Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Lübeck Die Abenteuer eines Sammlers
Lokales Lübeck Die Abenteuer eines Sammlers
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
22:20 19.04.2018
Diese indische Bäuerin aus Rajhasthan treibt ihre Büffel auf die Weide.

Fritz Fey war, ist und bleibt ein Sammler. Der Gründer des Lübecker Theaterfiguren-Museums, der für sein kulturelles Lebenswerk 2013 mit dem Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet worden ist, sortiert Berge von Fotos. Das macht er im Wintergarten seines Hauses, dort, wo zwei wuchtige, aus dem Holz der Jackfrucht geschnitzte Elefanten stehen. Monatelang waren die Feys unterwegs. In Indien. Aus gutem Grund: Saraswathi Fey, die 69-jährige Ehefrau, ist Inderin und verfügt über gute Kontakte.

Zur Galerie
Schon als Kind habe er von fernen Ländern geträumt. „Mein Ziel war, Afrika und Indien zu besuchen“, sagt Fritz Fey. Als Kameramann konnte der Lübecker oft ins Ausland reisen. Das brachte den heute 78-Jährigen richtig auf den Geschmack: Seither sammelt Fey Theaterfiguren und Instrumente.

Beispielsweise zu einem indischen Professor, der Fritz Fey auf Ureinwohner des Landes aufmerksam machte. Begleitet von ortskundigen Einheimischen ging es in Südostindien auf die Suche nach solchen Ureinwohnern. „Ohne fremde Hilfe hat man keine Chance“, so Fey. Viele Fotos brachten Fey auf die Idee, sich noch näher mit den Dorfbewohnern und deren Kultur zu befassen.

Dabei machte der leidenschaftliche Theaterfiguren-Sammler eine Entdeckung.

„Bei den Ureinwohnern gibt es viele Instrumente. Die Musik ist dort eine ausgeprägte, allgegenwärtige Kultur.“ Aber wie hat sich der Fotograf verständigen können? „Wir haben uns manchmal erst nur angelacht“, erzählt Fey. „Oder uns einfach mit Zeichensprache unterhalten.“ Es klingt lustig, wenn Fey erzählt, dass er zu den Dorfbewohnern schlicht „Bum bum bum“ sagte, zugleich mit den Händen eine Trommel andeutete, und kurze Zeit später ein Einwohner mit einer alten Trommel in der Hand erschienen sei. „Und dann tanzten sie für mich“, so Fey.

Der Lübecker hat inzwischen ein großes Lager mit alten Instrumenten, Schattenspielfiguren und Theaterfiguren angelegt. Hölzer, Trompeten, Klarinetten und jede Menge Trommeln. Sogar ein Instrument, mit dem einst giftige Schlangen beschworen wurden, ist unter den seltenen Exponaten. „Das ist ein Stück besondere Kultur“, sagt der gebürtige Lübecker, den die alten Musikinstrumente faszinieren.

Vor allem die Vinas genannten, altindischen Saiteninstrumente, von denen Fey gleich mehrere Exemplare gesammelt und per Schifffracht nach Deutschland hat bringen lassen. Außergewöhnliche Stücke lagern bei dem Sammler – Schwingflöten zum Beispiel. „Das sind lange Flötenhölzer, die beim Schwingen Töne erzeugen“, erklärt der Globetrotter.

Zurück in den Dschungel: „Die Menschen verlangen nichts von mir. Sie weben und nähen sich ihre Kleider selbst. Manchmal dösen sie, liegen im Dorf nur so herum oder sind einfach nackt.“ Betrunkene habe Fey auch schon angetroffen. „Aggressives Verhalten gab es bislang aber nicht.“ Um Hunderte von Jahren habe er sich zurückversetzt gefühlt, erinnert sich Fey an seine letzte Exkursion.

„Das sind liebe, nette Menschen. Sie haben nicht viel, aber sie sind zufrieden mit dem, was sie haben.“ Fey habe sogar von Einwohnern gehört, die auf Bäumen leben sollen. „Das ist spannend“, sagt der Sammler. Ans Aufhören denkt er trotzdem nicht: „Ich fange ja erst richtig an“, sagt er schmunzelnd – und plant schon die nächste Reise. Nach Kambodscha soll es gehen.

„In 15 oder 20 Jahren wird alles vorbei sein“, vermutet Fey, der damit sagen will, dass die Kinder der heutigen Ureinwohner Schulen und Unis besuchen und die Dörfer verlassen werden. „Einige Völker sind so gut wie nicht zu erreichen“, weiß Fey, der von seiner indisch sprechenden Frau unterstützt wird. „Man müsste zehn Kilometer durch den Urwald laufen.“ Touristen hätten keine Chance, die Menschen zu besuchen.

Die Exkursion ist nicht ungefährlich. Wilde Tiere, Elefanten, Tiger, Leoparden und Giftschlangen können die Wege kreuzen. Bestimmte Landstriche gelten für Ausländer als risikoreich. „Wir sind mit Sicherheitsauflagen und Personenschutz unterwegs“, sagt Saraswathi Fey. Und was ist, wenn ein Elefant aufkreuzt? „Dann heißt es, sich ruhig zu verhalten“, weiß ihr Ehemann, „Angst darf man nicht haben.“

Einmal habe er in einer Hütte alte Instrumente, die auf einem Schrank lagen, anfassen wollen. Davon habe ihm aber die Bewohnerin dringend abgeraten: „Auf den Instrumenten hatte es sich eine Kobra gemütlich gemacht.“ Auf einer der Feyschen Exkursionen habe das Ehepaar auch Bekanntschaft mit Stammesmitgliedern der Irulas gemacht – das sind indische Ureinwohner, die die seltene Gabe besitzen, riesige Pythons ausfindig zu machen und sie zu fangen.

Die Exkursionen Feys begleiten stets die Fotoapparate. Inzwischen hat er eine stattliche Anzahl von Aufnahmen der Ureinwohner angesammelt. „Es ist nicht schwer, diese Menschen zu fotografieren“, sagt Fey. „Ich gestikuliere ihnen zu, mache ein Porträt und zeige ihnen das Foto auf dem Display. Dann lachen sie, und ich habe grünes Licht für weitere Motive.“

Der unermüdliche Sammler

Fritz Fey, geboren am 14. März 1940 in Lübeck, war 35 Jahre lang Kameramann beim NDR-Fernsehen. Der passionierte Theaterfigurenliebhaber begann seine Sammelleidenschaft im Jahre 1971 – und entdeckte den kulturellen Wert der Exponate und deren Bedeutung für Forschung und Wissenschaft. Die Feysche Sammlung hatte bereits eine weltweit bedeutungsvolle Größe angenommen, als er 1982 mit Hilfe der Stadt und der Possehl-Stiftung das Theaterfiguren- Museum gründen konnte.

Nach dem Ausscheiden aus dem Museum hat Fey inzwischen eine eigene Sammlung zusammengetragen, die unter anderem auf Ausstellungen namhafter Institute zu sehen sind, unter anderem in Lissabon und Belgien.

Rüdiger Jacob

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Unter dem Motto „Aus dem Schatten ins Licht – Armut wiegt schwer“ fand die Lübecker Armutskonferenz im Haus der Begegnung statt. Gemeinsam wurden praktisch umzusetzende Vorschläge zu den drei Themenfeldern Bildungsarmut, Erwerbsarmut und Altersarmut entwickelt.

19.04.2018

Nach dem Aus für das „Haus der Wissenschaft“ gehen Uni, FH und Musikhochschule in die Offensive. Unter dem Titel „LübeckHoch3“ sollen jetzt neue Projekte für die Bürger entstehen. Im Sommer gibt es die Details.

19.04.2018

Die Verbindungen zwischen dem Weißen Ring und der Polizeidirektion in Lübeck sind viel enger als bislang bekannt. So durfte der Ex-Außenstellenleiter der Opferhelfer, Detlef H., auch nach seiner Pensionierung als Polizist einen zivilen Streifenwagen der Direktion nutzen. Das bestätigte H.s Anwalt Oliver Dedow jetzt den Lübecker Nachrichten.

20.04.2018
Anzeige