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09:17 03.02.2016
Bestens ausgerüstet: Fabiola Brandt im Walking-Outfit am Kanal. Demnächst steht mit ihren anderen drei Teammitgliedern ein Trainings-Wochenende im Harz an, weitere werden folgen. Quelle: Wolfgang Maxwitat

Für manchen ist die Vorstellung, 100 Kilometer Fahrrad zu fahren, schon schlimm genug. Aber 100 Kilometer wandern am Stück? Undenkbar! Nicht für die Neu-Lübeckerin Fabiola Brandt: Sie trainiert für den Oxfam Deutschland Trailwalker, der im Juni im Naturpark Spessart steigt und einem guten Zweck dient.

Die 27-jährige Kinderkrankenschwester, die im Herbst nach Lübeck zog und auf der Entbindungsstation des Marienkrankenhauses anfing, hat schon alles beisammen: Der Rucksack darf nicht zu klein und nicht zu groß sein, die Kleidung muss regenfest, aber nicht zu warm sein, und — ganz wichtig — die Wanderschuhe müssen eingelaufen sein, die Socken dürfen keine Nähte haben und nirgendwo scheuern.

Denn 100 Kilometer binnen 30 Stunden — das läuft sich nicht mal eben so.

Der Lauf hat eher symbolischen Charakter: Die 100 Kilometer stehen für den langen Weg, den die Teilnehmer gemeinsam mit der Hilfsorganisation Oxfam in der Armutsbekämpfung gehen. Denn bevor die Teilnehmer in Vierer- Teams starten, müssen sie mindestens 2000 Euro Spenden für Oxfam- Projekte sammeln.

Fabiola Brandt war durch ihre Schwägerin auf den Walk aufmerksam geworden. „Ich habe damals zugeschaut und fand es super spannend, es juckte mich gleich in den Füßen“, erzählt sie. Ganz unerfahren ist die 27-Jährige nicht, was das Wandern anbelangt, „denn ich komme aus dem Harz und bin dort auch oft gewandert.“ Aber eben nicht solch eine Strecke. Deshalb stehen jetzt regelmäßig Trainingseinheiten an: Im Januar ist das Vierer-Team — neben Fabiola Brandt treten auch ihr Bruder Sören, Schwägerin Doreen und Sörens Freund Stefan Gerdemann an — einmal um den Großen Plöner See gewandert. Das sind zwar „nur“ 40 Kilometer, das ist als Training aber ganz ordentlich. „In zwei Wochen treffen wir uns im Harz, denn dann wollen wir auch mal in etwas hügeligerem Gelände trainieren.“ Bis Juni ist ja auch noch ein wenig Zeit.

Die „NordSocks“, wie sie sich nennen, haben schon einen Plan, wie sie im Juni im Spessart die 100 Kilometer bewältigen wollen: in einem Stück. „Wir werden die Nacht durchlaufen und nur kurze Pausen machen, zwischendrin mal eben die Beine hochlegen.“ Schlafen sei nicht drin, dann tue man sich zu schwer damit, wieder weiterzuwandern. Begleitet werden sie von Fabiolas Freund Jens Averbeck (32), der als Supporter mit seinem Wohnmobil auf der Strecke mitfährt. „Ganz wichtig“, erzählt die junge Lübeckerin, „ist es, genug zu essen und zu trinken“. Kleine Snacks, die man auf die Schnelle im Gehen verspeisen könne, seien da besonders geeignet. Bananen und Energie- oder Müsliriegel zum Beispiel. Es könne aber auch etwas sein, was ernährungstaktisch weniger wertvoll, aber einfach lecker sei: Beim Training am Plöner See habe sie Mini-Salamis dabeigehabt. „Da haben sich alle drauf gestürzt, die waren ruckzuck weg.“

Die „NordSocks“, die aufgrund der sportlichen Herausforderung und mit dem Ziel, viele Spenden zu sammeln, mitmachen, können jetzt schon auf eine stattliche Summe verweisen: Knapp 900 Euro sind bereits zusammengekommen — andere Teams können da deutlich weniger vorweisen. „Über Spenden aus Lübeck würden wir uns natürlich riesig freuen“, gibt Fabiola Brandt, die von ihren Arbeitskollegen zumindest ideell unterstützt wird, einen kleinen Hinweis.

Die Hilfsorganisation
1942 wird Oxfam (Oxford Committee for Famine Relief) in Großbritannien gegründet — als Redaktion auf das Leid der griechischen Zivilbevölkerung unter deutscher Besatzung. Die globale Nothilfe- und Entwicklungsorganisation ist in über 90 Ländern tätig. Sie will die Verfügbarkeit von Land und Wasser sichern, helfen, ressourcenschonende Landwirtschaft zu betreiben, demokratische Teilhabe zu ermöglichen, die Geschlechtergerechtigkeit zu fördern und den Zugang zu Bildung und Gesundheitsversorgung schaffen.
1995 wird Oxfam Deutschland gegründet.
Finanziert wird die Arbeit über 48 Oxfam Shops, in denen ehrenamtlich Tätige gespendete Secondhand-Waren verkaufen.
In Lübeck gibt es einen Oxfam Shop in der Königstraße 123-125, der montags bis freitags von 10 bis 19 Uhr, sonnabends von 10 bis 14 Uhr geöffnet ist.
1986 entsteht in Hongkong die Idee für den ersten Trailwalker. Heute gehören der Community weltweit 200000 Menschen an, die bereits fast 100 Millionen Euro Spenden gesammelt haben. Wer die „NordSocks“ ebenfalls tatkräftig unterstützen will, kann das unter im Internet unter www.trailwalker.oxfam.de/donation-form tun.

Sabine Risch

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