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Lübeck Deutsch für alle: Lübeck startet bundesweit einmaliges Projekt
Lokales Lübeck Deutsch für alle: Lübeck startet bundesweit einmaliges Projekt
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21:27 14.07.2016
15 Frauen und Männer aus arabischen, afrikanischen und europäischen Staaten lernen unter der straffen Leitung von Marta Bochniak in der früheren Schule Moisling die deutsche Sprache. Vor allem die deutschen Artikel machen den Migranten das Leben schwer. Quelle: Fotos: Lutz Roeßler

Früher büffelten in diesen Räumen Erst- bis Viertklässler aus dem Stadtteil, jetzt drücken hier Frauen und Männer aus Afghanistan, Albanien oder dem Jemen die Schulbänke. Die Volkshochschule (VHS) hat das Projekt „Deutsch für alle“ gestartet. An fünf VHS-Standorten in der Hüxstraße, der Falkenstraße, am Koberg, in der Schildstraße und nunmehr in der früheren Moislinger Grundschule lernen Flüchtlinge, die in Lübeck leben, aber keinen Anspruch auf einen staatlichen Deutschkurs haben, die Sprache ihrer neuen Heimat. „Ich bin unheimlich stolz auf dieses Projekt“, erklärt Kultur- und Bildungssenatorin Kathrin Weiher (parteilos).

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„Es geht uns darum, dass Integration früh beginnt.“Klaus-P. Wolf-Regett (Possehl-Stiftung)

Aktuell würden rund 5500 Flüchtlinge in der Hansestadt leben, sagt Weiher. 630 Kinder würden Deutsch in den DaZ-Klassen der Lübecker Schulen lernen. Jugendliche Flüchtlinge, die unter die Schulpflicht fallen, würden in den Berufsschulen unterrichtet. Migranten aus Syrien, Irak, Iran und Eritrea haben Anspruch auf auf Deutschkurse des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (Bamf) oder die vom Land angebotenen Kurse. Was aber ist mit den 2000 bis 2500 Erwachsenen aus den Balkanstaaten, Afghanistan und dem Jemen, die in der Hansestadt leben? Sie kommen aus sicheren Herkunftsländern – und es ist unklar, ob sie überhaupt in Lübeck bleiben dürfen.

Bereits vor einem halben Jahr erklärten Bürgermeister Bernd Saxe (SPD), Bildungssenatorin Weiher und die VHS-Chefin Christiane Wiebe, dass Lübeck sich auch um die Integration dieser Menschen bemühen werde. Daraus entstand das Projekt „Deutsch für alle“, das als bundesweit einzigartig gilt. „Wir wollen allen Flüchtlingen in Lübeck ein angemessenes Angebot machen“, erklärt Wiebe. Integration müsse so früh wie möglich beginnen, sagt Prof. Klaus-Peter Wolf-Regett, stellvertretender Vorsitzender der Possehl-Stiftung, die das Projekt finanziert – zunächst einmal mit 500000 Euro bis Ende 2017.

„Weitere Anträge können gestellt werden“, macht Wolf-Regett klar. Die Stiftung binde sich dauerhaft und nachhaltig an das Projekt, „weil wir nicht auf das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge warten wollen“, sagt Wolf-Regett. „Für Flüchtlinge mit einer unsicheren Bleibeperspektive ist das Warten auf einen Deutschkurs verlorene Zeit.“ Selbst Flüchtlinge, die wieder gehen müssten, würden oft jahrelang in Lübeck leben, weil die Asylverfahren so lange dauern, sagt Bildungssenatorin Weiher.

In der ehemaligen Schule in der August-Bebel-Straße, in der zunächst das Land und später die Stadt Flüchtlinge untergebracht hatten, gibt es acht Klassenräume und Büros für die VHS-Mitarbeiter. Um „Deutsch für alle“ zu stemmen, hat die VHS zehn neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eingestellt und drei neue Standorte eröffnet. Derzeit drücken 130 Flüchtlinge in verschiedenen Kursen die Schulbänke. In der VHS-Verwaltung gibt es lange Wartelisten. Die Flüchtlinge erfahren durch Mund-zu-Mund-Propaganda oder Hinweise in den Gemeinschaftsunterkünften von den kostenlosen Sprachkursen. 20 Stunden in der Woche wird gelernt, es gibt sechs verschiedene Module und einen Orientierungskurs. Die VHS-Lehrer stufen die Migranten nach ihrer jeweiligen Vorbildung ein. Die Teilnahme ist freiwillig, aber wer sich anmeldet, muss auch mitziehen. Bildungssenatorin Weiher: „Wer schwänzt, fliegt.“

Flüchtlinge, die Interesse und keine Bamf-Kursberechtigung haben, können sich dienstags von 9 bis 12 und 14 bis 16 Uhr in der August-Bebel-Straße 14 melden.

 Kai Dordowsky

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