nach diversen Abbrüchen vor das Haus verlegt werden. 1994 wechselte erneut der Besitzer.

Michael Hollinde

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