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Lübeck Der Brodtener Wanderweg ist gerettet
Lokales Lübeck Der Brodtener Wanderweg ist gerettet
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23:02 11.11.2013
Die Idylle an der Abbruchkante zwischen Travemünde und Niendorf bleibt ungetrübt. Quelle: Lutz Roeßler

Wirtschaftssenator Sven Schindler (SPD) ist mit seinem Vorschlag, die Mietverträge für die vier Kilometer lange Verbindung zu kündigen und den Weg zum Frühjahr 2014 aufzuheben, gescheitert. Der Wirtschaftsausschuss der Bürgerschaft lehnte eine Schließung des Weges einhellig ab und forderte Schindler auf, auf Basis eines CDU-Kompromissvorschlags mit den Flächeneigentümern zügig zu verhandeln. „Der Weg wird erhalten“, sagte der Travemünder CDU-Politiker Ulrich Krause, der für den Durchbruch gesorgt hatte. „Der Weg ist gerettet“, bestätigte Jörg Hundertmark (SPD), „jetzt kommt Bewegung in die Sache.“

Die hatten der Wirtschaftssenator und sein Kurdirektor Uwe Kirchhof in langwierigen Verhandlungen mit den Flächeneigentümern nicht erreicht. Schindler skizzierte gestern im Wirtschaftsausschuss noch einmal den dreijährigen Stillstand. Ende 2010 sind die Mietverträge bereits ausgelaufen, es kam bislang aber zu keiner förmlichen Kündigung von einer der beiden Seiten. „Im Mai 2012 haben wir den ganzen Vorgang in die Politik gegeben“, berichtete der Senator. Der Kurbetriebsausschuss, der Finanzausschuss und das Rechtsamt beschäftigten sich mit der Zukunft des Wanderweges. „Vom Finanzausschuss erhielten wir dann den Auftrag, auf keinen Fall mehr Miete an die Landwirte zu zahlen und möglichst eine Halbierung der Mieten auszuhandeln.“ Im Januar dieses Jahres war Schindler schon einmal mit einer Schließungsvorlage unterwegs, wurde aber von den Politikern gestoppt. Die wollten, dass er weiter verhandelt. Allerdings herrschte damals eine „andere Stimmungslage“, sagte der Senator. Und zitierte den damaligen Vorsitzenden des Wirtschaftsausschusses, Klaus Puschaddel, mit dem Satz: „Wir dürfen nur begrenzt erpressbar sein.“ Klaus Petersen, damals Vorsitzender des Kurbetriebsausschusses, sagte: „Wir müssen hart bleiben.“ Jan Lindenau, damals Vorsitzender des Finanzausschusses, erklärte: „Wir wollen keinen Wanderweg de luxe und nichts draufsatteln.“ Schindler:

„Die von mir vorgeschlagene Kündigung war die Konsequenz des bisherigen Auftrags aus der Politik.“

Das klang gestern ganz anders. „Wir wollen nicht erpressbar sein, aber der Weg hat eine große touristische Bedeutung“, sagte Hundertmark (SPD). Bernhard Simon (CDU): „Wir geben so viel Geld für andere Sachen aus. Hier ist etwas, was die Menschen annehmen — das sollten wir erhalten.“ Herbert Wolfgramm (Grüne): „Der Weg ist ein Alleinstellungsmerkmal, wir sollten sagen: Er ist es uns wert.“

Vom Senator hätte er erwartet, dass er Verhandlungen zum Erfolg führt.

SPD-Fraktionsvize Peter Reinhardt ist sauer auf die Nachbargemeinde und fordert, dass Timmendorfer Strand sich finanziell beteiligt. Reinhardt: „Sonst sollten wir kurz vor Niendorf einen Zaun hinmachen.“ Niendorf ist ein Ortsteil von Timmendorfer Strand. Manfred Kirch (FDP) erklärte, dass Lübeck schlicht eine schlechte Verhandlungsposition habe. Kirch: „Wir sind erpressbar, diese Karte spielen die Flächeneigentümer.“

Der Kompromiss
Diesen CDU-Vorschlag beschloss der Wirtschaftsausschuss: Die Mietverträge werden zu den alten Konditionen und ohne Erhöhung fortgeführt. Die Laufzeit der Verträge beträgt zehn Jahre. Die Stadt zahlt also 21 700 Euro im Jahr Miete und 20 000 Euro für die Unterhaltung des Weges. Wie bei den Erbpachtverträgen wird eine Wertsicherungsklausel eingearbeitet. Allerdings verzichten die Landwirte in den ersten fünf Jahren auf jede Anhebung der Mieten. Über die Ansprüche auf höhere Mieten für 2012 und 2013 wird gesondert verhandelt.

Kai Dordowsky

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