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Lübeck „Der Angeklagte ist gefährlich“
Lokales Lübeck „Der Angeklagte ist gefährlich“
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18:04 01.11.2013
Der 48-Jährige soll in der JVA eine Wärterin angegriffen haben. Quelle: Ulf-Kersten Neelsen

Er soll am 1. Dezember 2012 versucht haben, in der Justizvollzugsanstalt Lübeck eine Wärterin zu überwältigen und als Geisel zu nehmen. Die 34-jährige Beamtin hatte den verurteilten Straftäter während eines Gottesdienstes zur Toilette begleitet. Dort sei es nach Angaben des Opfers zu dem Übergriff gekommen. Sie habe sich jedoch gewehrt und fliehen können (die LN berichteten).

Der Angeklagte schweigt zu dem Tatvorwurf. In der polizeilichen Vernehmung hatte er von „einem kleinen Übergriff“ gesprochen. Am zweiten Prozesstag sagten Kollegen des Opfers übereinstimmend aus, dass der Häftling Klaus-Dieter B. immer wieder auffällig geworden sei. So sei er bockig geworden, wenn er seinen Willen nicht bekommen habe. Außerdem seien bei den routinemäßigen Durchsuchungen verbotene Gegenstände gefunden worden. Auch Aufzeichnungen und Notizen über die Justizvollzugsbeamtinnen habe B. in seiner „meist unordentlichen Zelle“ versteckt gehalten. Und B. neige dazu, mehrere Kleidungsstücke übereinander zu tragen.

In seinem Gutachten bescheinigte der Psychologe Dr. Thomas Bachmann dem Angeklagten eine schizoide Persönlichkeitsstörung. Als Bachmann mit seinen Ausführungen beginnt, wird der Angeklagte etwas aufmerksamer. B. besitze kein Schuldbewusstsein, so Bachmann. Er verfüge lediglich über eine eingeschränkte soziale Kompetenz. Die Intelligenz des Angeklagten liege im unteren Durchschnitt. Bachmann glaubt, dass B. auch in Zukunft weitere Straftaten ausführen wird und hält ihn für unberechenbar und gefährlich. „Der Angeklagte sollte nicht mit Vollzugsbeamtinnen in Kontakt kommen“, empfahl der Psychologe. Ob es sich bei der Tat um eine geplante Geiselnahme, einen Fluchtversuch, einen sexuellen Übergriff oder Rache an den Vollzugsbeamten gehandelt habe, sei für ihn nicht klar feststellbar.

Der 48-Jährige ist ein mehrfach verurteilter Sexualstraftäter, der bei seinen Taten äußerst brutal vorgegangen war. Seit fünf Jahren befindet er sich in Sicherungsverwahrung. Eine Sozialtherapie musste abgebrochen werden, weil B. sich aggressiv und nicht integrierbar zeigte.

Der Prozess wird am 7. November mit den Plädoyers der Anklage und Verteidigung sowie der Urteilsverkündung fortgesetzt.

hp

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