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Lübeck Der Regen lässt nach, das Wasser bleibt
Lokales Lübeck Der Regen lässt nach, das Wasser bleibt
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22:17 05.01.2018
Lauerholz-Revierförster Kai Neumann an einer gefällten Eiche im Morast. Ihr Holz ist 2000 Euro wert. Quelle: Foto: Ulf-Kersten Neelsen
Lübeck

Revierförster Kai Neumann verspätet sich zum Ortstermin im Lauerholz: Er hat sich mit seinem Dienstauto auf einem morastigen Waldweg in Roggenhorst festgefahren. In einer halben Stunde hat ein Kollege ihn wieder herausgezogen. Bei den gefällten Eichen, die inmitten von riesigen Pfützen im Lauerholz liegen, ist die Sache nicht so einfach. „Der Boden ist satt, der nimmt nichts mehr auf“, sagt Neumann. Deswegen können die Schlepper für den Abtransport nicht in den Wald fahren. „Im Moment liegt das Geld im Wald, und wir kriegen es nicht raus.“

Nach dem Dauerregen ist der Boden an vielen Stellen in Lübeck so durchweicht, dass die Folgen lange anhalten werden. Besonders leiden darunter die Förstereien, die die gefällten Bäume nicht abtransportieren können. Aber auch Kleingärtner und Hobby-Fußballer haben Grund zur Klage.

Für den Transport der Bäume müssten die Rückegassen befahrbar sein. Das sind Wege in 60 Meter Abstand voneinander, auf denen schwere Schlepper fahren können. Zurzeit sind aber nicht einmal die Hauptwege befahrbar, von denen aus man wenigstens einen Teil der Bäume herausziehen könnte. „Solange das Wasser da ist, können wir keinen Wegebau machen“, sagt Neumann.

Er zeigt auf eine frisch gefällte, 180 Jahre alte Eiche. „Das sind vier bis fünf Festmeter Holz“, erklärt er. „Ein Festmeter bringt 500 Euro ein.“ 170 Stämme, davon 120 Eichen, liegen nach seinen Angaben zurzeit allein im Lauerholz. 20 müssen noch im Januar herausgeholt werden („gerückt“, sagen die Förster), weil sie entweder für die Submission (eine Art Auktion für hochwertiges Holz) vorgesehen oder schon verkauft sind. Der Rest muss bis zum Frühjahr abtransportiert werden, wenn die Pflanzen am Waldboden sprießen. „Ende März ist Ende mit rücken“, sagt Neumann, „sonst geht hier alles kaputt.“ Danach müsste man bis Ende August warten – „in der Hoffnung darauf, dass der Käufer so lange warten kann.“

Auch Lübecks Kleingärtner leiden unter dem aufgeweichten Boden. In der Anlage des Kleingärtnervereins Mühlentor in St. Jürgen steht das Wasser auf den Wegen, einige Gärten sind überschwemmt, und selbst in denen, die verschont geblieben sind, ist der Boden vollgesogen. „Wenn ich bei mir mit dem Gummistiefel in die Erde trete, ist das Loch nach fünf Minuten vollgelaufen“, sagt Gerd Stöver, stellvertretender Vorsitzender des Vereins. Es könne passieren, dass Blumenzwiebeln im Wasser verfaulen, oder dass Gehwegplatten sich vom Boden lösen. „Bis das wieder wegtrocknet, das dauert eine Ewigkeit“, sagt Stöver voraus.

Kummer gewohnt sind die Fußballer und Fußballerinnen des SV Viktoria 08, die auf dem Sportgelände an der Falkenwiese trainieren. Dass der Platz nach Regen unbespielbar ist, kommt hier häufiger vor.

„Bei trockenem Wetter und Wind ist er nach einer Woche wieder bespielbar“, sagt Dieter Szillat, Mitglied des Vereinsvorstands. „Aber momentan ist nicht daran zu denken.“ Wenn am Montag die Mannschaften ihr Training wieder beginnen, werden sie auf andere Sportplätze ausweichen müssen. Ab Februar wird das Sportgelände an der Falkenwiese neu gestaltet – und dabei werden auch zwei Kunstrasenplätze entstehen.

An der Steilküste des Brodtener Ufers in Travemünde ist die Gefahr von Abbrüchen wegen des nassen Bodens besonders hoch. Dort ist ein rot-weißes Flatterband gespannt, um Spaziergänger davon abzuhalten, zu nah heranzugehen. Diese Vorsichtsmaßnahme gibt es allerdings nach Angaben der Stadtverwaltung in jedem Winter.

Die Schifffahrt auf der Trave und dem Elbe-Lübeck-Kanal ist von den starken Regenfällen trotz erhöhter Pegelstände nicht betroffen. Am Freitagmorgen habe der Wasserstand 5,60 Meter betragen, sagt Henning Dierken, Leiter des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes. Das sei zwar 60 Zentimeter höher als normal, aber noch kein Problem. Die auffällige, bräunlich-gelbe Färbung des Wassers komme von dem Regenwasser, das lehmige Erde in die Trave und ihre Zuflüsse gespült habe.

Speichern und versickern

Wälder wirken als natürlicher Hochwasserschutz – vor allem im Frühling und Sommer, wenn ihr Blätterdach einen Teil des Regens aufhält, so dass das Wasser verdunstet, bevor es den Boden erreicht.

Wurzeln speichern große Mengen Wasser.

Wie schnell Wasser versickert, hängt unter anderem von der Beschaffenheit des Bodens ab: Am schnellsten geht es bei Sand (grobe Körnung), am langsamsten bei Ton (feine Körnung). Eine Mischung daraus ist Lehm. In Lübeck gibt es je nach Stadtteil unterschiedliche Bodenbeschaffenheiten.

 Hanno Kabel

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