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Lübeck Der Kinderschänder von nebenan
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21:16 28.09.2017

Heidi G. (alle Namen geändert) lebte im Haus neben dem Angeklagten Peter N. in Herrnburg. Zwischen den Grundstücken gab es keinen Zaun. Das Verhältnis der Nachbarn war freundschaftlich. Die gleichaltrigen Töchter spielten miteinander. Jetzt sehen Heidi G. und Peter N. sich in einem Saal des Landgerichts an der Schwartauer Allee wieder. Er als Angeklagter, sie als Zeugin. Es ist der zweite Verhandlungstag eines voraussichtlich langen Prozesses. Peter N. steht wegen acht Sexualstraftaten vor Gericht. Eine davon ist der Missbrauch von Heidi G.s damals siebenjähriger Tochter in N.s Haus.

Der Prozess

Acht Sexualstraftaten, begangen zwischen Mai 2016 und Januar 2017, werden Peter N. vorgeworfen. Zum Prozessbeginn legte er letzte Woche ein Teilgeständnis ab (LN berichteten). Der Prozess wird am Montag, 16. Oktober, im Landgericht, Schwartauer Landstraße 9-11, fortgesetzt.

Heidi G. berichtet von dem ungewöhnlichen Verhalten ihrer Tochter, das sie nicht zu deuten wusste, bis eines Tages die Polizei kam, um das Mädchen zu vernehmen. „Ich habe den Gedanken, die Irritation weggeschoben. . .“, sagt sie und unterbricht sich selbst: „Ich bin ja nicht hier, um mir selbst Vorwürfe zu machen.“ Peter N. sitzt ein paar Meter daneben, zittert und weint.

Bei seiner eigenen Vernehmung spricht N. so leise, dass er manchmal den Regen nicht übertönen kann, der auf die Dachfenster des Gerichtssaals prasselt. Seine Aussage ist stockend bis hin zum Stillstand. Oder er schweift vom Thema ab, bis selbst sein Verteidiger ungeduldig mit dem Zeigefinger auf den Tisch trommelt.

Er habe gewusst, dass es falsch sei, was er tue, sagt N. einmal. Aber er ging überlegt vor. Er köderte Mädchen, die bei seiner Tochter zu Besuch waren, mit einem Ratespiel, für das er ihnen die Augen verband, und das ihm als Vorwand für den Missbrauch diente. Die Mädchen, neugierig, arglos und zutraulich, wie Kinder sind, dachten nichts Böses. Um ihnen den Auftritt vor Gericht zu ersparen, werden im Gerichtssaal die Video-Aufzeichnungen ihrer polizeilichen Vernehmungen gezeigt. Sie erzählen, was sie erlebt haben, ohne Schnörkel, ohne Wertung. Verstanden haben sie wohl nicht, was mit ihnen geschah, aber in ihren Seelen hat es Spuren hinterlassen. Ihre Tochter sei dünnhäutig geworden, sagt Heidi G., und „durch den Wind“ gewesen, wenn sie von den Nachbarn zurückkam. Die Mutter eines anderen Opfers erzählt, ihre Tochter sei in der Schule plötzlich Jungs nachgerannt und habe sie angefasst.

Ein weiteres Mädchen soll Peter N. in einen Keller gelockt und zum Niederknien aufgefordert haben. Das Kind entkam. Es habe sich danach nicht mehr allein aus dem Haus getraut, berichtet seine Mutter.

„An dem Tag, an dem ich ihr gesagt habe, der Mann ist jetzt eingesperrt, hat sie wie auf Knopfdruck gesagt: ,Kann ich jetzt raus?‘.“

Hanno Kabel

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