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22:14 30.03.2016
Malerisch liegt die Schule Grönauer Baum am Reetweg in St. Jürgen — doch die Idylle trügt. Quelle: Fotos: Rüdiger Jacob, Wolfgang Maxwitat

Die Schule Grönauer Baum galt bislang wegen der engen Zusammenarbeit von Schule, Betreuter Grundschule und Kita auf einem Gelände als pädagogisches Leuchtturmprojekt. Doch seit Sylvia Langnau die Einrichtung vor dreieinhalb Jahren übernommen hat, wächst in Teilen der Elternschaft offenbar der Unmut. Auch ein Großteil des früheren Kollegiums hat die Schule verlassen, Kinder aus umliegenden Kitas werden nicht mehr hier angemeldet, und der Schulrat musste bereits etliche Vermittlungsgespräche führen. „Vieles von dem, was die Schule ausmachte, wird zerstört“, erklärt die ehemalige Schulelternbeiratsvorsitzende Natalie Sieg. „Von dem erfolgreichen und eingespielten Team ist heute nichts mehr übrig“, sagt die frühere Lehrerin Ruth Bruder. Schulrat Helge Daugs dagegen spricht von einer kleinen Gruppe von Eltern, die mit der Schulleiterin unzufrieden seien.

Eltern der Schule Grönauer Baum sind unzufrieden und zogen vor Bildungsministerium — Schulrat verteidigt Leiterin.

Innerhalb der letzten dreieinhalb Jahre habe es zehn bis 20 Dienstaufsichtsbeschwerden gegeben, berichten Eltern und Lehrer. Das bestreitet der Schulrat. „Ich kann aber bestätigen, dass es an der Schule seit vielen Monaten immer wieder Beschwerden von verschiedenen Personen gegen verschiedene Beteiligte gibt“, erklärt Helge Daugs. „Es ist auch nach etlichen Gesprächen, Konferenzen und Runden Tischen noch immer unruhig.“ Aus dem früheren Kollegium seien nur noch zwei Kollegen an der Schule, heißt es aus Kreisen von Eltern und Lehrern. „Der Schulrat unterstützte die Schulleiterin vor dem Kollegium“, sagt Ruth Bruder. „Wem das nicht passte, der konnte die Schule verlassen. Unser Kollegium stellte daraufhin fast geschlossen einen Antrag auf Versetzung.“ Rektorin Langnau rechnet anders:

„Drei Kollegen sind gegangen, zwei wurden woanders Schulleiterinnen, eine wurde Konrektorin — und eine wurde pensioniert.“

Immer wieder taucht der Vorwurf des pädagogisch zweifelhaften Umgangs mit Kindern auf. „Jetzt fürchte ich, dass auch meine Kinder Opfer von entwürdigenden ,Erziehungsmethoden‘ durch die Direktorin werden“, erklärt Natalie Sieg, deren beide älteren Söhne dort zur Schule gehen. Dass Sylvia Langnau die spielerisch gemeinte Disziplinierung durch Liegestütze längst eingestellt hat, bestätigen aber auch einige Eltern. „Die Kinder sollten nicht durch das Gebäude laufen“, erklärt die Schulleiterin die Maßnahmen, „das hatte aber nichts mit militärischem Drill zu tun.“ Als Eltern sich beschwerten und Schulrat Daugs sich einschaltete, habe sie die Methode eingestellt. Langnau: „Aber die Geschichte hängt mir immer noch an.“ Sie habe „ein herzliches Miteinander mit den Kindern“, betont die studierte Musikerin. Das würden die kritischen Eltern nicht unterschreiben. Ein Vater, der nicht genannt werden will, spricht von „Kasernenhof-Ton“. Schulleiterin Langnau dagegen versichert: „Ich schreie die Kinder nicht an.“

Eltern und Lehrer fürchten, dass das pädagogische Leuchtturmprojekt an die Wand gefahren wird. 2014 wurde das für 1,8 Millionen Euro errichtete Bildungshaus, in dem die Kita untergebracht ist, eröffnet. Vom ersten bis zum zehnten Lebensjahr sollen die Kinder hier in einem gemeinsamen Umfeld betreut und beschult werden. „Das entsprach genau unseren Bedürfnissen“, erinnert sich Natalie Sieg, „aber die Kooperation zwischen Kita und Schule findet nur noch in kleinstem Ausmaß statt.“ „Die Konzeption unserer Schule mit der seit Jahren erfolgreichen Integration wurde zerstört“, berichtet die Ex- Lehrerin Bruder, „eine Zusammenarbeit mit diversen Institutionen kam kaum noch zustande.“ Die Folge könnten rückläufige Anmeldezahlen sein, befürchten einige Eltern. Im Einzugsgebiet der Schule leben rund 60 Kinder, die im Sommer zur Schule kommen. Nach LN-Informationen ist nur ein Drittel am Reetweg angemeldet, weitere Kinder kommen aus anderen Stadtteilen. Die Familien im Einzugsgebiet schicken stattdessen ihre Sprösslinge vermehrt an die Waldschule Groß Grönau.

Trotzdem wachse die Schülerzahl an der Schule Grönauer Baum, rechnet der Schulrat vor — von 141 im Jahr 2013 auf 163 in diesem Jahr. Dass die Waldschule hoch attraktiv sei, könne Sylvia Langnau nicht angelastet werden. Die Schulleiterin engagiere sich überdurchschnittlich für ihre Einrichtung, sagt Daugs und verweist auf das Projekt „Musik ist Klasse“, das Langnau initiiert hat und das von der Michael-Haukohl-Stiftung gefördert wird. Die Hoffnung einiger Eltern, dass die Grundschule eine neue Leitung bekommt, begräbt Daugs: „Sämtliche Beschwerden sind schulaufsichtlich geprüft und gewürdigt worden. Das ist in der Sache so zu akzeptieren.“ Die kritischen Eltern und einige Lehrer sind dagegen von Daugs und auch vom Kieler Bildungsministerium, bei dem sie vorstellig geworden waren, enttäuscht.

Von Tomma Petersen und Kai Dordowsky

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