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Lübeck Der Regen wäscht den Sommer fort
Lokales Lübeck Der Regen wäscht den Sommer fort
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10:36 19.07.2016
Auf Sonne folgt Regen und auf Regen die Sonne: Das Wetter bleibt wechselhaft, beschert uns aber zumindest ab und zu einen schönen Regenbogen. Quelle: Dirk Silz
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Lübeck

Die Sonne mau, am Himmel grau: Der Hochsommermonat Juli zeigt sich bisher nicht von seiner besten Seite. Gefühlt schauert es jeden Tag mindestens einmal in Lübeck, eigentlich eher häufiger.

 

Mehr als 25 Grad Celsius gab es bisher nur am 10. Juli

Bisher hat

es 88,3 Liter pro Quadratmeter geregnet

Durchschnittliche Temperatur bisher: 21,3 Grad

Höchstwert: Am 13. Juli

fielen 20,7 Liter pro Quadratmeter

Nur drei

Tage ohne

Regen gab es bisher

diesen Juli

Die Statistiken von Diplom-Meteorologe Sven Taxwedel (39) vom Institut Wetterwelt in Kiel bestätigen diesen Eindruck – Lübeck ist dabei nur ein Abbild der Gesamtwetterlage. „Aktuell haben wir zur Monatsmitte bereits zwei Drittel der Normalmenge an Niederschlag des gesamten Monats erreicht“, berichtet Taxwedel. Hinzu kommt, dass die Sonne umso seltener zum Vorschein kommt: „Was den Sonnenschein betrifft, ist aktuell gerade mal ein Drittel des Monatssolls erfüllt.“ Dieses „Normalsoll“ berechnet sich übrigens aus 30 Jahren Wetteraufzeichnung.

Im Vergleich zum vergangenen Juli sind die Niederschlagsmengen allerdings gar nicht so enorm: „Statistik und Wahrnehmung gehen häufig getrennte Wege“, sagt dazu Alina Voß (30), ebenfalls Meteorologin bei Wetterwelt. Der vergangene Juli sei wärmer gewesen und Hitzegewitter mit teils enormen Regenfällen würden von den Leuten natürlich als sommerlicher empfunden, als ständig graue Wolken und eine etwas unterdurchschnittliche Temperatur.

Doch wer ist Schuld an dem Regenschirmmonat mitten im Sommer? „Wir haben es mit einer typischen Westwind-Wetterlage zu tun, die sich sozusagen eingenistet hat“, so Voß. Diese Wetterlage bedeutet eine Zufuhr von Atlantikluft, die Warm- und Kaltfronten von Tiefdruckgebieten wechseln häufig über dem mitteleuropäischen Raum. Das Ergebnis: feuchtes und wechselhaftes Wetter.

„Tatsächlich gehört zum Wetter in erster Line Zufall“, erklärt Experte Taxwedel. Die aktuelle Wetterlage sei nun einmal da – und dass sie so lange besteht, sei mit den Grundlagen der Wetterentstehung erklärbar: „Der Motor des Wetters ist für unsere nördliche Hemisphäre der Temperaturunterschied zwischen Nordpol und Äquator“, so Taxwedel. Ganz vereinfacht gesagt, würde durch das Wetter mit seinen Hoch- und Tiefdruckgebieten permanent nichts anderes versucht, als diesen Unterschied auszugleichen. Dabei macht es einen bedeutenden Unterschied, ob hier gerade Sommer oder Winter ist: Im Winter ist der Temperaturunterschied größer, denn am Äquator ist es immer warm – weiter nördlich nimmt hingegen der Winter Einzug. Die Folge: Das Wetter hat für mehr Ausgleich zu sorgen, ist aktiver und die Wetterlagen nicht so statisch.

Jetzt, im Sommer, ist das Gegenteil der Fall: „Der Temperaturunterschied ist geringer und das Wetter allgemein inaktiver“, meint Taxwedel. Die aktuelle Wetterlage hat sich festgesetzt – und bleibt voraussichtlich auch bis Anfang August bestehen.

All das erklärt übrigens die allseits bekannte Siebenschläfer-Regel: „Ist Siebenschläfertag ein Regentag, regnet's noch sieben Wochen danach“. Und am Siebenschläfertag, dem 27. Juni, hat es in diesem Jahr – wie könnte es anders sein – geregnet.

Doch zwischen all den grauen Wolken zum Schluss ein kleiner Lichtblick: „Wir erwarten Mitte der Woche in Lübeck zwischendurch endlich einmal eine Regenpause und etwas Sonnenschein“, kündigt Taxwedel an.

 Luisa Jacobsen

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