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Lübeck Die Aufholjagd: Warum Jan Lindenau es geschafft hat
Lokales Lübeck Die Aufholjagd: Warum Jan Lindenau es geschafft hat
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23:39 19.11.2017
Lübeck

Das Ergebnis: Lindenau holt 50,9 Prozent, seine Konkurrentin Kathrin Weiher (parteilos)  49,1 Prozent. Dabei lag Konkurrentin Kathrin Weiher (parteilos)  deutlich vorne – beim ersten Wahlgang vor  zwei Wochen. Die Kandidatin von CDU, BfL, FDP, Grünen und Linken kam auf  Platz eins mit 35,2 Prozent der Stimmen – und holte das beste Ergebnis der sechs Kandidaten. Lindenau kam mit 29,4 Prozent auf Platz zwei. Die beiden Konkurrenten trennten 3993 Stimmen.

Doch Lindenau  setzte ab gegen Weiher – und punktete vor allem mit den Stadtteilbüros. Die will er wieder eröffnen. Das hat ihm in Kücknitz 68,3 Prozent gebracht. Dort war vehement gegen die Schließung protestiert worden. Ironie der Geschichte: Die SPD hatte dafür gesorgt, dass die Stadtteilbüros überhaupt dicht gemacht wurden. Im Wahlkampf hat Lindenau das als Fehler eingeräumt.  Und auch am Wahlabend wiederholt er das : „Wir wissen, wo unsere Fehler liegen – und wollen das verändern und besser machen.“ Weiher hingegen wollte die  Stadtteilbüros nicht wieder eröffnen, sondern den mobilen Bürgerkoffer einführen. In jedem Stadtteil  sollten an bestimmen Tagen in der Woche der Bürgerservice bereitstehen. Für manchen eine zu komplizierte Idee.

Mega-Thema Stadtteilbüros

Lindenau hat die Menschen mit dem Thema Stadtteilbüros überzeugt“, sagt Michelle Akyurt, Fraktionschefin der Grünen. Sie geht davon aus, dass Lindenau mit diesem Thema viele Stolzenberg-Wähler zu sich gezogen hat. Der parteilose Detlev Stolzenberg hatte 20,4 Prozent im ersten Wahlgang geholt und landete damit auf Platz drei. „Die Preisfrage waren die Stadtteilbüros“, sagt auch Ragnar Lüttke (Linke). Er befürchtet, dass Lindenau sein Wahlversprechen - die Wiedereröffnung der Bürgeranlaufstellen - gar nicht halten könne, sondern im nächsten Sommer vom Kieler Innenminister aus finanziellen Gründen gestoppt werde.

Problem Mobilisierung

Außerdem: Die SPD hat besser mobilisiert. „Viele von unserem Wählern haben das mit der Stichwahl nicht verstanden“, sagt Kathrin Weiher (parteilos). Denn es gab keine zweite Wahlbenachrichtigung von der Stadt.  Außerdem war die Frist für die Briefwahl ziemlich kurz. Das Wahlamt habe die Unterlagen viel zu spät versendet, so die Kritik von  CDU und BfL. Bei den Briefwählern hatte Weiher im ersten Wahlgang  satte 44,2 Prozent geholt. Es sei nicht gelungen, „die Bürger zur Wahlurne zu bekommen“, sagt Alexandra Dinges-Dierig (CDU), die bis vor kurzem für die CDU im Bundestag saß und vor sechs Jahren eine Bürgermeister-Stichwahl gegen Bernd Saxe (SPD) verlor. Die SPD sei im Wahlkampf deutlich professioneller aufgestellt als die CDU und die anderen Weiher-Unterstützer.

Dennoch gehen die Meinung auseinander, wie Lübeck sich entwickelt mit Lindenau als Bürgermeister. Linken-Kreischef  Sebastian Ising ist überzeugt: „Lübeck wird mit dem Bürgermeister Lindenau unsozialer.“ Das Gegenteil behauptet Thomas Misch (Freie Wähler), der vor 14 Tagen 7,5 Prozent im ersten Wahlgang holte. Lindenau stehe für die Wiedereröffnung der Stadtteilbüros und dafür, dass die städtischen Altenheime nicht privatisiert würden, deshalb habe er die Wahl jetzt gewonnen.

Hier sehen Sie unsere besten Bilder vom Wahlabend in Lübeck. Die Galerie wird den ganzen Abend über aktualisert - reinschauen lohnt sich! Lübeck hatte am Sonntag die Wahl zwischen Jan Lindenau (SPD) und Kathrin Weiher (CDU, FDP, BfL, Grünen und Linken unterstützt, Lindenau tritt für die SPD an).  

Aber: Auch an seinem Auftreten hat Lindenau gearbeitet – und sich zwar weiter angriffslustig, aber weniger besserwisserisch gezeigt. Das hat er seinem Wahlkampf-Beratern zu verdanken. Gabriele Schopenhauer (SPD) sagt: „Er hat in den letzten zwei Wochen sehr an Glaubwürdigkeit gewonnen.“

 

jvz/dor/mwe

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