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„Der Bus ist billiger als das Auto“

Lübeck „Der Bus ist billiger als das Auto“

Willi Nibbe, der scheidende Geschäftsführer des Stadtverkehrs erklärt, dass Busse und Fähren nicht zu teuer sind und dass in Travemünde viele Autobesitzer lieber öffentliche Verkehrsmittel nutzen.

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Der Traum von der perfekten Bar

Willi Nibbe (65) wurde in Glückstadt geboren, ging in Itzehoe zur Schule, studierte in Hamburg, ist Volljurist, arbeitete bei der Hamburger Hochbahn, war Geschäftsführer von Jasper Busreisen und kam im Mai 2003 als Chef zum Stadtverkehr.

Quelle: Neelsen

Lübeck. Lübecker Nachrichten: Wie teuer wäre eine Busfahrt von Moisling oder Travemünde in die Innenstadt, wenn die Fahrpreise nicht subventioniert wären?
Willi Nibbe: Dann wären die Preise ungefähr 25 bis 30 Prozent teurer. Aber das sind keine Subventionen. Das ist der Preis für die Kommune, die die Pflicht hat, einen Öffentlichen Personennahverkehr als Daseinsvorsorge anzubieten.

LN: Den Betrieb der Busse zahlt nicht nur der Fahrgast. Wer noch?
Nibbe: Der Stadtwerke Lübeck Holding Konzern finanziert den Busbetrieb über einen Verlustausgleich. Das Land gleicht Leistungen wie Schüler- und Schwerbehindertenbeförderung aus. Dann gibt es Regionalisierungsmittel vom Bund, die das Land über die Kommune an uns weiterreicht.

LN: Sind die Fahrpreise trotz der Zuschüsse nicht viel zu hoch in Lübeck?
Nibbe: Wir sind Teil des Schleswig-Holstein-Tarifs.

LN: Aber 3,20 Euro für eine Busfahrt sind doch zu teuer.
Nibbe: Nein. Wir halten Personal und Fahrzeuge vor, wir fahren 365 Tage rund um die Uhr. Das ist ein riesiges Leistungsangebot. Man kann auch wesentlich preisgünstiger fahren, wenn man ein Abo hat.

LN: Die Abo-Monatskarte liegt bei 76,20 Euro im Gesamtnetz. Ist die Schmerzgrenze nicht erreicht?
Nibbe: Dafür darf der Fahrgast einen ganzen Monat mit dem Bus fahren. Die gleiche Frage habe ich noch nie an einer Tankstelle gehört. Für 76 Euro im Monat kann niemand ein Auto unterhalten.

LN: Wenn ich mit dem Auto eine Strecke Priwallfähre fahre, muss ich 5,20 Euro hinlegen – für eine ganz kurze Fahrt. Das ist doch keine Werbung für den Öffentlichen Personennahverkehr.
Nibbe: Das ist kein ÖPNV. Die Beförderung von Autos über die Trave ist keine öffentliche Daseinsvorsorge, sondern nur die von Personen. Die Fahrzeit der Fähren ist nicht entscheidend. Wir haben Grundkosten, weil wir Anleger, Fähren und Personal vorhalten und rund um die Uhr fahren.

LN: Sie sind vor 14 Jahren angetreten, das hohe Defizit des Stadtverkehrs zu senken. Das haben Sie geschafft. Wie viele Stellen wurden dafür gestrichen?
Nibbe: Wir haben umstrukturiert, und haben heute bei Stadtverkehr und LVG (Lübeck-Travemünder Verkehrsgesellschaft, Anm. d. Red.) zusammen insgesamt 200 Stellen weniger.

LN: Linien wurden ausgedünnt, Takte verlängert, Kilometer wurden eingespart. Würden Sie zustimmen, dass der ÖPNV heute schlechter ist als zu Ihrem Amtsantritt?
Nibbe: Nein. Wir haben Linien ausgedünnt, die kaum genutzt wurden. Wir haben LVG-Linien in Ostholstein aufgegeben. Im Branchenvergleich steht Lübeck mit dem Preis-Leistungs-Verhältnis gut da. Das zeigt eine Untersuchung, die im Februar 2017 in der Wochenzeitung „DIE ZEIT“ zu lesen war. Es wurden die Abfahrten pro 100 Einwohner mit dem Ticketpreis ins Verhältnis gesetzt. Hier schneidet Lübeck sogar besser ab als Hamburg. An Service und Infrastruktur haben wir nicht gespart. Wir haben weiterhin Busse angeschafft und dynamische Fahrgastinformationen gebaut. Wir haben über Jahre Lösungen auf unbequeme Fragen geliefert.

LN: Was halten Sie von einem fahrscheinlosen, über Umlagen finanzierten ÖPNV?
Nibbe: Für mich ist wichtig, dass einer das bezahlt. Ich brauche am Ende eine Rechnungsadresse.

LN: Wie viel würde das die Stadt denn kosten?
Nibbe: Ungefähr 40 Millionen Euro.

LN: Würde das mehr Fahrgäste bringen?
Nibbe: Ich glaube nicht, dass der fahrscheinlose Nahverkehr einen erheblichen Fahrgastzuwachs auslöst. Es ist doch heute schon billiger und komfortabler, mit dem Bus statt mit dem Auto zu fahren.

LN: 1980 fuhren 41,5 Millionen Menschen mit den Bussen, heute sind es 26 Millionen. Warum meiden die Bürger die Busse?
Nibbe: Wir fahren weniger Linien als 1980. Der Fahrradverkehr gewinnt zunehmend an Bedeutung. Der Autoverkehr hat irre zugenommen. Allein in Lübeck sind seit 1980 rund 30000 Fahrzeuge mehr auf der Straße; hochgerechnet mit zwei Fahrten pro Tag, kommt man auf rund 22 Millionen Fahrten. Im Vergleich dazu hat der ÖPNV nur 15,5 Millionen weniger Fahrgäste als damals. Ich bin aber überzeugt, dass in der neuen Generation eine Umkehr stattfindet. Immer mehr junge Leute verzichten auf das Auto. Dieser Trend zeichnet sich heute schon ab.

LN: Bus fahren Arme, Alte, Schüler und Studenten.
Nibbe: Das ist ein Vorurteil. Alle Bevölkerungsschichten fahren mit uns. Auch Autobesitzer. Wir wissen aus einer Untersuchung, dass die Travemünder die meisten Autos besitzen, dort ist aber die Nutzung des Busses am höchsten.

LN: Sie sind nicht nur Sanierer, sondern auch Modernisierer. Was macht Sie so sicher, dass Elektrobusse nicht ein teurer Irrweg sind?
Nibbe: Ich bin sicher, dass es der richtige Weg ist. Ein wichtiger Grund ist die Umweltbelastung vor allem der Innenstadt. Wir haben in Schleswig- Holstein mehr Ökostrom, als wir verbrauchen können.

LN: Warum sollen wir den nicht für Elektrobusse einsetzen?
Nibbe: Das ist keine Macke von mir, das ist die Überzeugung der ganzen Branche.

LN: Als Sie im Mai 2003 antraten, wollten Sie die Erlöse steigern, die Fahrgäste zufriedenstellen, die Arbeitsplätze nicht gefährden und die Kosten senken. Ist Ihnen das gelungen?
Nibbe: Klares Ja. Ich bedauere den Abbau von Arbeitsplätzen, aber nur so konnten wir die anderen Jobs sichern.

Wandern und Latein lernen

Willi Nibbe (65) wurde in Glückstadt geboren, ging in Itzehoe zur Schule, studierte in Hamburg, ist Volljurist, arbeitete bei der Hamburger Hochbahn, war Geschäftsführer von Jasper Busreisen und kam im Mai 2003 als Chef zum Stadtverkehr. Im April 2009 wurde er zudem Geschäftsführer der Stadtwerke Holding. Beide Jobs enden am 31. Juli. Nibbe will zusammen mit seiner Frau viel reisen, in anderen Ländern und Städten durchaus auch ein paar Monate verweilen, durch Schleswig-Holstein wandern und seine Lateinkenntnisse auffrischen.

 Interview: Kai Dordowsky

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