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Der Spion, der nicht aus Lübeck kam

Lübeck Der Spion, der nicht aus Lübeck kam

Das 1934 zur Nazi-Zeit aufgestellte Denkmal für den Spion Carl Hans Lody am Burgtor wurde 1946 entfernt — Doch was geschah eigentlich danach mit der lebensgroßen Ritterfigur, die an ihn erinnern sollte?

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Carl Hans Lody nach seiner Verhaftung 1914. Die Engländer sperrten ihn in den Tower.

Quelle: Fotos: Archiv, Sammlung Jan Zimmermann, Künzel

Lübeck. Carl Hans Lody (1877- 1914) war nicht aus Lübeck. Trotzdem wurde ihm 1934 ein pompöses Denkmal am Burgtor errichtet. Eine Ritterfigur, darunter der markige Spruch:

„Am 6. November 1914, 6.30 Uhr früh starb Lody von feindlichen Kugeln durchbohrt, im Tode noch seinen Gegnern Achtung abtrotzend für deutsches Heldentum. Denkt daran!“

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Carl Hans Lody nach seiner Verhaftung 1914. Die Engländer sperrten ihn in den Tower.

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Nach 1945 mochte die Stadt dann nicht mehr so gern an Lody und das Nazi-Brimborium um seine Person erinnert werden. Sie ließ das lebensgroße Denkmal 1946 komplett entfernen. „Was genau aber geschah mit dem Ritter?“, fragte sich jetzt LN-Leser Jürgen Braune, der noch alte Aufnahmen davon besitzt.

Die Ritterfigur am Burgtor. Das geschlossene Visier stand für die Tarnung des Spions, die Schlange für den Verrat seiner geheimen Mission.

Die Ritterfigur am Burgtor. Das geschlossene Visier stand für die Tarnung des Spions, die Schlange für den Verrat seiner geheimen Mission.

Quelle:

Historiker hatte der Verbleib der Figur bislang kaum beschäftigt. Kein Wunder: Künstlerisch und denkmalpflegerisch dürfte sie bis heute eher geringen Wert haben. Dennoch ist Lodys Vita äußerst spannend: Er hatte sich seinerzeit, da er nicht tauglich für den Kriegsdienst war, aber gut Englisch sprach, dem Kaiserreich als Spion angedient. Im schottischen Edinburgh kundschaftete er — recht amateurhaft — 1914 die Flottenbasis Rosyth aus, was den Briten nicht lange verborgen blieb. Lody wurde in Irland festgenommen und als erster deutscher Spion des Ersten Weltkriegs im Londoner Tower hingerichtet.

Ein Schicksal, das die Nationalsozialisten gern propagandistisch ausschlachteten — obwohl Lody lange vor dem Entstehen des Nationalsozialismus lebte.

Der Hamburger Historiker Ortwin Pelc hat die Geschichte Carl Hans Lodys und des Denkmals 2002 in der Zeitschrift „Der Wagen“ zusammengefasst: Der Geburtsort des früh verwaisten Lody lag vermutlich in Brandenburg. Er lernte Seemann, besuchte die Seefahrtschule Geestemünde und fuhr auf Hapag-Dampfern. Unter anderem arbeitete er auch für ein amerikanisches Reisebüro. Aufgrund seiner so gesammelten internationalen Erfahrungen konnte er sich 1914 in Schottland vorübergehend erfolgreich als Charles A. Inglis aus New York tarnen.

Initiator für das Lübecker Lody-Denkmal war der damalige Schriftleiter des Lübecker GeneralAnzeigers, August Glasmeier. Er war Mitglied des Stahlhelms, der NSDAP und der SA und gehörte seit 1932 auch der Lübecker Bürgerschaft an. Am 6. November 1933, dem 19. Todestag Lodys, organisierte er eine Gedenkveranstaltung für den Spion an der Petrikirche. Schon 1934, als das Denkmal aufgestellt wurde, schien die Frage im Raum zu stehen, wieso es denn ausgerechnet in Lübeck stehen sollte. Dass Lody aus Berlin komme und gar keinen Bezug zur Hansestadt hatte, sei unerheblich, stellte Glasmeier dazu in seiner Rede bei der feierlichen Enthüllung der Ritterfigur fest. „Starb Lody für irgendeine Stadt oder starb er nicht vielmehr für das ganze Vaterland?“

Die Entfernung verlief deutlich unspektakulärer. Vermutlich ging die aus Stein, Zement oder Keramik bestehende Figur beim Herausmeißeln kaputt. Die Nische, in der sie stand, wurde zugemauert. „Ich gehe davon aus, dass Reste der Figur nicht mehr existieren — auch nicht verborgen unter dem Mauerwerk des Burgtors“, sagte Stadt- Denkmalpflegerin Doris Mührenberg den LN.

Lübecks Archivleiter Jan Lokers entnimmt den alten Akten zu dem Vorgang, dass die britische Militärregierung beim Abriss noch intervenierte und das Denkmal lieber erhalten hätte, da sie es wohl nicht als reines Nazi-Denkmal sah. Doch: „Die Ritterfigur war zum Teil bereits zerschlagen und nicht mehr zu retten“, zitiert Lokers aus den Unterlagen. So blieben nur die Gedenktafeln.

2014 ließ die Stadtverwaltung zusätzlich eine Plexiglas-Plakette anbringen, die die historischen Tatsachen erklärt.

In geheimer Mission

Der Erste Weltkrieg (1914-1918) gilt auch als erster Kommunikationskrieg. Neben der Spionage gehörte dazu das moderne Nachrichtensystem, mit dem die Deutschen und die Alliierten Europa überzogen. Hunderttausende Kilometer Telefonleitungen wurden zwischen den Schützengräben verlegt, und auch Funkverkehr gab es schon.

Als Spionin bekannt wurde damals auch Mata Hari (1876-1917). Die Ex-Nackttänzerin wurde in Frankreich als deutsche Spionin hingerichtet.

Rosyth liegt am Firth of Forth an Schottlands Ostküste, etwa 19 Kilometer nordwestlich von Edinburgh. Bis heute gibt es dort eine große Werft, die 1909 entstand. Die Marinebasis Rosyth wurde 1994 geschlossen. Seither liegen dort keine Schiffe der Royal Navy mehr.

Förderer des Lody-Denkmals waren außer Glasmeier der städtische Bauinspektor Piper, Kaiinspektor Plöger und die Firma Villeroy & Boch.

Marcus Stöcklin

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