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20:34 18.08.2017

In den geht es offiziell nur durch den Mantelssaal. Viele Schüler, die als Sechstklässler am alljährlichen Vorlesewettbewerb teilnehmen, kennen ihn bestens. Er gehört mit dem dahinter liegenden, 1573 abgetrennten Konsistorialsaal, zu den ältesten Sälen der Bibliothek und war im 14. Jahrhundert der Schlafsaal der Mönche des Katharinenklosters. Im Scharbausaal wurde 1620 die erste öffentliche Bibliothek eingerichtet. Heute stehen hier mehr als 11000 Bücher zum Thema Geschichte, doch Hatscher präsentiert auch eine in Schweinsleder gebundene, dreisprachige Bibel aus dem Jahr 1596: Der Text ist zu lesen auf Latein, Altgriechisch und Mittelhochdeutsch. An einigen Stellen im vor etwa 200 Jahren verlegten Dielenboden des Scharbausaals ist Glas eingelassen: Sie bieten den Blick auf den mittelalterlichen Steinfußboden. Die Tür 18-19, so ist zu lesen, führt hin zu Handschriften und Frühdrucken. Doch in der Realität ist sie der verschlossene Durchgang zum Katharineum.

Der Lesesaal

Durch den Neubau aus den 70er Jahren geht es wieder in die 20er Jahre. Der Willy-Pieth-Lesesaal ist ein wahres Prachtstück: Die an Schulbänke erinnernden Tische aus dunklem Holz sind mit Linoleum beschlagen, haben eine Halterung fürs Tintenfass. Dunkles Holz, dezente Schnitzereien und eine Galerie, die laut Hatscher in der Idee der „British Library“ nachempfunden ist. An den Stirnseiten Fresken des halbjüdischen Künstlers Ervin Bossanyi. Seine expressionistischen Darstellungen wurden in der NS-Zeit mit brauner Ölfarbe übermalt. „Erst 1960“, so Hatscher, „wurden sie wieder freigelegt“. Trotz des dunklen Holzes wirkt der Lesesaal, in dem es ruhig und konzentriert zugeht, freundlich. Wer die Handschrift der 1920er Jahre im Hause sucht, sollte sich das Treppenhaus A ansehen: „Es hat den Schwung des Jugendstils, aber auch bereits die neue Sachlichkeit des Bauhausstils“.

Das Konsistorialzimmer

Der Raum liegt hinter Scharbausaal und dem angrenzenden Konsistorialsaal und weist eine Deckenmalerei mit Ranken, Kelchen und Engeln auf. Entstanden ist das Gemälde etwa 1510 – „man nimmt an“, so Hatscher, „dass hier die Hostien und Kelche aufbewahrt wurden“. Die Tür von jenem Zimmer führt direkt zum Hochchor der Katharinenkirche. Ein ganz besonderer Blick bietet sich von hier oben auf die wunderbar sanierte Katharinenkirche. TEXTE: SABINE RISCH, FOTOS: WOLFGANG MAXWITAT

Der Tresorraum

Ja, auch den gibt es in der Stadtbibliothek, denn schließlich verfügt diese über 150000 Bücher aus der Zeit des Mittelalters bis zum Jahr 1850. Wer bei Tresorraum allerdings an Dagobert Ducks Geldspeicher denkt, irrt – der Raum in der Stadtbibliothek erinnert eher an ein Magazin zur Aufbewahrung wertvoller Dinge. „Unser ältestes Buch“, sagt Bernd Hatscher, „ist eine griechische Handschrift etwa aus dem Jahr 1080.“ Wertvoller ist das sogenannte „Rudimentum Novitiorum“ von 1475. „Hier lagern unsere absoluten Kostbarkeiten, eingeschlagen in Pappe und Papier.“ Der Leiter der Bibliothek hat unter den Schätzen einen persönlichen Favoriten: einen riesigen See-Atlas aus dem Jahre 1709, verfasst von einem gewissen Johannes van Keulen. Besonderheit: Der Atlas zeigt Ansteuerungspunkte an Land – jede Windmühle, jedes noch so kleine Häuschen ist liebevoll eingezeichnet. Klar, dass man solche Schätze schützen muss!

Einstiges Magazin

Bibliotheksleiter Bernd Hatscher führt durch Räume und Treppenhäuser, bis wir in der ersten Etage in einem Raum voller Regale mit Sachbüchern stehen. Nur die kleine Holztreppe nach oben fällt auf. Sie gehört zum Gebäudetrakt aus dem Jahr 1926 und verbindet vier Etagen. Die Wangen der Bücherregale sind Stahlstützen fürs Gebäude, „die über alle Etagen gehen“, wie Hatscher erklärt. Während heute die Nutzer umhergehen, um Sachmedien zu suchen, kam der Kunde früher gar nicht hierher: „Bis Anfang der 70er Jahre war das das Magazin, die Kunden standen am Tresen Schlange und warteten darauf, dass der Bibliothekar ihnen die Bücher holt“, sagt Hatscher. „Man muss sich das ein bisschen vorstellen wie bei ,Mr. Stringer’, dem Bibliothekar und Vertrauten von Miss Marple.“

Der Mantelssaal

Wir gehen weiter – dorthin, wo Besucher nur im Rahmen von Führungen oder Veranstaltungen gelangen. Der erste Anbau ans Mittelalter, 1877 entstanden im neugotischen Stil, ist nach Wilhelm Mantels, Bibliotheksdirektor 1862 bis 1879, benannt. Der Raum besticht durch seine Kontraste zwischen dem neugotischen Deckengewölbe und der strengen, modernen Stahl-Galerie. Geplant als reiner Zweckbau, lagern heute im Mantelssaal 12000 Sachbücher aus den Gebieten Theologie und Jura des 15. bis 18. Jahrhunderts. „Die Galerie“, sagt Hatscher, „ist erst vor etwa 20 Jahren eingebaut worden. Wie ein Korsett stützt es den Raum.“

Eine Million Medien

Führungen durch die historischen Säle finden jeden ersten Mittwoch im Monat statt. Los geht es um 17.30 Uhr an der Information im Eingangsbereich der Bibliothek (Hundestraße 5), Anmeldung ist nicht nötig, die Teilnahme ist kostenfrei.

Die Stadtbibliothek hat insgesamt einen Bestand von mehr als einer Million Medien; in der Zentralbibliothek sind es 335000, in den Stadtteilbibliotheken 73000. Im Magazin auf dem Priwall lagern insgesamt 610000 Medien.

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In den geht es offiziell nur durch den Mantelssaal. Viele Schüler, die als Sechstklässler am alljährlichen Vorlesewettbewerb teilnehmen, kennen ihn bestens.

LN

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