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Lokales Lübeck Der Diktator und die Kartoffelernte
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20:13 12.03.2016
Es ist die Reproduktion einer Zeichnung: Alexander Bastek (l.) nahm den Zufallsfund von Wolf und Inge Haufe unter die Lupe. Quelle: Fotos: Wolfgang Maxwitat

„Ein kleiner Schock war es schon“, sagt Wolf Haufe. Zusammen mit Ehefrau Inge sitzt der 72-Jährige am großen Wohnzimmer-Esstisch in Buntekuh. Noch immer verwundert betrachtet das Rentnerpaar das Stück Pappe, das vor ihm auf der Holzplatte liegt. Darauf prangt ein Porträt. Sie zeigt eine Zeichnung eines der meist gehassten Menschen des letzten Jahrtausends: Adolf Hitler schaut mit starrem Blick aus dem Bild. Der einstige Diktator des Deutschen Reiches ist in Uniformjacke und mit Krawatte abgebildet. Neben der Zeichnung prangt die Jahreszahl 1938 und die Signatur des Künstlers: Conrad Hommel.

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Wolf Haufe fand durch Zufall ein Hitler-Porträt — Der Druck war Jahrzehnte hinter einem Bild versteckt.

„Ich habe das Blatt hinter einem anderen Bild gefunden, das ein Bauernpaar bei der Kartoffelernte zeigt“, sagt Wolf Haufe, „ich wollte das Bild aus dem Rahmen nehmen, da ist mir das Porträt aufgefallen.“ Das Abbild klebte hinter der Bauern-Darstellung, „es muss sich über Jahrzehnte dort befunden haben“, sagt Haufe und schüttelt ungläubig den Kopf.

Jahrelang bewahrten die Eheleute das Bild der Bauern in einem Schrank in ihrer Wohnung in Buntekuh auf — nichtsahnend, was hinter der ländlichen Szene versteckt war. „Meine Mutter musste 1945 aus Westpommern fliehen“, sagt Inge Haufe, „das Bild gehörte zu den Dingen, die sie damals mitgenommen hatte.“ Sie sei sich nicht sicher, ob ihre Mutter damals von dem Hitler-Bild wusste. „Sie und mein Vater waren sehr gläubige Menschen, sie hatten mit den Nazis eigentlich nichts am Hut.“

Nach ihrem Fund haben sie zunächst nicht gewusst, was sie mit dem gezeichneten Hitler anfangen sollen. „Aufhängen wollen wir es schon mal gar nicht“, sagt Inge Haufe und muss bei dem Gedanken etwas lachen. Und Wolf Haufe fügt hinzu: „Ich habe dann ein paar Nachforschungen über den Maler angestellt.“ Und die Zeitung kontaktiert. „Ich war mir zunächst nicht sicher, ob es sich um ein Original oder eine Reproduktion handelt“, sagt der Rentner.

Alexander Bastek, Leiter des Behnhauses, konnte dem Ehepaar jetzt Gewissheit geben. Der Kunsthistoriker nahm das Porträt des Diktators unter die Lupe. „Es handelt sich um die fotomechanische Reproduktion einer Zeichnung“, sagt der Kunsthistoriker. Wertvoll, auch im kulturhistorischen Sinne, sei der Druck allerdings nicht.

Der vermeintliche Urheber des Originals, der Maler Conrad Hommel, war zu Zeiten der Nationalsozialisten ein gefragter Maler. Er porträtierte unter anderem Nazi- Größen wie Joseph Goebbels oder Heinrich Himmler. Und auch von Adolf Hitler fertigte der Maler zwei Gemälde an. Über Hommels Werdegang nach 1945 ist weniger bekannt. Er verstarb 1971 im ostholsteinischen Sielbeck.

Ob es sich bei dem Fund der Haufes um die Reproduktion einer Vorstudie handelt, die Hommel für seine Hitler-Gemälde angefertigt hatte, ist unklar. „Das Original wurde an manchen Stellen mit farbiger Kreide bearbeitet und ja auch reproduziert“, sagt Alexander Bastek. „Es wurde somit auch als eigenwertiges Porträt behandelt.“

Was tun mit einem Nazi-Fund?

Ein Nazi-Bild auf dem Dachboden, im Schrank oder eben hinter einem Gemälde zu finden, hat erst einmal keine strafrechtliche Relevanz.

Verbreitet man das Motiv jedoch oder zeigt es in der Öffentlichkeit, muss man mit juristischen Konsequenzen rechnen: „Grundsätzlich ist das Abbild von Adolf Hitler ein Kennzeichen im Sinne des Paragrafen 86a Strafgesetzbuch und darf somit öffentlich nicht dargestellt werden“, sagt Polizeisprecherin Anett Dittmer.

Der Paragraf verbietet die Verbreitung von Propagandamitteln verfassungswidriger Organisationen.

Von Katrin Diederichs

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