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Lübeck Der Erinnerung eine Gestalt geben
Lokales Lübeck Der Erinnerung eine Gestalt geben
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22:40 29.10.2013
Stellen die Aktion „Bruchstücke“ vor: Petra Kallies (v. l.), Karen Meyer-Rebentisch, Sabine Weiß, Ole Kramer, Marion Böhrk-Martin und Annegret Wegner-Braun. Quelle: Ulbrich

Die evangelische Kirche möchte ehemalige Kriegskinder in Lübeck dazu ermutigen, über ihre Erinnerungen zu sprechen. Bei der Aktion „Bruchstücke — Kindsein und der Zweite Weltkrieg“ sind Betroffene und Interessierte vom 3. bis 17. November zu einem Erzählcafé und einer Mitmachausstellung eingeladen.

Das Erzählcafé wird am Sonntag, 3. November, in der Briefkapelle der Marienkirche eröffnet. „Hier herrscht eine ganz eigene Atmosphäre, in diesen Räumen kommen Menschen ins Gespräch“, sagt Katja Launer, Sprecherin des Evangelisch-Lutherischen Kirchenkreises Lübeck-Lauenburg. Dort können die Gäste bei Kaffee oder Tee ihre Geschichte mit anderen teilen. Wer unter vier Augen über belastende Erinnerungen sprechen will, kann sich dort den Mitarbeitern der Telefon-Seelsorge oder Pastoren anvertrauen.

Jahrzehntelang hätten viele Lübecker sowie die rund 100 000 Flüchtlinge über ihr Leid geschwiegen, berichtet Pröpstin Petra Kallies. Angesichts der NS-Verbrechen sei es in der Nachkriegszeit tabu gewesen, darüber zu sprechen, für Trauer war kein Platz. „Das war eine sehr prägende Zeit“, sagt Pröpstin Petra Kallies. „Wir haben gemerkt, dass sich im Alter unverarbeitete Kindheitserlebnisse wieder ins Bewusstsein drängen.“ Die Pröpstin wird beim Abschluss-Gottesdienst am Sonntag, 17. November, die Predigt halten.

In der Generation der ehemaligen Kriegskinder häufen sich laut Pastorin und Telefonseelsorgerin Marion Böhrk- Martin Ängste, Depressionen und andere Anzeichen nicht verarbeiteter Traumata. Oft wirke sich das auch auf die Familie aus. „Es herrscht emotionale Sprachlosigkeit.“

„Wir möchten die Kirche zu einem Ort machen, an dem Erinnerungen Platz haben“, sagt Marien-Pastorin Annegret Wegner-Braun. Während der zweiwöchigen Veranstaltung gibt es deshalb unter der Orgelempore in St. Marien eine interaktive Ausstellung: Die Kinder von damals sind eingeladen, Erinnerungsstücke mitzubringen. Diese „Bruchstücke“ werden zu einer Ausstellung zusammengefügt. Die zunächst leeren Stellwände können von Zeitzeugen und Angehörigen mit Dokumenten, Fotos und Gegenständen gestaltet werden. Die Geschichten werden nach Wunsch aufgeschrieben, die Erinnerungsstücke fotografiert und an die Wand geheftet, damit die Besitzer sie gleich wieder mitnehmen können.

Die Ausstellung unter der Orgelempore in St. Marien ist vom 4. bis 16. November täglich, 10 bis 17 Uhr, das Erzählcafé bis zum 15. November, 15 bis 17 Uhr, geöffnet. Am 17. November ist um 15 Uhr ein Abschlussgottesdienst.

meu

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