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Lübeck Der schwierige Kampf gegen die Wohnungsnot
Lokales Lübeck Der schwierige Kampf gegen die Wohnungsnot
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20:42 02.02.2018
„30 Prozent Sozialwohnungen sind das Mindestmaß.“Ragnar Lüttke, Linke

Billig wohnen – für viele Lübecker lässt sich das nicht mehr realisieren. „In einigen Segmenten kann man von Wohnungsnot sprechen“, sagt Thomas Klempau, Geschäftsführer des Lübecker Mietervereins. In der Hansestadt gebe es „einen eklatanten Mangel an günstigen Wohnungen“. Für Klempau sind dabei die Quadratmeterpreise von 5,65 Euro und 7,50 Euro die Messlatte. So viel kosten geförderte Sozialwohnungen. Indes: Auf dem Markt würde viel mehr Geld verlangt. „Ich bin erschrocken, wenn ich das sehe.“ Es gebe kaum Angebote – und wenn, sind sie teuer. Da würden für eine 40-Quadratmeter-Wohnung (kein Neubau) Preise von acht bis zehn Euro pro Quadratmeter verlangt. Und: Der Kampf um günstige, kleine Wohnungen habe zugenommen. Ältere, Studenten, Flüchtlinge, Singles suchen solche Unterkünfte.

Klempau: „Es ist sehr schwierig geworden, überhaupt etwas zu finden.“

Das bestätigt Christian Stolte von der Stadt im Bauausschuss: „Wer eine Wohnung sucht, der hat Probleme, etwas Günstiges zu finden.“ Katja Mentz (GAL): „Das ist nicht nur eine gefühlte Wohnungsnot.“

Suchende würden kaum noch Angebote finden – und wenn, dann nur zu teuren Preisen. Einst günstige Mietwohnungen würden aufgekauft und dann teurer vermietet – ohne das dort nennenswert saniert worden wäre, berichtet Mentz.

30 Prozent Sozialwohnungen

Einen verzweifelten Kampf gegen die Wohnungsnot führt Ragnar Lüttke (Linke). Schon Ende Januar 2016 forderte er, dass es 30 Prozent Sozialwohnungen in einem neuen Baugebiet geben muss. Die Bürgerschaft stimmte zu. „Das ist das Mindestmaß“, stellt Lüttke klar. Allerdings: Bei jedem Bebauungsplan gibt es die erneute Diskussion: Wurde es geplant vor der 30-Prozent- Quote – oder danach?

Daher ist Lüttke enttäuscht: „Seit dem Beschluss hat sich fast nichts getan.“

In Lübeck gibt es fast 117000 Wohnungen. Davon sollten zehn Prozent Sozialwohnungen sein – das ist allgemeine Zielmarke. In Lübeck wären das knapp 12 000. Real gibt es aber nur 8000 Sozialwohnungen – das sind 6,8 Prozent. Bis 2030 werden laut Wohnungsmarktbericht 3700 wegfallen. Dann gibt es nur noch 4200 Sozialwohnungen, das sind mickrige 3,8 Prozent. Lübeck hat ein Programm aufgelegt und will bis 2025 etwa 5000 neue Wohnungen errichten. Das wären rechnerisch 1500 Sozialwohnungen – durch die 30-Prozent-Regel. Im Wohnungsmarktbericht wird aber nur von 800 neuen Sozialwohnungen ausgegangen. Reichen würde beides nicht. Und die beschlossene Verbilligungsrichtlinie bringt nicht den großen Schub. Seit Mitte 2016 verkauft die Stadt Grundstücke günstiger, wenn Investoren Sozialwohnungen bauen. Doch die halten sich zurück. Bisher sind so 121 Sozialwohnungen gebaut worden. Lübeck hat ein weiteres Problem: In der Altstadt werden immer mehr Ganghäuser und Wohnungen als Ferienunterkünfte genutzt. „Das ist vorhandener Wohnraum, der dem Markt vorenthalten wird“, macht Architektin Nicola Petereit klar. Da gebe es einen Zusammenhang zum Wohnungsmangel.

Politiker uneins

Für SPD-Fraktionschef Peter Petereit ist indes klar, dass es der Stadt gelingt, „bezahlbaren Wohnraum von 7,50 bis 8 Euro den Quadratmeter“ zu schaffen. Im Moment wirke es so, als würde die 30-Prozent-Regel nicht greifen. Aber bei neuen Baugebieten werde sie angewandt. CDU-Fraktionschef Christopher Lötsch hält die 30-Prozent-Regel als „Zielsetzung für okay“. Aber: Sie dürfe nicht einziges Kriterium sein. Die Sozialwohnungen müssten auch ins Umfeld passen. FDP-Mann Thomas Rathcke hat einen anderen Fokus: „Es muss auch Wohnungen für Steuerzahler geben, die an der Uni arbeiten oder nach Hamburg pendeln.“

Von Josephine von Zastrow

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