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Lübeck Wird der Akw-Bauschutt nach Lübeck gebracht?
Lokales Lübeck Wird der Akw-Bauschutt nach Lübeck gebracht?
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22:39 25.07.2018
Die AKWs Brokdorf, Brunsbüttel und Krümmel. Quelle: dpa/LN-Archiv
Lübeck/Kiel

Das teilte Umweltminister Robert Habeck (Grüne) am Mittwoch in Kiel mit. Anders als Lübeck lehnt eine Mehrzahl der Kommunen mit Deponien die Aufnahme von Akw-Bauschutt bisher strikt ab.

Es gebe eine emotionale Angespanntheit, Sorgen und Ängste, räumte Habeck ein. Am Ende des Dialogs habe es viele Beschimpfungen und Verletzungen gegeben. In den vergangenen zwei Jahren hatten das Ministerium, Umweltverbände, Deponiebetreiber, kommunale Landesverbände und Akw-Betreiber über die Entsorgung beraten. Jetzt liegt ein gemeinsamer Bericht vor. „Das waren teilweise schwierige Sitzungen, bei denen alle Beteiligten über ihren Schatten springen mussten“, sagte Habeck. Der Umweltverband BUND nimmt weiterhin eigene Positionen ein.

Zur Einordnung: Nur wenige Prozente des Bauschutts eines Kernkraftwerks sind so hoch radioaktiv belastet, dass sie in einem speziellen Endlager für radioaktive Abfälle entsorgt werden müssen. Ein Großteil weist allenfalls eine „Restaktivität“ auf oder darf nicht recycelt werden, etwa asbesthaltige Dachverkleidungen oder Mineralwolle. „Freigemessenes Material“ heißt dieser Abfall im Fachjargon. Als Grenzwert gilt eine Strahlenbelastung je Person von 10 Mikrosievert im Kalenderjahr. Der BUND lehnt das Zehn-Mikrosievert-Konzept ab. Der Strahlenschutz von Bevölkerung und Umwelt gehe vor, sagte Landesgeschäftsführer Ole Eggers. Alternative Konzepte seien nicht ernsthaft geprüft worden.

Doch wohin mit dem Material? Bis Ende des Jahres solle ein Ergebnis vorliegen, sagte Habeck. Die Standortentscheidung werde sechs bis neun Monate danach fallen. Die Zeit dränge. 2021 soll mit Brokdorf das letzte Atomkraftwerk in Schleswig-Holstein vom Netz gehen. Krümmel und Brunsbüttel sind seit Jahren stillgelegt. Zu den als geeignet geltenden Deponien zählen Gremersdorf (Ostholstein), Großenaspe und Damsdorf/Tensfeld (Kreis Segeberg) sowie Wiershop (Herzogtum Lauenburg) und Niemark (Lübeck). „Wir prüfen eine Eignung“, teilte ein Sprecher der Entsorgungsbetriebe Lübeck mit.

Bürgermeister Jan Lindenau (SPD) sagte: „Lübeck stellt sich seiner Verantwortung.“ Die Stadt sei grundsätzlich bereit, nicht-strahlende Abfälle auf Niemark zu deponieren. Er lege dabei Wert auf transparente Verfahren und klare Kosten- und Risikofestlegungen. Vom Tisch ist laut Habeck die Option, für „freigemessene Stoffe“ ein besonderes Endlager zu errichten.

Strahlenbelastung

Viele Experten gehen davon aus, dass das Risiko für die Bevölkerung bei einem Wert von bis zu zehn Mikrosievert pro Jahr und Person auf ein Minimum beschränkt ist. Diese Dosis liegt weit unterhalb der Aufnahme durch natürliche radioaktive Strahlung und unterhalb der Strahlungspegel, die zeitweise im Alltag auftreten. So liegt die natürliche Strahlenbelastung in Deutschland durchschnittlich bei 2100 Mikrosievert pro Jahr. Die Werte einer Röntgenaufnahme liegen zwischen 100 und 1000 Mikrosievert.

Von Curd Tönnemann

So haben Sie Krümmel noch nie gesehen: Die Bildergalerie zeigt, wie das Atomkraftwerk gebaut wurde. Da es heute nicht mehr aktiv ist, sind nun auch ganz neue Perspektiven zu entdecken.
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