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Lübeck Der Saubermann: Die Herren erobern zunehmend die Reinigungsjobs
Lokales Lübeck Der Saubermann: Die Herren erobern zunehmend die Reinigungsjobs
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08:32 08.11.2013
Patrick Bauer (28) hat das Putzen zu seinem Beruf gemacht. Seit rund zwei Jahren lässt sich der gebürtige Fehmaraner bei der Firma Bockholdt in Lübeck zum Gebäudereiniger ausbilden. Quelle: Lutz Roeßler
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Lübeck

Einen Ehrentag gibt es heute so ziemlich für jeden und alles. Neben gesellschaftlich anerkannten Gedenktagen wie dem Muttertag oder dem Welt-Aids-Tag gibt es aber auch recht unbekannte Anlässe. Einer dieser speziellen Ehrentage wird heute gefeiert — der Internationale Tag der Putzfrau. Und das völlig zurecht, denn wie das Statistische Bundesamt in dieser Woche bekanntgab, waren offiziell im Jahr 2012 immerhin 597 000 Menschen bundesweit im Reinigungsgewerbe tätig. „Putzfrau“ nennen sich dabei jedoch die wenigsten. Denn das Bild der Staubwedel schwingenden und dabei mit Kittel und Mob ausgestatteten Dame, die durch die Räume wirbelt, ist längst überholt. Die „Putzfrau“ von heute nennt sich „Reinigungsfachkraft“ und ist entweder als selbstständige Putzkraft, als von Agenturen vermittelte Haushalthilfe oder aber als Gebäudereiniger und damit als anerkannter Handwerker unterwegs. Und wer der Meinung ist, dieser Beruf sei ein reiner Frauenjob, liegt gänzlich falsch: Laut Statistischem Bundesamt sind im Reinigungsgewerbe immerhin 30,8 Prozent der Angestellten männlich.

Einer von ihnen ist Patrick Bauer. Er hat das Putzen zu seinem Beruf gemacht und ist seit rund zwei Jahren bei der Firma Bockholdt als Auszubildender in der Gebäudereinigung tätig. „Es ist ein vielfältiger Job, bei dem es nicht nur um Toiletten putzen und Staub wischen geht“, erzählt der 28-Jährige. Denn in seiner Arbeit hat es der Azubi unter anderem auch mit giftigen Chemikalien zu tun.

„Bei der Gebäudereinigung arbeiten wir ja nicht mit Haushaltsputzmitteln. Da muss man schon wissen, wie man mit den Stoffen richtig umgeht.“ Als Mann einen Reinigungsberuf auszuüben, ist in Patrick Bauers Augen keineswegs abwegig. „Man braucht eine gewisse Fitness. Den ganzen Tag zu scheuern, zu bohnern, zu wischen und zu saugen, kann nämlich ziemlich anstrengend sein“, berichtet der Auszubildende. Trotzdem oder gerade deshalb ist es für ihn der ideale Job. „Den ganzen Tag im Büro zu sitzen, kann ich mir überhaupt nicht vorstellen.“ Und seine Leidenschaft für Sauberkeit macht auch vor dem Privatleben keinen Halt. Seine Freundin lässt Patrick zu Hause nicht putzen. „Das mache ich lieber selbst.“ Negative Reaktionen auf seinen Job hat er bisher noch nicht erfahren. Eher im Gegenteil: „Meine Freunde finden es super, einen Fachmann zu kennen, der ihnen Tipps zur Fleckenbeseitigung geben kann.“

Auch Sarah, die ihren Nachnamen lieber nicht nennen möchte, putzt leidenschaftlich gern. Zumindest beruflich. Zwei bis dreimal pro Woche wird die 28-Jährige von der Agentur Mary Poppins in Privathaushalte vermittelt. „Putzen ist für mich eine Möglichkeit, zusätzlich Geld zu verdienen. Ich bin dabei aber vielmehr eine Haushaltshilfe als eine reine Putzfrau“, berichtet Sarah. Besonders schön sei dabei vor allem die persönliche Atmosphäre, meint die Lübeckerin. „Durch die Arbeit in einem privaten Umfeld ist alles viel persönlicher. Das war mir bei der Jobsuche besonders wichtig.“

Das professionelle Reinigen von Gebäuden, das Patrick Bauer täglich erledigt, hat die 28-Jährige daher für sich ausgeschlossen. Und wie sieht es nach einem Acht-Stunden-Tag zu Hause mit dem Putzen aus? Sarah gibt zu: „Das Fensterputzen ist etwas weniger geworden.“

Seit 2004 Gedenktag
Der „Tag der Putzfrau“ ist im Jahr 2004 durch einen Kurzkrimi von Gesine Schulz entstanden. Ihre Hauptfigur Karo Rutkowsky ist Privatdetektivin, die sich durch gelegentliche Putzjobs finanziell über Wasser hält. „Vor über neun Jahren stieß ich bei einer Internet-Recherche zufällig auf eine Liste mit Gedenktagen und staunte, für wen und weshalb es solche Tage gab“, erzählt die Autorin. „Dabei kam mir der Gedanke: Eigentlich hätten auch Putzfrauen einen Gedenktag verdient.“ Also informierte Schulz ein paar Freunde und Bekannte über den Tag und trug ihn bei Wikipedia in die Gedenktageliste ein. „Das war‘s schon.“ Seither können sich Putzfrauen und Putzmänner weltweit am 8. November über ihren speziellen Ehrentag freuen.

Marieke Stender

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