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Lübeck „Der Wanderweg muss bleiben“
Lokales Lübeck „Der Wanderweg muss bleiben“
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09:03 10.11.2013
Katrin (34) und Thorsten Storm (41) sind mit Sohn Ole (3) zur Hermannshöhe gewandert. Dort machen sie am Café eine Pause. Quelle: Fotos: Lutz Roeßler
Travemünde

Heidi Pfennig läuft fast täglich den Wanderweg am Brodtener Steilufer entlang, vom Möwenstein bis zum Ausflugslokal Hermannshöhe. Dort ruht sie sich bei einer Tasse Tee aus, dann geht es wieder zurück. „Das ist der ideale Spaziergang, wenn man wie ich in Travemünde lebt“, sagt die 65-Jährige. Ab Frühjahr 2014 muss sie sich allerdings eine neue Strecke suchen, zumindest wenn es nach der Lübecker Stadtverwaltung geht. Die will die beliebte Verbindung zwischen Travemünde und Niendorf dichtmachen, weil sie sich mit den Eigentümern der Wanderflächen seit Monaten nicht auf neue Mietverträge einigen kann.

„Das darf nicht passieren“, sagt Heidi Pfennig. „Der Wanderweg muss bleiben.“ Als „grotesk“ bezeichnet Wilfried Keller die Pläne der Stadtverwaltung. Der 57-Jährige sitzt auf einer Bank am Steilufer und lässt sich die Herbstsonne ins Gesicht scheinen. „Ich begreife es als ein großes Glück, dass ich mit Bus und Bahn in 45 Minuten hier sein kann“, sagt der Lübecker. „Das ist ein Naherholungsgebiet erster Klasse. Wie kann jemand auf die Idee kommen, das der Öffentlichkeit zu entziehen?“ Zumal doch dieser Wanderweg all das repräsentiere, womit Schleswig-Holstein werbe und Touristen ins Land locke.

Menschen wie Elva Kinzel zum Beispiel. Die Hamburgerin unternimmt regelmäßig Tagesausflüge nach Travemünde, unter anderem wegen des Brodtener Steilufers. „Schon meine Urgroßmutter ist immer hierhergekommen“, sagt die 56-Jährige. Sie ist sich sicher, dass Travemünde extrem unter der Schließung leiden würde. „Wo soll man dann noch spazieren gehen?“

Auch die Osnabrückerin Maren Holl liebt den Wanderweg, und das schon seit Jahrzehnten. „Es wäre für mich eine Katastrophe, wenn es ihn nicht mehr gäbe“, sagt sie. Die 70-Jährige hat bereits bei vielen Freunden in ihrer Heimat Werbung für die Strecke entlang der Steilküste gemacht. „Auf der einen Seite habe ich die See mit den großen Schiffen, auf der anderen die Felder“, sagt sie. „Diese Aussicht ist einfach unbezahlbar.“

Die Travemünderin Antje Mewes appelliert deshalb an die Landwirte und die Stadt, endlich einmal aufeinander zuzugehen. „Ein Jammer, was hier passiert“, sagt die 82-Jährige. „Es kann doch nicht sein, dass wir Bürger unter dem Streit leiden müssen.“

Große Auswirkungen hätten die Pläne der Stadtverwaltung wohl auch auf das Ausflugslokal Hermannshöhe, das erst im vergangenen Jahr nach umfangreichen Umbauarbeiten wiedereröffnet hat. „Wenn es den Wanderweg nicht mehr gäbe, würden wir wohl nicht mehr hierherkommen“, sagt Stefan Gilfert. Er sitzt mit seiner Frau Birgit in dem Café, genießt einen Kaffee und ein Stück Kuchen.

„Wir rechnen mit nicht unerheblichen Umsatzeinbußen, weil ein Großteil unserer Gäste Fahrrad- und Wandertouristen sind“, sagt Betriebsleiter Maik Kiesewetter. „Vor allem im Sommer.“ Dann beschäftige das Lokal 15 festangestellte Mitarbeiter sowie viele zusätzliche Aushilfskräfte. Kiesewetter: „An die müssen wir auch denken.“

Er hofft, dass die Schließung des Weges abgewendet werden kann. Das wünscht sich auch Familie Storm aus Buxtehude. „Wir haben gerade den Spielplatz neben der Hermannshöhe entdeckt“, sagt Katrin Storm. „Im Sommer wollen wir wiederkommen, damit unser Sohn die Rutsche im Trockenen ausprobieren kann. Hoffentlich gibt es dann den Wanderweg noch.“

Morgen berät der Wirtschaftsausschuss über die Schließung. Die CDU geht mit einem neuen Kompromissvorschlag in den Ausschuss, der mit den Bauern abgestimmt ist. Danach sollen die Mietverträge zehn Jahre lang ohne Mieterhöhung weiterlaufen. Zugleich wird eine Wertsicherungsklausel aufgenommen, die sich nach der Steigerung der Lebenshaltungskosten richtet. Die komme aber frühestens nach fünf Jahren zum Zuge, erklärt der Travemünder CDU-Politiker Ulrich Krause: „Das wäre ein eleganter Weg, bei dem keiner das Gesicht verliert.“

Janina Dietrich

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