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07:06 09.08.2017
Ein Ring für den Uhu: In diesem Jahr hat Werner Peschel bereits sechs Jungtiere auf Helgoland mit dem Erkennungszeichen markiert. Quelle: Foto: Künzel

Wann er mit seinem Ehrenamt begonnen hat, weiß Werner Peschel noch genau. „Es war 1976“, sagt er und legt sein Eulen-Tagebuch im Din-A4-Format auf den Tisch. Darin hat er exakt alle seine Exkursionen verzeichnet und sich Notizen über den Tierbestand gemacht. „Die beste Zeit für die Suche sind kalte, klare Vollmondnächte“, erklärt der 88-Jährige, der damals noch mit seinem großen Kassettenradio loszog. Um die Vögel anzulocken, spielte er die Rufe der männlichen oder weiblichen Tiere ab und konnte so ihre Reviere bestimmen. So betreute und kartierte er die Nachtgreifvögel über Jahrzehnte. Im Auftrag der Vogelwarte Helgoland hat er in diesem Jahr schon sechs junge Uhus beringt.

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Der 88-jährige Werner Peschel kümmert sich seit Jahrzehnten um den Schutz von Uhu, Kauz und Co.

„Werner Peschel setzt sich seit Jahrzehnten voll und ganz für den Schutz der Vögel ein“, sagt Vorsitzender Hans Dieter Martens vom Landesverband Eulen-Schutz. Er bezeichnet den Lübecker als „bekannte und anerkannte Persönlichkeit“. Laut Verein sind vor allem acht Eulenarten in Schleswig-Holstein als Brutvögel heimisch: Schleiereule, Raufußkauz, Steinkauz, Sperlingskauz, Waldohreule, Sumpfohreule, Uhu und Waldkauz.

Auch Naturfotograf Klaus Warter aus Lübeck hat den 88-Jährigen auf einer seiner Touren begleitet und spricht ihm ein Kompliment aus. „Ich durfte seine Arbeit in einer stillgelegten Kiesgrube in Ostholstein verfolgen“, berichtet der Hobbyornithologe und Mitglied im Naturschutzbund Deutschland (Nabu). Laut Warter ist die Wiedereinbürgerung des Uhus in Schleswig-Holstein eine Erfolgsstory des Landesverbandes Eulen-Schutz. Denn Mitte des 19. Jahrhunderts seien die Tiere ausgestorben gewesen. Doch jetzt sind sie wieder da.

Das ist auch Werner Peschel zu verdanken, der unzählige Arbeitsstunden in das Anbringen und Betreuen von Nisthilfen und die Kontrolle der Brutstandorte investiert hat. Für den gelernten Tischler hat sich das nie wie Arbeit angefühlt. „Ich liebe die Natur und die Freiheit, die ich draußen empfinde“, sagt er. Dankbar ist er seiner Frau, die immer Verständnis für seine Nachtwanderungen hatte. Auch wenn er nicht mehr selbst die Bäume hochklettert, fasziniert ihn sein Hobby wie eh und je. „Wenn ich nachts den Waldkauz rufen höre, bekomme ich immer noch eine Gänsehaut vor Freude.“

Schutz für Nachtgreifvögel

1981 wurde der Landesverband Eulen-Schutz in Schleswig-Holstein gegründet. Vorrangiges Ziel war nicht nur der Schutz der Eulen, sondern auch die Wiedereinbürgerung des Uhus. Später wurden weitere Schutzprogramme für Schleiereule, Steinkauz und Raufußkauz gestartet.

Laut Verband zählen rund 400 Förderer und aktive Mitglieder zu den Eulenschützern im Land, und über die Entwicklung der Vögel werde jedes Jahr im Heft „Eulen Welt“ berichtet (www.eulen.de).

 Cosima Künzel

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