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Lübeck Den Kindergärten im Norden gehen die Erzieherinnen aus
Lokales Lübeck Den Kindergärten im Norden gehen die Erzieherinnen aus
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11:04 04.11.2013
Erzieher und Erzieherinnen sind derzeit begehrte Fachkräfte. Quelle: hfr
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Lübeck

Erschwert wird die Situation dadurch, dass reiche Bundesländer gezielt Erzieherinnen und Erzieher abwerben. Folge: In Einzelfällen werden Betreuungszeiten gekürzt, Kita-Gruppen werden zusammengelegt. Das ist – zumindest offiziell – nur erlaubt, so weit eine gesetzlich vorgeschriebene Maximalgröße nicht überschritten wird.

„Frei werdende Erzieher-Plätze sind immer schwerer zu besetzen“, sagt Angelika Wurth, Sprecherin des Verbands der 600 evangelischen Kindertagesstätten (VEK) in Schleswig-Holstein. Die Zahl der Bewerbungen gehe drastisch zurück. Gleichzeitig wachse der Bedarf. „Gerade für die Kinder unter drei Jahren, die wir jetzt aufnehmen müssen, ist nicht rechtzeitig ausgebildet worden“, beklagt Wurth. Allein für diesen Krippenbereich fehlten in Schleswig-Holstein aktuell 2800 Erzieher. Bei krankheitsbedingten Ausfällen sei die Belastung der arbeitenden Kollegen so hoch wie nie zuvor. Auch anderswo ist die Not groß: Reiche Bundesländer – namentlich Bayern und Hessen – räubern im Norden. Sie werben Kita-Erzieher mit Kampagnen ab. Das Jugendamt von Stuttgart suchte gleich im Ausland. Die Baden-Württemberger wurden in Rumänien fündig. Acht deutschsprachige Erzieherinnen erhielten eine 25-tägige Schnellschulung.

In Lübeck, wo die Stellen fürs laufende Kita-Jahr gerade noch besetzt werden konnten, will man von derartigen Gepflogenheiten nichts wissen. Die Qualitätsansprüche an Erzieher werde man trotz des Fachkräftemangels nicht herunterschrauben, sagt Stadtsprecher Marc Langentepe, zu Vorschlägen aus der Kommunalpolitik, „Muttis mit ein paar Stunden Fortbildung“ für den Erzieher-Job fit zu machen, lehne die Stadt strikt ab. Gleichzeitig heißt es: „Wir vermögen aber nicht zu prognostizieren, wie die Situation im nächsten Jahr aussieht.“

Jochen von Allwörden, Geschäftsführer des Städteverbands Schleswig-Holstein, sieht die Politik in der Pflicht. Das Land sei gefordert, Ausbildungsplatz-Kapazitäten zu erhöhen. „Tun wir bereits“, kontert Familienministerin Kristin Alheit (SPD). „Wir haben eine Reihe von Aktivitäten und Maßnahmen eingeleitet, um Kita-Träger dabei zu unterstützen, Fachkräfte zu gewinnen.“ Geprüft werde auch die Ausweitung eines kommunales Konzepts, Langzeitarbeitslose für den Job zu qualifizieren. Bei der Nordkirche laufen parallel Überlegungen, pädagogische Fachkräfte, die vor Jahren ausgestiegen sind, für den Beruf zurückzugewinnen. Vor allem aber müssten die Rahmenbedingungen in Kitas verbessert werden. Dazu zählt die Kirche eine bessere Bezahlung, bessere Arbeitsbedingungen, bessere Aufstiegschancen der Kräfte.

Von Curd Tönnemann

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