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Der achte Turm der Altstadt wird 125

Lübeck Der achte Turm der Altstadt wird 125

Katholische Propsteikirche Herz Jesu 1891 fertiggestellt — Jubiläumsprogramm startet am Wochenende.

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Diese Aufnahme stammt vermutlich aus dem Jahr 1895. Sie zeigt den Blick vom Domkirchhof aus Richtung Parade. Mit dem Bau der neugotischen Backstein-Kirche hatten die Lübecker Katholiken nach über 350 Jahren wieder ein geistliches Zuhause.

Quelle: Fotos: Herz Jesu-Archiv, Roeßler, Maxwitat

Innenstadt. Kirchenmusiker Heiner Arden erinnert sich noch genau an seine Anfangszeit in Lübeck. „Das war 1992. Wenn ich da mit dem Taxi zur Herz-Jesu-Kirche fahren wollte, erntete ich nur ratlose Blicke des Fahrers. ,Nein, die soll in der Altstadt sein?‘ bekam ich stets als irritierte Reaktion zu hören“, erzählt der 51-Jährige, „wenn man dann gesagt hat, diese sei gegenüber vom Marienkrankenhaus, kam ,Sagen Sie das doch gleich!‘.“

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Diese Aufnahme stammt vermutlich aus dem Jahr 1895. Sie zeigt den Blick vom Domkirchhof aus Richtung Parade. Mit dem Bau der neugotischen Backstein-Kirche hatten die Lübecker Katholiken nach über 350 Jahren wieder ein geistliches Zuhause.

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Auch auf Stadtplänen sei der Kirchenbau früher nicht eingezeichnet gewesen — „deshalb habe ich mich gleich hingesetzt und an die Monats-Veranstaltungsmagazine geschrieben, man möge doch zukünftig bitte auf den Plänen ein kleines Kreuz in der Parade ergänzen“, erzählt der Organist, der damals die erste hauptamtliche A-Kirchenmusikerstelle besetzen konnte. Auch die Gemeinde sei vor 25 Jahren noch in einem Dornröschenschlaf gewesen, fügt er an.

Doch das ist mittlerweile Geschichte; denn inzwischen hat sich an der Parade viel getan. Nicht nur, dass durch eine neue Orgel 1998 ein großer Schub in die Kirchenmusik kam und seit Ardens Amtsantritt fünf Chöre entstanden sind; auch baulich hat sich seit dem letzten großen Jubiläum, der 100-Jahr- Feier im Jahr 1991, eine Menge bewegt. „Das kann man wohl sagen“, betont Antonius Jeiler aus dem Kirchenvorstand.

So gesteht der Sprecher des Bauausschusses ein: „Die Herz-Jesu- Kirche war für mich vorher nicht ansprechend. Entsprechend war ich sehr erfreut, an der Veränderung mitgewirkt zu haben.“ Inzwischen kommt er zu dem Urteil: „Es ist ein sehr schöner, heller Kirchenraum voller Harmonie geworden.“ Von Mai 2012 bis zur Wiedereinweihung am 23. Juni 2013 wurde der Innenraum der Kirche, der unter Feuchtigkeitsschäden litt, nach Plänen des Architekturbüros Riemann umfassend saniert.

Vor allem bekam auch die Märtyrergedenkstätte im Zuge der überfälligen Baumaßnahme mit einem lichten Anbau ein neues, erweitertes Zuhause. „Dadurch konnte die Gemeinde einen Sprung nach vorne in der öffentlichen Wahrnehmung machen“, sagt der federführende Architekt Hanno Nachtsheim. Demnächst sollen noch die Krypta umgestaltet sowie ein weiterer Präsentationsraum geschaffen werden.

„Das wird bis zum 125. Kirchweihjubiläum am Pfingstsonntag und dem Ökumenefest einen Tag später nicht fertig“, bedauert Propst Franz Mecklenfeld, der seit 2006 geistliches Oberhaupt der 5700 Gemeindemitglieder in der Pfarrei Herz Jesu ist. Die begleitenden Veranstaltungen zum Jubiläum würden sich durch das ganze Jahr ziehen, kündigt er an.

In einer Vortragsreihe werden dann interessante Details aus der Historie von Fachleuten beleuchtet. So wurde zum Beispiel im Jahr 1955, und radikaler 1973 im Gefolge der Liturgie-Reform nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil, die Inneneinrichtung verändert und fast alle Teile der neugotischen Ausstattung vernichtet. Ein neuer, freistehender Altar ersetzte in Folge den neugotischen Flügelaltar. „Dahinter stand vor allem der leitende Gedanke, sich bei der Heiligen Messe mehr der Gemeinde zuwenden zu können“, so Mecklenfeld.

Und wenn es um einschneidende Veränderungen in den letzten 125 Jahren im Gemeindeleben geht, so hat die Gewaltdiktatur der Nationalsozialisten sicher die größten Wunden hinterlassen. „Ich bin in Herz Jesu getauft, habe die Erstkommunion und die Firmung empfangen“, erzählt Regina Pabst. Und sie sei zur katholischen Schule gegangen, die 1938 von den Nazis geschlossen worden ist. „Das war ein massiver Einschnitt für uns Kinder“, erinnert sich die 87-Jährige. Auch die große aktive Kolpinggruppe sei zerschlagen worden.

Dass die ganzen Erinnerungen nicht verloren gehen, ist die Aufgabe von Thomas Gronemeyer. „Ich bin mit dem Archiv befasst, dass an die 1000 Kartons umfasst. Möglicherweise haben wir es zum 150.

Kirchweihfest aufgearbeitet“, schmunzelt er.

Start ins Jubiläumsjahr

Das Konzert des Lübecker Kammerchors am Sonnabend, 27. Februar, um 18.15 Uhr ist der Auftakt der Reihe mit besonderen Chorkonzerten zum Jubiläum. Und einen Tag später, am Sonntag, 28. Februar, startet die dreiteilige Vortragsreihe zu „125 Jahre Herz Jesu“. Historiker Dr. Jan Lokers beleuchtet um 17 Uhr — ebenfalls in der Propsteikirche — die Zeit zwischen 1888 und 1891 in der Hansestadt.

Die Märtyrer-Gedenkstätte

Im Oktober 2013 wurde die neue Märtyrer-Gedenkstätte von Erzbischof Werner Thissen eingeweiht. In dem 20 Meter langen und 3,50 Meter breiten, lichten Anbau wird in Ton und Bild multimedial an die drei katholischen Kapläne Johannes Prassek, Eduard Müller, Hermann Lange sowie den evangelischen Pastor Karl Friedrich Stellbrink erinnert. Mitten im Zweiten Weltkrieg hatten sich die couragierten Kirchenmänner gegen die Nazi-Barbarei aufgelehnt. Ihren Mut bezahlten sie am 10. November 1943 mit ihrem Leben. Im Jahr 2011 wurden die drei Kapläne dann seliggesprochen. In zwei Jahren werden nun die katholischen Pfarreien Propstei Herz Jesu, St. Joseph-St. Georg, St. Bonifatius, Heiliger Geist, St. Birgitta und Maria Königin in der neuen Pfarrei mit dem Namen „Zu den Lübecker Märtyrern“ aufgehen.

Michael Hollinde

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