Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Lübeck Der Protest wirkt: Herrenwyks Geschichte bleibt lebendig
Lokales Lübeck Der Protest wirkt: Herrenwyks Geschichte bleibt lebendig
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:00 27.10.2012
Lübeck

Das Industriemuseum Geschichtswerkstatt Herrenwyk, das seit Anfang der 1980er Jahre besteht, stand schon mehrfach vor dem Aus, konnte sich aber immer wieder von der bedrohlichen Absturzkante entfernen. Das Museum im ehemaligen Kaufhaus des Hochofenwerkes in der Kokerstraße erforscht die Wirtschaftsgeschichte Lübecks seit der Industrialisierung. In einer Dauerausstellung „Leben und Arbeit in Herrenwyk“ wird die Geschichte des Hochofenwerks aufgezeigt. Und die Geschichtswerkstatt ruft die Flender Werft in Erinnerung, die 2002 von der Politik – so der Vorwurf der Flenderaner – „in den Untergang getrieben wurde“. Ein Untergang droht dem Museum, das am Beispiel des Hochofenwerks und der Flender Werft die Geschichte der Industrialisierung Lübecks seit dem letzten Drittel des 19. Jahrhunderts darstellt, nun offensichtlich nicht. Die Geschichtswerkstatt steht zwar offiziell noch auf der Lübecker „Einsparliste“, soll aber von ihr gestrichen werden, wie Politiker beteuern – die Proteste der Kücknitzer zeigen Wirkung.

Die Einsparpotenziale würden nach Aussage von Helga Martens, Vorsitzende des vor 26 Jahren gegründeten „Vereins für Lübecker Industrie- und Arbeiterkultur“, in keinem Verhältnis zur großen bildungs- und kulturpolitischen Bedeutung des Museums stehen. Helga Martens: „Die Stadt würde pro Jahr gerade mal 18 000 Euro sparen.“ Aber auch nur dann, wenn das Museum nicht nur geschlossen, sondern komplett beseitigt werde. Denn sonst würden im ehemaligen Kaufhaus auch nach der Schließung Heizkosten anfallen. Gebe es das Industriemuseum nicht mehr, würde in Lübeck die öffentlich dargestellte Geschichte der Hansestadt „bei der Hanse aufhören“, warnt die 65-Jährige. Die Vorsitzende des Fördervereins betont, dass in den vergangenen Jahren die museumspädagogische Arbeit mit Kindern und Jugendlichen stark vorangetrieben worden sei, um den Heranwachsenen aufzuzeigen, wie hart die Arbeits- und Lebensbedingungen in Herrenwyk einst waren, aber wie stolz die Menschen trotz alledem auf ihr Hochofenwerk waren. Außerdem sei das Industriemuseum ein beliebter Treffpunkt in Kücknitz, der Ausstellungen, Lesungen, kleine Konzerte und Hoffeste biete. Helga Martens: „Eine Schließung wäre für die ganze Region ein herber Verlust.“

Das sieht eine große Mehrheit in der Bürgerschaft offensichtlich auch so. Es bahnt sich eine „Super-Museumskoalition“ an. Jan Lindenau, finanzpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion: „Wir werden einer Schließung des Museums nicht zustimmen. Die ergibt keinen Sinn.“ Das Museum beleuchte einen wesentlichen Teil der Lübecker Geschichte. Da auch Grüne und Linke dieser Überzeugung seien, „steht die Mehrheit für das Museum“, sagt Lindenau.

Und wie die steht. Andreas Zander, Vorsitzender der CDU-Fraktion, erklärt klipp und klar: „Das Industriemuseum bleibt bestehen. Es ist von der Streichliste runter.“ Zander fordert von Bürgermeister Bernd Saxe (SPD) „ein Gesamtkonzept für die Haushaltskonsolidierung“ und mahnt das Personalentwicklungskonzept an. Die Stadt, so der CDU-Politiker, müsse „endlich an die Personalkosten in der Verwaltung herangehen“. Auch für Oliver Prieur, Vorsitzender des CDU-Ortsvereins Kücknitz, ist eine Schließung des Industriemuseums nicht denkbar: „Wir akzeptieren das überhaupt nicht; das bringt auch nichts.“ Damit erfüllt sich vermutlich der Wunsch von Helga Martens. Die hatte vor Tagen erklärt: „Wir hoffen, dass nichts passiert“ – und dann warnend hinzugefügt: „Holzauge, sei wachsam.“

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Die Synagoge in der Altstadt soll umfassend modernisiert werden – dazu zählt auch ein neues Sicherheitskonzept. Die Landespolizei empfiehlt der Jüdischen Gemeinde, das gesamte Areal mit einem zwei Meter hohen Zaun zu umgeben. Außerdem sollen die

27.10.2012

Täglich rücken Rettungssanitäter der Feuerwehr, der Johanniter (JUH), des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB) und Deutschen Roten Kreuzes (DRK) aus, um Leben zu retten. Doch zunehmend geraten dabei auch die Retter selbst in Gefahr. Die Hemmschwelle in

27.10.2012

Lübeck/Bad Schwartau - Borussia Mönchengladbach war gerade erfolgreich in die zweite Halbzeit gegen Olympique Marseille gestartet, da war plötzlich der Bildschirm schneeig-weiß, das Telefon tot und viele Haushalte vom Internet abgeschnitten.

25.11.2013