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Lübeck Deutsch-Nachhilfe für Asylbewerber
Lokales Lübeck Deutsch-Nachhilfe für Asylbewerber
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22:58 07.11.2013
Der Arzt Hassan Bahnan und die Pädagogin Salih Banz (r.) haben bei den Sprachlehrerinnen der Diakonie, Jasmin Safa (l.) und Kirsta Enss, Deutsch gelernt und hoffen, dass sie bald eine Arbeit finden. Quelle: H. Pump

Hassan Bahnan versteht die Welt nicht mehr. Der Arzt ist vor einem Jahr mit Frau und zwei Kindern aus Syrien geflohen und muss sich in Lübeck durch die Mühlen des Anerkennungsverfahrens für Asylbewerber quälen. Dabei könnte und möchte der Anästhesist so gern als Mediziner arbeiten. Er wird gebraucht, ist hoch qualifiziert — und darf nicht arbeiten.

Wie alle Asylbewerber muss er zunächst das gesetzliche Integrationsverfahren durchlaufen. Dazu gehört auch das Erlernen der deutschen Sprache. Als er in Lübeck ankam, sprach er kein Wort Deutsch.

Inzwischen kommen ihm die Sätze fast fließend über die Lippen. Der Syrer hat das Angebot der Gemeindediakonie genutzt, die an drei Standorten Alphabetisierungs- und Sprachkurse anbietet. Im Anschluss hat er einen Fortgeschrittenenkurs besucht, der von den Sprachlehrerinnen Jasmin Safa und Kirsta Enss seit August im Haus der Diakonie am Mühlentorplatz angeboten wird. Die Kurse sind begehrt und wurden bislang von 138 Asylbewerbern besucht.

Möglich wurde dieses Angebot durch die finanzielle Unterstützung der Possehl-Stiftung und der Gemeinnützigen Sparkassenstiftung. Beide unterstützen das Projekt in den nächsten drei Jahren mit insgesamt 100 000 Euro. „Wir fangen oft ganz vorne beim Abc an, denn viele Menschen, die zu uns kommen, können kein Wort Deutsch und nur wenig Englisch“, sagt Kirsta Enss. Aber die meisten würden sehr schnell lernen und seien hochmotiviert. So wie die Kurdin Banaz Salih, die aus dem Irak geflohen ist. Die gelernte Sozialpädagogin ist seit eineinhalb Jahren in Lübeck und spricht inzwischen perfekt Deutsch. Auch sie möchte schnell in ihrem Beruf arbeiten.

„Wir dürfen nicht arbeiten, nicht umziehen und werden oft wie dumme Kinder behandelt“, sagt der Arzt Hassan Bahnan. Dabei seien viele Akademiker oder gute Handwerker unter den Ausländern.

Sozialsenator Sven Schindler teilt diese Kritik, fühlt sich aber machtlos, da es sich beim Asylrecht um ein Bundesgesetz handele. Aktuell sind nach seinen Angaben in Lübeck 260 Asylbewerber in verschiedenen Gemeinschaftsunterkünften untergebracht. Im nächsten Jahr würden noch einmal 120 hinzukommen. Das sei für die Stadt eine große Herausforderung. Umso mehr freue er sich über die Hilfe der Diakonie. Von Possehl-Stiftung und Sparkasse gab es jetzt das Signal, dass man bereit sei, das finanzielle Engagement auszuweiten.

hp

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