Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Lübeck Der Bauverein als Retter von St. Petri
Lokales Lübeck Der Bauverein als Retter von St. Petri
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
14:59 13.11.2013
Von Torsten Teichmann
Quelle: Timon Ruge
Lübeck

Die Mauern bröckeln an vielen Stellen, in offene Fugen dringt Wasser ein: Die Petrikirche, beim Bombenangriff an Palmarum 1942 zerstört und erst zwischen 1983 und 1988 wieder vollständig saniert, braucht wieder Hilfe. Die Sanierung wird vermutlich 2,8 Millionen Euro kosten, eine Summe, die der evangelische Kirchenkreis Lübeck-Lauenburg aus eigener Kraft nicht aufbringen kann. Der berühmte Lübecker Bürgersinn ist gefragt, und den verkörpert der Bauverein.

Matthias Ludwig nennt in seiner St.-Petri-Chronik den von Stiftern und Sponsoren 1983 ins Leben gerufenen Bauverein „einen wesentlichen Faktor für die Bereitstellung der notwendigen Gelder, mit deren Hilfe es schließlich gelang, die im Jahre 1982 begonnenen Arbeiten zur Wiederherrichtung der Kirche bis 1987 abzuschließen“. Es waren Förderer wie die Unternehmer Arend Oetker und Theo Dräger und der damalige Deutsche Bank-Vorstand Eckart van Hooven, die die Rettungsaktion in Bewegung setzten. Zwischen 1983 und der Wiedereinweihung 1988 konnte der St. Petri-Bauverein rund 800 000 Mark an Spenden für die 1,8-Millionen-Mark teure Wiederherstellung der Kirche einsammeln. Und als es Ende der 1990er Jahre darum ging, das Westwerk der Kirche neu zu ordnen (Verlegung des Fahrstuhls, Wiedereröffnung des Westportals), gelang es dem Bauverein, 600 000 Mark einzuwerben.

Jetzt, 30 Jahre nach seiner Gründung, muss der Bauverein St. Petri mit seinen 57 Mitgliedern wieder mit ganzer Kraft ran, um zu erreichen, was damals gelang: eine Spendenwelle auslösen. Gut zwei Monate nach dem Start der Aktion „Sieben Türme sollst Du sehen“ sind beim Kirchenkreis und beim Bauverein bereits 472 350 Euro Spenden für die Sanierung der Kirche eingegangen. Eine Zahl, die Mut macht. Denn bereits im kommenden Jahr wird mit den etwa dreijährigen Reparaturarbeiten am Turm der 800 Jahre alten Kirche begonnen.

Theo Dräger, Vorsitzender des Bauvereins und von Anbeginn dabei, beschreibt die Aufgabe des Vereins mit knappen Worten: „Instandsetzen und Instandhalten.“ Dräger erinnert daran, dass es vor 800 Jahren den damals 15 000 Lübeckern gelungen sei, alle Altstadtkirchen zu bauen. Dann werde man wohl auch heute in der Lage sein, diese Kirchen zu bewahren. Und Vorstandsmitglied Hans-Peter Süfke hebt hervor, dass es auch in den 1980er Jahren funktioniert habe, „Menschen für St. Petri zu gewinnen“. Petri-Pastor Bernd Schwarze lobt den Bauverein als „Traditionsstück zur Förderung von St. Petri“.

In vier bis sechs Wochen liegt nach Aussage von Pröpstin Petra Kallies das Gutachten vor, das Aufschluss über die Höhe der Sanierungskosten gibt. Bislang gebe es keine Anhaltspunkte, dass der Finanzrahmen von 2,8 Millionen Euro nicht ausreiche. „Uns liegt sehr viel an St. Petri“, betont die Pröpstin und dankt dem Bauverein, der seit 30 Jahren Fürsprecher von St. Petri sei. Antje Peters-Hirt, Mitglied des Bauvereins, spricht von der „Pflicht und der Freude, Menschen zu finden, die sich für St. Petri einsetzen“. Und deren Zahl wächst. Zu den neuen Mitgliedern des Bauvereins zählt Carin Halvorsen. Sie hat „ihr Herz an diese Kirche verloren“. Resul Comak, nennt den Bauverein, dem er seit 2012 angehört, eine „tolle Einrichtung, die viel bewegen kann“. Er sei optimistisch, dass das Geld für die Sanierung zusammenkomme. Auch Helmut Heger, der sich seit 2011 im Bauverein engagiert, liegen die Altstadtkirchen am Herzen. Heger mahnt: „Man muss sich der Kostbarkeit der Lübecker Altstadt immer wieder bewusst sein.“

Sondermünzen
Die Rettungsaktion für St. Petri wird zusätzlich mit zwei Sondermünzen in Silber unterstützt. Die 17-Gramm-Münze kostet 15 Euro, die 38-Gramm-Münze 25 Euro. Der Erlös kommt voll und ganz der St.-Petri-Sanierung zugute. Wer eine Münze erwerben möchte, kann sich an Resul Comak, Telefon 04 51/ 149 23 42, wenden. St. Petri in Bronze, gefertigt von dem Berkenthiner Bildhauer Jochen Beckmann, ist im Turmshop von St. Petri für 60 Euro erhältlich. Der Großteil des Erlöse fließt in die St.-Petri-Sanierung.

Torsten Teichmann

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!