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20:46 19.11.2016
Weit gereist und doch bodenständig: Markus Steeger (52) ist der Mann, der die Kulturwerft lenkt und leitet. Quelle: WOLFGANG MAXWITAT (2), OLAF MALZAHN

Designtage, Oldtimer-Show, „Ersti“-Party, Kammerphilharmoniker: Die Kulturwerft von Thilo und Katrin Gollan ist mega-angesagt und wird für immer mehr Veranstaltungen genutzt. Doch wer plant eigentlich die Events, wer koordiniert das Ganze? Antwort: ein Rheinländer, was hier aus gutem Grund Erwähnung findet, denn es macht einiges verständlich. Er sei, sagt Markus Steeger, in einem kleinen Ort bei Köln aufgewachsen. „Mein Vater war hundertprozentiger Karnevalist, Vorsitzender des Karnevalsvereins.“ Schon als Kind habe er zur fünften Jahreszeit mitgeholfen und gesehen, „dass man da eine Menge organisieren und vorbereiten muss“. Schon als Schüler habe er nebenbei erste Organisations-Gehversuche gemacht, „seit 1986 bezeichne ich mich als Profi.“

Ein Profi ohne die entsprechende Ausbildung oder ein Studium in dieser Richtung, denn beides gab es damals noch nicht. Allerdings ist Steeger ein Vollprofi der Methode „Learning by doing“. Beim Hamburger Musical „Cats“ wurde er Bühnenmanager, schon als 23-Jähriger ging er als Stage Manager mit 62 Amerikanern und dem Musical „A Chorus Line“ auf Europa-Tournee, später war er für eine Agentur lange in Asien unterwegs, organisierte wenig später mit seinem Chef, einem Israeli, das erste Gastspiel der Berliner Philharmoniker in Israel – vorbei an Herbert von Karajan, der dort „Persona non grata“ gewesen sei.

Reichlich Erfahrung also für den jungen Rheinländer, der sich 1994 zwecks Familiengründung entschloss, sesshaft zu werden. 22 Jahre war Steeger Konzert-Organisator für das Schleswig-Holstein Musik Festival, bis Katrin Gollan die Idee hatte, das 60-jährige Firmenjubiläum in den Hallen an der Einsiedelstraße stattfinden und die alten Industriegebäude dafür herrichten zu lassen. Steeger: „Im Frühjahr 2015 kam der Architekt der Gollans, Volker Schmidt, auf mich zu und zeigte mir die Pläne.“ Da habe er Lust bekommen, „ein bisschen mitzumachen“. Aus „ein bisschen“ wurde Anfang dieses Jahres ein Fulltime-Job, denn „eine Chance, so etwas mitzugestalten, bekommt man nicht zweimal im Leben“, sagt der 52-Jährige, der verheiratet ist und einen inzwischen erwachsenen Sohn hat.

Steegers vorrangige Aufgabe ist, den Geschäftsbetrieb aufzubauen. Wobei für Konzepte nicht viel Zeit bleibt, denn „es kommen enorm viele Leute auf einen zu, ich habe in diesem Jahr schon nicht mehr zählbare Treffen gehabt, mein Telefon klingelt unentwegt, auch am Wochenende.“ Unglaublich sei übrigens auch die Nachfrage nach Probenräumen und Ateliers. „Wir haben jetzt schon elf Bands auf dem Gelände.“

Veranstaltungen wie die Designtage – „die passen sehr gut zu uns“ – oder eine Lebensart-Messe, aber auch große Partys wie die „Spielwiese“ oder die Erstsemester-Party mit jungen Leuten aus der ganzen Welt finden in den Räumen der Kulturwerft statt. „Es kommen viele Clubveranstalter zu uns, weil wir hier niemanden stören.“ Bei Partyveranstaltern sei die Kulturwerft „gerade hip, aber das wird nicht ewig halten“, weiß er.

Umso wichtiger, „dass wir irgendwann einmal die Muße haben, ein Konzept zu entwickeln“. Wenn man Steeger fragt, wo er Lübecks aktuell coolste Location in fünf Jahren sieht, überlegt er kurz und sagt:

„Dass die Kulturwerft ganzheitlich ausgebaut ist, wir eine Brücke zur Wallhalbinsel haben und Veranstaltungen mit Alleinstellungsmerkmal.“ Das könnten Konzerte aus dem Bereich Heavy Metal oder Rock sein, Messen, Ausstellungen, aber auch Kleinkunst und Varieté. Wobei nach seinen ganz persönlichen Geschmack ein Varieté-Zirkus in den Hallen seine Wunsch-Veranstaltung wäre. Vorerst managt Steeger erst einmal die vielen Anfragen. Und wenn er doch einmal ein kleines Zeitfenster hat, wird er zum Online-Gamer. Was er spielt, verrät er nicht.

Stand der Dinge und Pläne

Im Herbst 2015 eröffnet, wird die Kulturwerft Stück für Stück hergerichtet. Der erste Bauabschnitt – laut Steeger alles, was ein Dach hat – soll Anfang 2017 abgeschlossen sein.

Der zweite Bauabschnitt sieht vor, dass der kleine Beach-Bereich draußen hinter der heutigen Haupthalle ein lichtdurchlässiges Dach erhält, so dass darunter Pflanzen gedeihen können. Geplant ist hier zudem ein öffentlicher Bereich mit Kunsthandwerk und einem Café.

 Sabine Risch

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