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Lübeck Designerin kämpft um ihre Geburtstagskarawane
Lokales Lübeck Designerin kämpft um ihre Geburtstagskarawane
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20:28 24.06.2016
200000 Mal, schätzt die Schöpferin der Geburtstagskarawane, ist ihre Kreation seit 2001 verkauft worden. Quelle: Thomas Geyer

Im Dauerstreit um eine Gewinnbeteiligung der Lübecker Spielzeugdesignerin Heike Wiechmann (52) an ihrem Entwurf einer Geburtstagskarawane hat der Bundesgerichtshof erneut ein Urteil des Schleswig-Holsteinischen Oberlandesgerichts (OLG) aufgehoben. Jetzt muss der 6. Schleswiger Zivilsenat zum dritten Mal über die Forderung der Klägerin auf einen sechsstelligen Nachschlag für ihre Erfolgskreation verhandeln.

Die Vorgeschichte: Im Jahr 2001 entwarf die Lübecker Designerin im Auftrag eines Möllner Spielzeugherstellers eine Geburtstagskarawane aus bunt lackierten Holztieren auf Rädern, die Kerzen und Zahlen tragen. Der Entwurf, für den sie ein einmaliges Honorar von 551 Euro erhielt, wurde zum Verkaufsschlager. Wiechmann schätzt, dass die Karawane in mehr als 200 000 Familien für leuchtende Kinderaugen sorgt.

Bisher versuchte die Klägerin vergeblich, mit Unterstützung der Gewerkschaft Verdi eine angemessene Nachvergütung durchzusetzen. Zuletzt ließ sie der Senat im September 2014 leer ausgehen: Zwar folgte man einer ersten Vorgabe des BGH und gestand dem Entwurf einen eigenständigen kreativen Wert und somit Urheberschutz zu. Doch die Ansprüche der Klägerin auf nachträgliche Vergütung seien verjährt, hieß es. Diese Entscheidung, gegen die die Schleswiger Richter ursprünglich keine Revision zugelassen hatten, wurde vergangene Woche ebenfalls vom BGH gekippt (Aktenzeichen ZR 222/14).

Vergeblich forderte die Klägerin bisher auch die Offenlegung der Verkaufszahlen durch den Hersteller. Diese wären Grundlage für die Bemessung einer Gewinnbeteiligung. „Im Schnitt sind fünf Prozent üblich“, sagte Wiechmann gestern auf Nachfrage. Die Designerin darf nach der jüngsten BGH-Entscheidung mit einem Nachschlag für zwölf Verkaufsjahre rechnen: 2004 hatte der Gesetzgeber die Urheberrechte für angewandte Kunst gestärkt.

Seitdem setzt der Urheberschutz nicht mehr eine bestimmte künstlerische Gestaltungshöhe, sondern die Unterscheidbarkeit des Musters voraus. Nach Angaben des beklagten Spielzeugherstellers könnte die BGH-Entscheidung erheblichen Druck auf alle Industriezweige ausüben, die Design vermarkten. Höhere Endpreise könnten die Folge sein, zumal der Urheberschutz erst 70 Jahre nach dem Tod des Designers ende. „Die Kosten“, sagte ein Rechtsanwalt, „zahlt letztlich der Verbraucher.“

Bereits im Jahr 1998 hatte die Designerin für das Unternehmen einen ähnlichen Entwurf erstellt, der jedoch nach Überzeugung des OLG im Gegensatz zur Geburtstagskarawane nicht unter den Urheberschutz fällt: Bei dem für ein Honorar von 400 DM entworfenen Geburtstagszug vermisste der Senat „die notwendige Individualität“. Schon vorher habe der Hersteller einen hölzernen Bummelzug mit Anhängern vertrieben.

Zur Person

Seit sie einen Stift halten kann, zeichnet Heike Wiechmann. Seit 1997 arbeitet die 1963 in Lübeck geborene Künstlerin als Kinderbuchillustratorin, hat zahlreiche Cover und mehr als 40 Bücher illustriert. Zwischendurch arbeitete sie auch als Produktmanagerin und Spielzeugdesignerin.

„Das Detektivpony“ war 2010 ihre erste eigene Geschichte. Seitdem folgten mehrere Bücher und Comics. Die 2012 und 2013 erschienen Bücher „Die wilden Zebrakicker“ und „Wirbel auf dem Ponyhof“ wurden ins Plattdeutsche übertragen.

 Thomas Geyer

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