Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Lübeck Die Angst vor der Abschiebung
Lokales Lübeck Die Angst vor der Abschiebung
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:39 26.01.2017
Norbert Scharbach (v. l.), Thomas Seibert, Najib Ahadzai und Elisabeth Hartmann-Runge (Flüchtlingsbeauftragte des Kirchenkreises). Quelle: Foto: Er
Innenstadt

Ein rappelvoller Saal im Solizentrum am Mittwochabend: Dicht an dicht sitzen die Besucher der Infoveranstaltung des Lübecker Flüchtlingsforums. Vielen liegt eine Frage besonders am Herzen: Müssen wir alle zurück nach Afghanistan? Eine Expertenrunde klärte die wichtigsten Fragen für afghanische Flüchtlinge in Lübeck.

In Schleswig-Holstein leben derzeit über 700 Afghanen mit Duldungsstatus, die eigentlich ausreisen müssten. Nachdem seit Dezember vergangenen Jahres zwei Abschiebeflüge nach Afghanistan starteten, sei die Angst der in Lübeck lebenden Afghanen groß, sagten Vertreter des Flüchtlingsforums.

Klar ist, dass das Land in absehbarer Zeit keine Flüchtlinge nach Afghanistan abschieben wird, auch wenn ihr Asylantrag abgelehnt worden ist. „Das ist aber nur ein Aufschub“, machte Norbert Scharbach, Leiter der Abteilung für Zuwanderung im Innenministerium des Landes, noch einmal deutlich. Nach drei Monaten müsse dann der Bund entscheiden.

Strittig sei für die Entscheider vor allem die Frage, ob Afghanistan ein sicheres Land sei. Scharbach: „Um das zu klären, stützen wir uns auf die Informationen der Hilfsorganisationen vor Ort.“ Für Thomas Seibert ist die Antwort eindeutig: „Ganz klar: Nein“, sagte er. Der Menschenrechtsbeauftragte der Hilfsorganisation „medico international“ reiste mehrmals nach Afghanistan und kennt die Lage in dem von Krieg zerrütteten Land. Der Großteil werde von terroristischen Gruppen kontrolliert. „Die Sicherheitslage hat sich in den vergangenen zwei bis drei Jahren dramatisch verschlechtert. Es gab 11000 zivile Opfer allein im Jahr 2015. Nirgends im Land ist es sicher, auch in Kabul nicht.“

Auch wenn die Experten geduldig auf die Fragen der afghanischen Besucher eingingen, ein sicheres Gefühl haben die Geflüchteten trotzdem nicht. Die Angst sei immer da, sagte Najib Ahadzai, der selbst vor einem Jahr aus Afghanistan flüchtete. „Dadurch wird ein ruhiges Leben unmöglich gemacht. Wer garantiert uns denn, dass die Abgeschobenen in Afghanistan sicher sind?“ er

LN

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Weiterer Ausfall der Heizungsanlage in der JVA.

26.01.2017

Rreef verlangt eine drastische Absenkung von Kosten – Saxe reagiert zurückhaltend auf Zukunftspakt.

26.01.2017

Das bedeutende Kunstauktionshaus hat gestern im Hansemuseum private Schätze gesichtet.

26.01.2017