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Lübeck Der Amphibienbus schwimmt wieder
Lokales Lübeck Der Amphibienbus schwimmt wieder
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21:34 27.10.2017
Es geht wieder los: Bei Übungsfahrten testete der Amphibienbus „Trave-Splash“ gestern die neuen Routen durch Lübeck. Quelle: Holger Kröger
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Innenstadt

Helge Gabriel, Inhaber der City- Schifffahrt, freut sich. Endlich ist sein Amphibienbus „Trave- Splash“ wieder einsatzbereit. „Wir sind im Moment sehr viel am Rumschwirren“, erzählt er. Testfahrten und eine Änderung seiner Tour halten den Bus-Eigentümer auf Trab. „Wegen der Baustelle an der Drehbrücke mussten wir die Route ändern.“ Mehr als zehn Wochen war der Bus zur Reparatur in einer Werft.

Zu Wasser

„Floating Dutchman“ oder „schwimmender Holländer“ heißt die Amphibienbus-Tour durch Amsterdam. Die zweistündige Spritztour startet in der Innenstadt und führt anschließend durch die berühmten Grachten.

Beim „Hippo Trip“ in Lissabon fahren die Passagiere erst an den Sehenswürdigkeiten zu Land vorbei, bevor der Bus 25 Minuten lang die Stadt vom Fluss Tajo aus zeigt.

Die komplette Frontscheibe musste ausgetauscht und die beschädigte A-Säule repariert werden. Das sei sehr kostspielig gewesen, sagt Gabriel. Mehr verrät er aber nicht. „Am teuersten war aber der Ausfall des Busses“, so der Chef der Reederei.

Notwendig machte die Arbeiten ein Unfall am 8. Juli: Ein echter Unglückstag für den Amphibienbus und seinen Betreiber Helge Gabriel. Zuerst soll der Fahrer des „Trave-Splash“ ein Auto am Holstentorplatz gerammt haben. Bei dem Zusammenstoß wurde dem Busfahrer zuerst Fahrerflucht unterstellt. Diesen Vorwurf konnte Oberstaatsanwältin Ulla Hingst jedoch entkräften. „Das Verfahren wurde eingestellt.“ Ein Zeuge hatte bestätigt, dass der Busfahrer seine Daten mit der 58-jährigen Autofahrerin ausgetauscht und sich nicht einfach entfernt hatte.

Klicken Sie hier, um Fotos des ersten Einsatzes des Lübecker Amphibienbusses nach seinem Unfall zu sehen!

Nur drei Stunden später folgte die Kollision mit dem Brückenpfeiler. Die Frontscheibe zersprang, außerdem fiel der Motor aus. In Folge dessen war auch die Klimaanlage außer Betrieb. Im Bus wurde die Luft knapp, der Fahrer schlug deshalb die Seitenscheibe ein. Zwei Kinder wurden durch die Glassplitter leicht verletzt. Die 42 Passagiere konnten schließlich mit Hilfe der Feuerwehr den Bus verlassen.

Die Ermittlungen zu diesem Vorfall seien noch nicht vollständig abgeschlossen. „Ein Gutachten liegt der Staatsanwaltschaft vor. Die Prüfung wird noch einige Zeit in Anspruch nehmen“, sagt Hingst. Fakt sei aber: „Es gibt keinen Zusammenhang zwischen den beiden Vorfällen.“

Was der Grund für den Unfall auf dem Wasser war, das kann Helge Gabriel auch heute noch nicht zweifelsfrei sagen. „Möglich ist unter anderem ein technischer Defekt“, so der Chef. Ursächlich könnte beispielsweise eine zu schwache Batterie gewesen sein. „Aber selbst die Experten konnten sich nicht einigen“, erzählt Gabriel.

Für den Fall, dass sich ein solcher Vorfall wiederholen sollte, hat der Bus-Betreiber jetzt vorgesorgt: Die Fahrer des Amphibienbusses müssten künftig bei Übungsfahrten lernen, mit der Notsteuerung umzugehen. Auch Evakuierungsfahrten für den Notfall plant der Bus-Inhaber. „Außerdem lassen sich jetzt vier Fenster im Bus öffnen, falls die Klimaanlage wieder ausfällt“, so Gabriel.

Bis zum 23. Dezember soll der Amphibienbus ab sofort wieder in Lübeck und auf der Trave unterwegs sein. Bis zu vier Fahrten soll der „Trave-Splash“ ab sofort täglich machen.

Der Trave-Splash soll unsinkbar sein

Amphibienfahrzeuge sind sowohl im Wasser als auch an Land nutzbar. Da es sich um zwei verschiedenen Rechtsräume handelt, sind für ihren Betrieb zwei Führerscheine, zwei Zulassungen und zwei Versicherungen nötig.

Der Trave-Splash verfügt über 16 Notausgänge. Einer befindet sich am Heck, außerdem können die Seitenfenster eingeschlagen werden. In der Mitte befindet sich zudem eine Tür, die ebenfalls als Notausgang gilt. Das Glas an der Frontscheibe ist zweieinhalb Zentimeter dick und besonders bruchsicher.

Der Bus gilt laut Betreiber als unsinkbar und wurde von der Zentralen-Schiffs-Untersuchung- Kommission technisch abgenommen. Er besitzt das Schiffsattest und einen Fahrzeugbrief sowie einen Fahrzeugschein des Straßenverkehrsamtes. Die Mitarbeiter seien im Brandschutz, der Evakuierung und in Erster Hilfe ausgebildet, so die City-Schifffahrt.

Hier sehen Sie Bildergalerie und Video vom Unfall des Busses:

Klicken Sie hier, um weitere Eindrücke des Unfalls und der Rettungsaktion aus dem Amphibienbus zu sehen.

Hier Eindrücke von Taufe und Jungfernfahrt des Busses:

 

Klicken Sie hier, um zahlreiche Eindrücke der Testfahrt des Amphibienbusses in Lübeck zu sehen.

Saskia Hassink

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