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Lübeck Der einsame Flughafen
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19:34 25.12.2016
Menschenleer und verwaist: Vor dem Terminalgebäude in Blankensee stehen zwei Trolleys ungenutzt herum. Die Geschäfte im Terminal sind verlassen. Dafür sind die Büroflächen ab Frühjahr wieder vermietet. FOTOS: WOLFGANG MAXWITAT
Lübeck

Seit dem 11. Dezember dieses Jahres hält die Bahn auf dem Weg von Lübeck nach Büchen nur noch bei Bedarf am Haltepunkt Flughafen. Also nur, wenn jemand aus- oder einsteigen will. Die Verkehrsgesellschaft Nah SH begründet das mit der Zahl der Fahrgäste, die zum Airport wollen. „In den Jahren 2014 und 2015 sind am Haltepunkt Lübeck-Flughafen im Schnitt nur noch 100 Ein- und Aussteiger am Tag gezählt worden“, sagt Dennis Fiedel, Sprecher von Nah SH. Es sei naheliegend, dass das mit dem nachlassenden Flugbetrieb zu tun habe, „denn in den Jahren zuvor hatten wir doppelt so viele Ein- und Aussteiger.“

Keine Flieger, keine Passagiere, keine Busse – Auf dem Airport in Blankensee geht es ruhig zu – Bahn hält nur noch bei Bedarf – Im kommenden Jahr will der Betreiber das Areal beleben.

Als der 1,4 Millionen Euro teure Haltepunkt vor acht Jahren eröffnet wurde, reisten jährlich 24000 Fluggäste mit der Bahn an. Und die Prognosen waren großzügig, liebäugelte der Flughafen doch mit langfristig drei Millionen Passagieren, von denen 25 Prozent mit dem Zug kämen. Nun also Bedarfs-Haltepunkt. So wie Altengörs und Fresenburg auf der Bahnstrecke Neumünster-Bad Segeberg. Auch der Stadtverkehr merkt, dass über Blankensee kaum noch Maschinen unterwegs sind. Früher schleppten viele Fluggäste ihre schweren Koffer in die Linie 6, die den Airport bedient. „Die Linie brummt, weil viele Jugendliche zum Ausbildungspark fahren“, berichtet Gerlinde Zielke vom Stadtverkehr, „aber es reisen nur noch ganz wenige mit dem Bus zum Flughafen.“

Wer sollte das auch sein? Seit dem 15. April gibt es überhaupt keinen Linienflug mehr. Auch Urlauberflüge sind Mangelware. „Bei uns fliegen im Augenblick ausschließlich Kleinflieger“, bestätigt der frühere und jetzige Airport-Geschäftsführer Prof. Jürgen Friedel auf LN-Anfrage. Eckhard Graf, Bürgermeister von Groß Grönau, bemerkt gelegentlich kleine Übungs-Jets der Lufthansa im Himmel über seiner Gemeinde. Ansonsten herrsche „himmlische Ruhe“, sagt der Bürgermeister: „In Groß Grönau ist der Flughafen kein großes Thema mehr.“ Flugschulen und Privatflieger seien in Blankensee unterwegs, erklärt Florian Mösch vom Aero Club: „Es ist kein florierender Flughafen, aber eine funktionierende Infrastruktur.“ Die Segelflieger, die erheblichen Stress mit den früheren Airport-Eignern hatten, raufen sich gerade mit der Stöcker Flughafen GmbH zusammen.

Doch wo jetzt gähnende Leere herrscht, soll nach und nach das Leben zurückkehren. „Wir haben mehrere Mietverträge unterschrieben, alle unsere Hallen sind ausgebucht“, berichtet Airport-Chef Friedel, „wir arbeiten daran, Urlauber- und Linienflüge nach Lübeck zu holen.“ Die Mannschaft wurde von 60 auf 30 Mitarbeiter reduziert, zehn bis 15 Beschäftigte seien bei Euroimmun untergekommen. Die Büros im Flughafengebäude, von denen viele leerstanden, sind ab März wieder voll vermietet. Ins Terminalgebäude sollen neue Shops und Gastronomie einziehen. „Im Frühsommer wollen wir die Gastronomie eröffnen, die wir selbst betreiben werden“, sagt Friedel. Damit die Gäste wieder einen ungestörten Blick auf das Flugfeld genießen können, wurde das 2003 errichtete Abfertigungszelt abgebaut und verkauft. Das wollte im Dezember vor vier Jahren schon der damalige Airport-Betreiber Prof. Mohamad Rady Amar. Jetzt hat es geklappt – nur aus anderen Gründen.

Als der Airport brummte

Im Juli 2013 kam es zur Parkplatz- Not am Flughafen. Dänen hatten den Airport für Flüge nach Spanien (Girona, Alicante und Mallorca) und Sardinien entdeckt. 1400 Stellplätze waren komplett ausgebucht. 715000 Fluggäste beförderte der Airport 2005. Diese Rekordzahl wurde vorher und nachher nie wieder erreicht. 698000 Passagiere wurden 2009 abgefertigt, danach begann der unaufhaltsame Sinkflug.

 Kai Dordowsky

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