Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Lübeck Der bescheidene Linksaußen
Lokales Lübeck Der bescheidene Linksaußen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:17 21.09.2017
Lüder Möller möchte für die MLPD in den deutschen Bundestag einziehen und dort den Wahlkreis 11 vertreten. Quelle: Agentur 54°
Lübeck

Er war Berufsschullehrer, Maschinenschlosser und wurde vier Mal in seinem Berufsleben wegen seiner politischen Einstellung entlassen. Lüder Möller (68) ist Direktkandidat der Internationalistischen Liste/Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands (MLPD) im Wahlkreis 11.

Die letzte Bundestagswahl 2013 endete ernüchternd für die MLPD. 93 Stimmen erhielten die Marxisten und Leninisten in der Hansestadt. „Wir haben unsere Bedeutung außerhalb der Parlamente“, rückt Lüder Möller das magere Ergebnis zurecht. „Wir sind in der Umwelt- und Friedensbewegung sehr aktiv.“ Trotzdem tritt der 68-Jährige diesmal als Direktkandidat an, denn auch er weiß, dass ein Gesicht oft mehr bringt als bloße Programmatik auf Wahlplakaten. 400 Plakate hat die MLPD aufgehängt, 1500 Euro kostet sie der Wahlkampf, den sie aus Spenden und Mitgliedsbeiträgen finanziert. „Immer mehr Menschen kommen auf mich zu, weil sie mich auf Plakaten gesehen haben“, stellt Möller bereits einen Effekt fest.

Zum Thema

Informieren Sie sich mit aktuellen Nachrichten zum Wahlkampf auf Bundesebene unter www.LN-online.de/Bundestagswahl.

Alle Nachrichten über Ihren Wahlkreis unter www.LN-online.de/Wahlkreis11

Seine Partei, die 1982 gegründet wurde und der er von Beginn an angehört, hat Probleme, in die Medien zu kommen. „Wir werden oft nicht zu Veranstaltungen eingeladen“, kritisiert Möller, „das ist auch eine Bevormundung von Wählern.“ Wenn er dann mal dabei sein darf wie bei einer Diskussion von Verdi im Gewerkschaftshaus Anfang September, „dann bekomme ich viel Zuspruch.“ Über 60 000 Unterschriften habe die MLPD bundesweit sammeln müssen, um bei dieser Wahl antreten zu dürfen, Möller musste 200 beisteuern. Der Lübecker Ortsverband der MLPD ist dabei überproportional auf Landesebene vertreten und stellt gleich fünf Kandidaten auf der Landesliste. „Wir sind ein sehr rühriger Ortsverband“, sagt Lüder Möller.

Der 68-Jährige kam in Cuxhaven zur Welt, baute sein Abitur und studierte Lehramt, wurde Berufsschullehrer und ging dann mit 33 Jahren in eine Lehre als Maschinenschlosser – in einer kleinen Hamburger Werft. Möller wollte die Welt der Arbeiter kennenlernen. 21 Jahre lang arbeitete er in Metallbetrieben in Norddeutschland, zwölf Jahre war er Ausbilder auf der Flenderwerft. „Das war die schönste Zeit in meinem Berufsleben“, sagt der Kandidat. Allerdings musste Möller auch den Niedergang der Flenderwerft miterleben. „Ich war einer der ersten, der entlassen wurde.“ Die letzten acht Jahre seines Berufslebens verbrachte er dann wieder an einer Schule – der Emil-Possehl-Schule.

Klicken Sie hier, um Bilder und Porträts, Ansichten und Meinungen der Kandidaten des Wahlkreis 11 zur Bundestagswahl 2017 zu sehen!

Vor vier Jahren wurde Möller jenseits der Stadtgrenzen bekannt. Er hatte von einem Onkel im Rheinland 100 000 Euro geerbt, die er für die internationale und Bildungsarbeit seiner Partei spendete. „Das Geld stand mir nicht zu“, sagt der 68-Jährige, der zur Miete wohnt, wie selbstverständlich. Dieser Verzicht macht ihn glaubwürdiger, schließlich wollen Lüder und seine Partei den Kapitalismus und das Privateigentum abschaffen. Die MLPD stehe aber zu den Grundrechten, betont Möller. Dass die Partei vom Verfassungsschutz als linksextremistisch eingestuft wird, lässt den Kandidaten kalt. Er hält nicht viel von diesem Verfassungsschutz.

Im Wahlkampf will der Rentner mit einem sehr populären Thema punkten: „Die Verantwortlichen für den Abgasskandal in der Autoindustrie sollen vor Gericht gestellt werden.“ In Lübeck will Möller zusammen mit seinen Mitstreitern verhindern, dass die Mülldeponie Niemark Bauschutt aus stillgelegten Atomkraftwerken aufnimmt. Möller: „Wir fordern dafür spezielle Deponien.“

Von Kai Dordowsky

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!