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21:22 15.01.2016
Elegant: Sarah in einer typischen Pose des klassischen Balletts. Doch sie liebt fast alle Varianten des Tanzens. Beim Jazz zum Beispiel, sagt sie, „tanzt man Probleme einfach weg“. Quelle: Fotos: Wolfgang Maxwitat

Tausende kleine Mädchen träumen davon, im rosa Tutu als gefeierte Ballerina elfengleich über die Bühne schweben zu können. Viele strömen in die Ballettschulen, trainieren jahrelang, teils sehr hart — doch nur ganz, ganz wenige von ihnen schaffen es jemals auf die großen Bühnen. Die 18-jährige Sarah Poppe ist eines der Mädchen, die schon früh mit Ballett angefangen haben. Den Traum von der professionellen Ballerina träumte sie nie — aber ein Leben ohne Tanz, das kann sie sich nicht vorstellen.

Es ist Donnerstagnachmittag im Theater Combinale. Die jungen Frauen, allesamt um die 18, reden durcheinander, ziehen sich nebenbei um. Anne Katrin Klaus, die seit mehr als 45 Jahren eine Ballettschule in der Wahmstraße betreibt, bringt liebevoll, aber bestimmt Ordnung in das Durcheinander. Schließlich ist Hauptprobe für die Abschiedsvorstellung der jungen Frauen, die als kleine Mädchen mit dem Kindertanz begannen und dem Ballett und ihrer Schule treu blieben. Bis jetzt, denn jetzt machen viele von ihnen Abitur, beginnen anschließend ein Studium oder gehen ins Ausland. Unter dem Motto „Spitze, Ferse, Fouetté“ zeigen sie, was sie in den vielen Jahren gelernt haben.

Erster Durchgang, „Herkules“ — kein Ballett, sondern Modern Dance, wird geprobt. Sarah tanzt zwar in der hinteren Reihe, dennoch fällt sie dem aufmerksamen Betrachter auf: schöne Körperspannung, Blick zum Publikum. Sarah liebt das Tanzen. Im Alter von sieben Jahren hat sie bei Anne Katrin Klaus begonnen, „denn ich fand Ballett einfach cool“, sagt die 18-Jährige, die dieses Jahr ihr Abitur am Johanneum macht. Es sei „toll, am Körper arbeiten zu können“, drückt sie aus, was sie bei der Stange gehalten hat. Wobei sie nie den Traum gehegt habe, Ballerina zu werden. „Ich bin nicht dafür gemacht“, meint sie. Und: „Ich habe nie Rosa getragen.“ Also keine kleine Prinzessin. Der größte Vorteil des klassischen Balletts ist für Sarah, „dass man durch die Disziplin und die volle Konzentration auf den Körper den Kopf abschalten kann“. Aber nur Ballett? Das ist nichts für Sarah. „Die Mischung macht‘s“, sagt sie, die außerdem in einer Tanzschule Standard und Latein tanzt und froh ist, dass in ihrer Ballettschule auch moderner Tanz und ein bisschen Folklore gelehrt werden. Dieser Vielfalt und ihren Talenten hat sie es zu verdanken, dass sie regelmäßig im Theater Lübeck als Tänzerin auf der Bühne steht. „Früher habe ich im Kinderchor mitgesungen und bei ,Evita‘ die Tänzer bewundert“, erzählt sie. Durch Nachfragen und Castings wurde sie dort selbst Tänzerin. In „Evita“, in „La Damnation de Faust“ — „da wurde man 40 Minuten geschminkt, um zwei Minuten auf der Bühne zu stehen“ — und aktuell als „Shark“-Mädchen in der „West Side Story“.

Nach den Vorstellungen sitze sie oft noch mit den Profis in der Kantine, fühle sich zugehörig zum Team. „Das ist toll, denn dadurch bekommt man Bühnenpräsenz.“ Auf die Frage, ob sie nicht vielleicht doch nach ihrem Abi am Johanneum eine Musical-School besuchen und diese Richtung einschlagen wolle, sagt sie ganz klar, dass ihre gesanglichen Talente dafür nicht ausreichten. Und überhaupt:

Tanzpädagogin, ja, das habe sie auch schon mal überlegt. „Aber das setzt voraus, dass der Körper immer mitmacht und man fit bleibt.“ Wahrscheinlich werde sie Sport und Spanisch auf Lehramt studieren.

Zuvor geht sie für ein halbes Jahr nach Lateinamerika, um dort als Lehrer-Assistentin zu arbeiten. „Natürlich werde ich auch da tanzen — Tango und Salsa.“

Doch das sind spätere Schritte in diesem so entscheidenden Jahr 2016. Erst einmal stehen die Abschiedsvorstellungen an. Die vielen Jahre in der Ballettschule hat Sarah genossen, sie ist quasi in der Gruppe groß geworden — „da sind beste Freundschaften entstanden.“ Dass die gemeinsame Zeit in der Wahmstraße nun bald zu Ende geht, stimmt sie ein bisschen traurig. „Das wird sehr emotional“, sagt sie. Und schon jetzt weiß Sarah: „Ich werde immer etwas Tänzerisches machen — aber nicht beruflich, lieber als Hobby.“

Die Vorstellungen sind heute um 15.30 und 19.30 Uhr, morgen um 11 Uhr im Theater Combinale, Hüxstraße 115. Karten zu 20 Euro gibt es bei Hugendubel und im Theater Combinale. An der Abendkasse erhalten Schüler einen Rabatt von 50 Prozent.

Durch die Konzentration auf den Körper kann man beim Ballett den Kopf gut abschalten.“



Sarah Poppe (18)

Sabine Risch

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