Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Lübeck Deutschlands zweiter Brotretter-Laden eröffnet
Lokales Lübeck Deutschlands zweiter Brotretter-Laden eröffnet
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:44 12.09.2016
Stefan Rüdiger (35) war viele Jahre arbeitslos und hat keinen Berufsabschluss. Jetzt hat er bei den Brotrettern eine Chance. Quelle: Wolfgang Maxwitat
Anzeige
Lübeck

„Wir geben Menschen und Broten eine zweite Chance.“ Tobias Schulz, Geschäftsführer der Bäckerei Junge, brachte es gestern bei der Eröffnung des bundesweit zweiten Brotretter-Ladens auf den Punkt. Sechs Menschen, die lange arbeitslos waren oder andere Probleme haben, bekommen im Brotretter-Laden die zweite Chance, Fuß zu fassen. 500 Brote, die jede Woche übrig sind, werden den Kunden erneut angeboten, obwohl sie einen Tag alt sind. Dafür sind sie deutlich billiger. 0,99 bis 1,29 Euro kosten die einen Tag alten Brote.

Zur Galerie
Stefan Rüdiger (35) war viele Jahre arbeitslos und hat keinen Berufsabschluss. Jetzt hat er bei den Brotrettern eine Chance.

Ein frisches Land- oder Feinbrot geht ab 2,69 Euro über die Theke.

Ende März eröffnete die Bäckerei Junge zusammen mit dem Straßenmagazin Hinz & Kunzt in Hamburg-Lohbrügge den ersten Brotretter-Laden. Was in Lohbrügge klappt, kann auch in Lübeck funktionieren, dachten sich die Bäckerei-Chefs – und sprachen die Vorwerker Diakonie an. „Innerhalb von acht Wochen haben wir das Projekt ins Leben gerufen“, erklärt Tobias Schulz. Die Ausgangslage: Brot, das nicht verkauft und auch von den Tafeln nicht abgenommen wird, landet bislang in der Tierfutterverwertung. Die Bäckerei Junge spricht von erheblichen Mengen. Denn, so Geschäftsführer Schulz: „Unsere Kunden setzen voraus, dass sie bis in die Abendstunden aus einem reichhaltigen Sortiment auswählen können.“ Da nicht alles, was vorgehalten wird, auch verkauft wird, bleiben die Reste.

Unternehmenssprecher Gerd Hofrichter: „Im Hamburger Brotretter-Laden retten wir pro Woche 500 Brote.“ Die gleiche Menge erwartet das Unternehmen auch für die neue Filiale in der Holstenstraße. Macht zusammen 1000 Brote in der Woche, die nicht im Tierfutter landen. Bäckerei Junge befürchtet auch nicht, dass die deutlich billigeren Laibe zu einer unliebsamen Konkurrenz für eigene Filialen werden.

Hofrichter: „Es geht nicht um einen betriebswirtschaftlichen Erfolg. Wir wollen Ware retten und Menschen eine sinnvolle Beschäftigung geben.“

Holger Röhr beispielsweise, der als Ein-Euro-Jobber in der Zentralen Beratungsstelle der Vorwerker Diakonie in der Wahmstraße gearbeitet hat. Oder Stefan Rüdiger. Der jungenhaft wirkende, 35-Jährige war arbeitslos, jobbte als Nachtwache im Bodelschwinghhaus für Obdachlose und hat früher schon in der Systemgastronomie gearbeitet. Rüdiger hofft, dass er bei Junge „über kurz oder lang eine richtige Ausbildung“ absolvieren kann. Zehn Jahre ohne Job war Michael Beelitz, der die Brote aus der Junge-Produktion im Gewerbegebiet Roggenhorst abholt. „Es ist ein gutes Gefühl, dass ich doch noch für den ersten Arbeitsmarkt zu gebrauchen bin“, sagt der 42-Jährige.

Die sechs Brotretter sind bei der Berufs- und Qualifizierungsgesellschaft BQL angestellt, die je zur Hälfte von der Stadt und der Vorwerker Diakonie betrieben wird. Die Brotretter verdienen das gleiche Geld wie die Junge-Angestellten, haben aber Teilzeitjobs. „Brotretter sind kein Sparmodell“, betont Hans-Uwe Rehse, Geschäftsführer der Vorwerker Diakonie. Das Wohlfahrtsunternehmen betreut die Menschen, die sich in Notsituationen befanden, schon seit Jahren. Das passiert auch im neuen Job. Sozialarbeiter Björn Steinbrecher ist immer ansprechbar. Die Vorwerker Diakonie hofft, dass andere Unternehmen ebenfalls solche Jobs anbieten.

 Kai Dordowsky

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Auf der A 20 und der A 1 herrschte gestern viel Verkehr. Aber vor allem auf Ausweichstrecken staute es sich am frühen Morgen.

12.09.2016

Im Saarland hat die Polizei zwei Männer festgenommen, die verdächtigt werden, Überfälle auf Apotheken verübt zu haben. Die Überfälle fanden in Hamburg und Lübeck statt.

12.09.2016

Florian Seyer ist Rocker – Nach Schicksalsschlägen entdeckt er die Kunst.

12.09.2016
Anzeige