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Lübeck Diabetes-Tag: Das Holstentor trägt blau
Lokales Lübeck Diabetes-Tag: Das Holstentor trägt blau
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09:04 15.11.2013
Schirmherrin Sandra Völker und die achtjährige Hannah lassen das Holstentor am 2. Welt-Diabetestag blau erstrahlen. Quelle: Fotos: Neelsen, Hellerling
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Lübeck

Egal, wo Lea und ihre Hündin „Happy“ aufgetaucht sind, überall standen sie im Mittelpunkt. Besucher wollten den zweijährigen Labradoodle streicheln, das Mädchen wiederum musste viele Fragen beantworten. Lea und „Happy“ sind seit zwei Jahren unzertrennlich, die Hündin ist Beschützerin und Freundin. „Happy“ ist ein sogenannter Hypo-Hund, zeigt an, wann Lea unterzuckert ist. Deshalb erzählten die Elfjährige und ihre Mutter gestern in St. Petri beim 2. Welt-Diabetestag von ihrem Alltag. „Bis jetzt hat ,Happy‘ keinen Fehler gemacht“, sagte Claudia Möller. Es wird vermutet, dass Hunde Stresshormone wahrnehmen, die der Körper bei Zuckermangel ausschüttet. Dann stupst „Happy“ ihre Lea an, jault oder kratzt.

Mehrere Hundert Besucher kamen, um sich rund um das Thema zu informieren und wichtige Tipps mit nach Hause zu nehmen - sowohl zur Vorsorge als auch zum Umgang mit der Stoffwechselkrankheit. „Es freut mich, dass die Veranstaltung auf so großes Interesse gestoßen ist“, sagt die ehemalige Schwimm-Weltrekordlerin und diesjährige Lübecker Schirmherrin Sandra Völker.

Vor allem gegen Diabetes Typ 2 können Betroffene viel tun - er wird meist durch Übergewicht hervorgerufen. „In der Steinzeit bewegten wir uns viel für leckeres Essen“, sagte Prof. Bernhard Schwaab von der Timmendorfer Curschmann-Klinik im Vortrag, „heute dagegen kaum noch, aber der Kühlschrank ist immer voll.“ Dabei seien die Muskeln die größten Zuckerverbraucher. Da helfe nur Bewegung und Abnehmen. „Dabei ist vor allem wichtig, die Sportart zu finden, die einem Spaß macht“, so Sandra Völker. „Ansonsten bleibt man nicht dabei.“ Sie drückte um 18.30 Uhr auch mit Hannah (8) den Knopf, damit das Holstentor zum Welt-Diabetestag wie schon 2012 blau angestrahlt wurde. Die Farbe drückt das „Leuchtfeuer der Hoffnung“ aus.

Unter den Besuchern in St. Petri waren vorwiegend Diabetes-Patienten oder diejenigen, die Fälle in der eigenen Familie haben - wie Monique Lehmann. Die 26-Jährige vom Landessportverband hielt gestern einen Vortrag, ließ sich selbst aber auch den Blutzuckerspiegel messen. „Meine Großmutter hatte Diabetes.“ Der Test sei zum Glück negativ verlaufen, das Ergebnis zeigte sogar einen zu niedrigen Wert. Lehmann: „Das ist aber klar, wenn man während der Veranstaltung kaum zum Essen kommt.“

Heidrun Schneeberg gab am Landwege-Stand einen kleinen Einblick in ausgewogene Ernährung. „Zucker steckt fast in jedem Lebensmittel.“ Deshalb sei es besser, selbst zu kochen. „Dann weiß man, was drin ist.“ Hausmittel zur Diabetes-Prävention sind zudem unter anderem Knoblauch, Bockshornklee und Endivie. Solche Ernährungs-Tipps waren es, nach denen Thomas Stendera (52) Ausschau hielt. „Ein solcher Aktionstag ist sehr sinnvoll, denn es kann jeden treffen.“ Er ist seit zehn Jahren Diabetiker.

Leise Kritik äußerte Besucherin Silvia Köhler (53). „Vielmehr müsste das Thema in den Alltag aufgenommen werden.“ In Restaurants etwa fehle es ihr an der Möglichkeit, Beilagen Diabetiker-gerecht auswählen zu können. Sie wünschte sich noch mehr Informationen für bereits Erkrankte.

Eine Volkskrankheit

370 Millionen Menschen leiden weltweit an der Zuckerkrankheit, dem Diabetes mellitus. Hierzulande sind laut Deutscher Diabetes- Gesellschaft (DDG) sechs Millionen Personen betroffen; bei vermutlich weiteren zwei Millionen wurde Diabetes noch nicht diagnostiziert.
Die Stoffwechselkrankheit betrifft das Hormon Insulin — der Blutzuckerspiegel sinkt nicht. Bei Typ 1 wird genetisch bedingt kein Insulin produziert, der Patient muss sich das Hormon lebenslang spritzen. Typ 2, die häufigste Form, ist meist die Folge von Übergewicht, der Körper ist insulinresistent.

Peer Hellerling

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