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Lübeck Der Wald hat wieder nasse Füße
Lokales Lübeck Der Wald hat wieder nasse Füße
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22:30 18.08.2016
Das Berkenstrückener Moor ist wieder ein Kranich-Brutplatz.
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Die Climate Concept Foundation

Der Forstwissenschaftler Knut Sturm, Lübecks oberster Förster, nennt die Ergebnisse „sensationell“. Nur ein knappes Jahr nach dem Start der Renaturierung von zwei Waldmooren in Ritzerau und Berkenstrücken, die in den städtischen Revierförstereien Ritzerau und Behlendorf liegen, kehren die Pflanzen und Tiere zurück, die dort einst heimisch waren. Mit 10000 Euro waren die Gesamtkosten des Projektes gering, der Erfolg um so beachtlicher. Knut Sturm und die Hamburger Klima- und Naturschutzstiftung Climate Concept Foundation (CCF), die das Moor- Projekt auf den Weg brachte, sind begeistert. Sturm: „Es geht darum, dass das Wasser wieder im Wald bleibt.“ Denn in Deutschland droht der Untergang der Moore. CCF- Stiftungssprecherin Jessica Bruder nennt dies einen „bitteren Verlust eines wertvollen Naturerbes und ein Desaster in Zeiten des Klimawandels“. Aus diesem Grund engagiert sich die Naturschutzstiftung für den Moorschutz. Die Ziele:

Riesenerfolg für ein Lübecker Naturschutzprojekt: In den städtischen Revierförstereien Behlendorf und Ritzerau wurden zwei ausgetrocknete Moore gerettet.

schädliche Treibhausgase reduzieren, bedrohte Tier- und Pflanzenarten ansiedeln, den Wasserhaushalt regulieren.

Dass sich ausgetrocknete Moore so schnell wieder erholen, wenn Menschen ihnen dabei helfen, überrascht die Umweltschützer. Nur ein knappes Jahr verging, und der Wald in den alten Moorgebieten hatte wieder nasse Füße. In Berkenstrücken ist der Wasserspiegel so stark angestiegen, dass große Bruchwälder unter Wasser stehen. Die Stiftungs-Sprecherin: „Was uns besonders freut, ist der tierische Nachwuchs. Ein Kranichpaar hat sich dort niedergelassen und zwei Junge ausgebrütet.“ Auch Zwergschnäpper, eine seltene Singvogelart, kehrten heim. In Ritzerau zeigt sich ebenfalls neues Moor-Leben.

Die Torfmoose und Wollgräser breiten sich aus.

Die in der Region Lübeck bislang einzigartige Moor-Renaturierung ist ein Gemeinschaftsprojekt der CCF-Stiftung, des Stadtwaldes Lübeck, der Naturschutzstation Lauenburgische Landschaften und der Sparkassenstiftung der Kreissparkasse Herzogtum Lauenburg. Wissenschaftlich umgesetzt wurde das Projekt von den Biologinnen Sabine Hansen (CCF-Projektmanagerin) und Beate Lezius. Für Lezius, langjährige Leiterin der Naturschutzstation Lauenburgische Landschaften, wurde die Rettung der Moore zum Vermächtnis. Die Wissenschaftlerin kam Ende 2015 bei einem Verkehrsunfall ums Leben. Für sie waren Moore „wahre Naturschätze, die es zu retten gilt“. Die Biologin verwies beim Start des Projektes auf Forschungsergebnisse der Universität Greifswald, die belegen, wie effizient intakte Moore schädliche Treibhausgase binden. Doch dort, wo Moore austrocknen, würden diese Gase wieder freigesetzt. Mindestens neun Prozent der klimaschädlichen Gase in Schleswig-Holstein, wie CO

2 und Lachgas, stammten aus entwässerten Moorböden.

Christopher Brandt, CCF-Vorstandschef: „Moorschutz ist effektiver Klimaschutz. Mit überschaubarem Aufwand lässt sich eine Menge schädlicher Treibhausgase einsparen.“ Lena Drews von der Kreissparkassenstiftung unterstrich, dass mit der Wiederbelebung der beiden Waldmoore „dem Klimawandel entgegengewirkt wird“.

Revierförster Eckhard Kropla hatte die beiden Waldstücke, in denen die Moor-Renaturierung glückte, über Jahre hinweg beobachtet und mit Sorge die fortschreitende Austrockung des Moorbodens registriert. Doch jetzt fließt das Wasser nicht mehr von dannen. Stadtwald- Mitarbeiter dichteten Gräben mit Holzspundwänden und Lehm ab und verstärkten geschädigte Dämme. Schon nach kurzer Zeit stieg der Wasserspiegel an. Mit 150000 Hektar ist Schleswig-Holstein eines der moorreichsten Länder Deutschlands. Sabine Hansen: „Ein Bewusstsein für die Schönheit der Moore und ihre Bedeutung für den Klimaschutz entwickelt sich aber erst langsam.“

15 Prozent des 5000 Hektar großen Lübecker Stadtwaldes sind Moore. Von diesen Mooren befindet sich aber „nur ein Drittel in einem naturnahen Zustand“, beklagt Sturm. Die Anzahl der „entwässerten Moore“ sei besorgniserregend. Der Bereichsleiter Stadtwald spricht von „zehn Moor- Standorten“ in Lübecks Wäldern, die mit geringem Finanzaufwand gerettet werden könnten.

Neue Projekte geplant

(CCF) ist eine private Stiftung für Klima- und Naturschutzmaßnahmen mit Sitz in Hamburg. Sie wurde 2010 von dem Juristen Christopher Brandt gegründet. CCF wurde 2013 als UN-Beobachter-Organisation anerkannt.

Weitere Lübecker Moore sollen gerettet werden. Die Stiftung sucht Kooperationspartner, die die Schutzmaßnahmen finanziell fördern. Wer sich an der Moor-Rettung beteiligen will, kann sich an Sabine Hansen (E-Mail: hansen@climate-concept-foundation.org), Telefon: 0160/140 11 41 und an Jessica Bruder (E-Mail: bruder@climate-concept-foundation.org) wenden.

 Torsten Teichmann

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