Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Lübeck Der Umbau des Warenhauses
Lokales Lübeck Der Umbau des Warenhauses
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:23 10.09.2016
Gerd Kooske (55) leitet seit zwei Jahren die Karstadt-Filiale in der Hansestadt. Anders als seine Vorgänger ist Kooske zugleich Abteilungsleiter von Parfümerie, Schmuck und Uhren, hat dadurch täglichen Kundenkontakt. Quelle: Fotos: Felix König

Herr Kooske, seit Monaten wird das Traditionshaus aufwendig umgebaut. Bisher wurde nicht verraten, was dort passiert, sondern ein Geheimnis aus den Plänen gemacht, warum?

Zur Galerie
Die Bauarbeiten dauern bis Ende Oktober. Lita Kosmin arbeitet in dem Bereich, der komplett mit Planen verdeckt ist und in dem Edeka sich niederlässt.

Gerd Kooske: Wir machen als solide Kaufleute Neuigkeiten erst bekannt, wenn sie spruchreif sind, und wir waren noch in Verhandlungen mit den neuen Mietern. Jetzt ist klar: Edeka und der Drogeriemarkt dm ziehen ins untere Erdgeschoss. Zusätzlich kommen ein Bäcker, Zeitschriften und Tabak in diese Etage. Apollo-Optik bleibt selbstverständlich ebenfalls im Haus. Das sind tolle Ergänzungen zu unserem Angebot, das wir gerade nach den Wünschen unserer Kunden noch lokaler ausrichten.

Der Supermarkt Perfetto geht raus?

Kooske: Ja, dort im Untergeschoss gewinnen wir Platz für Sonderflächen, zum Beispiel zu Weihnachten, Ostern, Schulanfang oder Fasching.

Perfetto gehört zu Rewe. Was wird aus den Mitarbeitern?

Kooske: Die haben unter anderem die Möglichkeit, sich bei Edeka zu bewerben.

Warum hat sich Karstadt für Edeka und nicht für Rewe entschieden?

Kooske: Wir bauen jetzt eine komplett neue Lebensmittelabteilung. Edeka hat hier in Lübeck großes Interesse an einem innerstädtischen Auftritt gezeigt.

Wann hat der Umbau begonnen, wann eröffnen Sie neu, und wie viel kostet der Umbau?

Kooske: Im Februar haben wir begonnen. Ende Oktober soll alles fertig sein und die Neueröffnung stattfinden. Insgesamt verändern wir ungefähr 11500 Quadratmeter Verkaufsfläche und das im laufenden Betrieb. Dafür wird ein Millionenbetrag investiert.

Ist diese Investition ein Bekenntnis zum Standort Lübeck?

Kooske: Selbstverständlich glauben wir an den Standort Lübeck. Aber auch unternehmensweit sind wir offensiv, so eröffnet Karstadt 2018 in Berlin zum ersten Mal seit Jahrzehnten wieder eine Filiale.

Stimmt es, dass das Lübecker Warenhaus während der Karstadt-Krise nie wirklich gefährdet war?

Kooske: Das ist richtig: Aber wichtig ist heute doch vor allem eines: Karstadt ist raus aus der Krise und auf einem guten Weg. Unsere Neuausrichtung läuft erfolgreich.

Hat der Umbau im laufenden Betrieb Kunden gekostet?

Kooske: Wir haben in Lübeck über 12000 Kunden täglich. Tendenz steigend. Die Kunden reagieren sehr verständnisvoll, und ich denke, sie wissen, dass wir modernisieren, um für sie noch besser zu werden.

Was ändert sich außer Edeka und dm im Warenhaus?

Kooske: Alles wird heller, moderner, übersichtlicher. Im Oberen Erdgeschoss, wo wir schon im letzten Herbst die Parfümerie-, Uhren- und Schmuckabteilung erneuert haben, werden auch Strümpfe, Accessoires, Lederwaren und Reisegepäck zu finden sein. Auch die Süßwaren-Abteilung wurde komplett überarbeitet. Eine Etage höher haben wir künftig die Damenwelt, die vorher auf zwei Etagen verteilt war. Dasselbe gilt für die Herrenmode, die jetzt in der zweiten Etage gebündelt ist – und zwar mit neuen Shops, zum Beispiel von Bugatti und Camel. Und im dritten Geschoss wurde das neueste Restaurantkonzept verwirklicht und Schreibwaren und Bücher integriert. Außerdem haben wir unsere Arbeitsprozesse umgestellt, so wie das in allen Karstadt-Filialen gemacht wurde, um mehr Zeit für die Kunden zu gewinnen.

Was heißt das genau?

Kooske: Wir arbeiten jetzt in drei Teams mit Experten fürs Kassieren, Verkaufen und Warenpräsentation und Logistik. Dazu gehört auch, dass wir eine Zentralkasse eingerichtet haben. Das ist die neue große Kassenanlage im Oberen Erdgeschoss des Traditionshauses – wie bereits in der Vergangenheit im Living-Haus praktiziert. Zusätzlich gibt es bei den Schreibwaren noch eine separate Kasse.

Müssen die Kunden länger Schlange stehen, wenn es nur noch eine Kasse gibt?

Kooske: Nein, der Vorteil der Zentralkasse ist, dass die Kunden in allen Abteilungen bummeln können und dann nur noch einmal bezahlen müssen. Dafür haben wir auch Rollkörbe und Taschen, die sich die Kunden ausleihen können. Zudem gibt es an der Zentralkasse mehrere Kassenplätze, insgesamt bleibt die Zahl der Kassen gleich.

Planen Sie einen Umbau des Living-Hauses?

Kooske: Im Moment nicht.

Ist geplant, dass Sie im Warenhaus Sportartikel aufnehmen?

Kooske: Nein, solche Pläne gibt es momentan nicht.

Lübeck diskutiert über eine weitere Verkehrsberuhigung der Altstadt. Wie stehen Sie dazu?

Kooske: Die Kunden möchten in der Nähe parken. Deshalb ist das neue Parkhaus im Wehdehof für uns sehr wichtig. Hier entstehen zirka 700 moderne Parkplätze mit idealer Anbindung an die Innenstadt. Wichtig ist der Ausbau des Parkleitsystems. Die Zufahrten zu den Parkhäusern müssen in jedem Fall gewährleistet sein. Nur unter diesen Voraussetzungen könnte eine Verkehrsberuhigung weiter verfolgt werden.

Interview: Kai Dordowsky

und Sven Wehde

Das Unternehmen

Karstadt Warenhaus wurde am 14. Mai 1881 von Rudolph Karstadt in der Hansestadt Wismar gegründet und feiert gegenwärtig seinen 135. Geburtstag.

An der Spitze des Unternehmens steht seit dem 23.Oktober 2014 Dr. Stephan Fanderl, der zuvor Chef des Aufsichtsrats von Karstadt war.

Das Sport-Karstadt-Haus ist nicht Teil der derzeitigen Umbaupläne. Denn die Karstadt Warenhaus GmbH mit Sitz in Essen und die Karstadt Sports GmbH sind unabhängige Unternehmen. Sie gehören aber seit 2014 beide zur Signa Retail.

LN

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Innenstadt. In Frances Kaschinskis Galerie „Art for you“ stellen wieder einmal ganz verschiedene Künstler gemeinsam aus.

10.09.2016

Birgit Schrowange: „Ich möchte eine coole Alte sein“.

10.09.2016

Nicht nur Zimmermänner gehen auf die Walz, auch Bäckergesellen: Julia (25) reist seit anderthalb Jahren quer durch Europa, derzeit arbeitet sie im Lübecker Freibackhaus.

10.09.2016
Anzeige