Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Lübeck Deutsch lernen, Kultur erleben und eine Ausbildung beginnen
Lokales Lübeck Deutsch lernen, Kultur erleben und eine Ausbildung beginnen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:33 04.07.2017
In einer Werkstatt der Emil-Possehl-Schule schauen sich Fachlehrer Thomas Kaesekamp (75. v. l.), Schulleiter Jörn Krüger (51), Teilnehmer Reza Heidari (20) und Projektleiter Helmut Braasch (72) einen Arbeitsplatz an, der für den Unterricht zur Verfügung steht. Quelle: Fotos: Cosima Künzel

Seit einem Jahr lebt Mazamil Hajizadah (24) in Lübeck. Ein Jahr, in dem der junge Mann aus Afghanistan Deutsch gelernt, einen Integrationskurs absolviert und sich erfolgreich auf eine Berufsausbildung im Elektrohandwerk vorbereitet hat. Jetzt hat er wie 13 weitere Geflüchtete einen Ausbildungsplatz sicher. Möglich gemacht hat das „ipet“. Ein Integrationsprojekt, das an der Emil-Possehl-Schule stattfindet.

Das Integrationsprojekt Elektrotechnik zieht nach zehn Monaten positive Bilanz: 14 von 20 Teilnehmern haben bereits einen Ausbildungsplatz sicher.

„Wir freuen uns über dieses sehr gute Ergebnis und sehen uns bestätigt, dass unser Konzept effektiv und erfolgreich ist“, sagt Helmut Braasch (72), der das Integrationsprojekt Elektrotechnik (ipet) im September vergangenen Jahres im Ehrenamt gestartet hat. „Von den anfänglich 20 Flüchtlingen sind 18 noch sehr motiviert dabei und davon haben bereits jetzt 14 Teilnehmer einen Ausbildungsplatz im Elektrohandwerk bekommen.“ Vier weitere werden, laut Braasch, ein Praktikum im Berufsfeld Bau machen.

Das Projekt ipet richtet sich an 18- bis 25-jährige Geflüchtete, die in ihrer Heimat mindestens zehn Jahre eine Schule besucht haben. Kontakt zu ihnen bekam der ehemalige Studiendirektor über die Lübecker Gemeindediakonie. Unter dem Leitmotiv „Integration durch Bildung und Begegnungen“ konzipierte der Projektleiter ein Modell, das einen „umfassenden Integrationsansatz“ verfolgt. „Neben der intensiven Sprachvermittlung und berufsspezifischen Vorbereitung werden auch grundlegende Informationen über unsere Gesellschaft, Kultur und unterschiedliche Religionen nicht nur vermittelt, sondern erfahren.“

Konkret heißt das, dass Dank Förderung der Possehl-Stiftung, der Margot und Jürgen-Wessel-Stiftung und des Fachverbandes Elektrotechnik die drei ehrenamtlichen Lehrer und vier Honorarkräfte des Projektes mit den Teilnehmern auch Konzerte, Ausstellungen, Museen, Moschee/Kirchen sowie Polizei und Amtsgericht besuchen konnten. „Uns ist wichtig, die Gewaltenteilung als unverzichtbares Prinzip einer demokratischen Grundordnung begreifbar zu machen“, betont der 72-Jährige, der ipet in Kooperation mit der Elektroinnung Lübeck, der Emil-Possehl-Schule, der Volkshochschule Lübeck und Sprungtuch e.V. durchführt. Außerdem wurde mit einer Sprachprüfung auf B1-Niveau und dem Test „Leben in Deutschland“ des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge der allgemeine Integrationskurs in das Projekt mit einbezogen.

Eine Vorbereitung auf die Berufsausbildung im Elektrohandwerk erhalten die jungen Männer montags bis freitags mit 32 Wochenstunden in der Emil-Possehl-Schule. Dort werden Fach-Theorie, -Praxis und Informatik unterrichtet, und in den Ferien finden Praktika statt.

Inzwischen steht fest, dass das Pilotprojekt als neues schulisches Angebot in der Emil-Possehl-Schule im Schuljahr 2017/18 weitergeht. Schulleiter Jörn Krüger (51) ist davon begeistert. „Ich bin sehr froh, dass wir das jetzt in den staatlichen Bildungsauftrag übernommen haben“, sagt der Rektor und dankt Braasch. „Er hat ganz viel Pionierarbeit geleistet, und der Erfolg gibt ihm recht.“

 Cosima Künzel

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Anzeige