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Lübeck Die Briefwähler haben Weiher im Stich gelassen
Lokales Lübeck Die Briefwähler haben Weiher im Stich gelassen
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11:44 20.11.2017
Online-Redakteur Kilian Haller hat die Daten zur Wahl in Tabellen zusammengefasst und ausgewertet. Quelle: kha
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Lübeck

Das wichtigste Ergebnis unserer Analyse ist: Kathrin Weiher hat es nicht geschafft, diejenigen, die vor zwei Wochen per Briefwahl für sie gestimmt hatten, erneut zu mobilisieren. Die Zahl derjenigen, die ihre Stimme per Briefwahl abgaben, sank im Vergleich zu ersten Wahl um 4334. Anders ausgedrückt: Nur noch drei von vier Briefwählern gingen wieder zu Wahl.

Das war der Knockout für Weiher, die bei dieser Wählergruppe vor zwei Wochen fast 45 Prozent der Stimmen geholt hatte. Das war mehr als in jedem Lübecker Stadtteil, selbst in ihrem Paradestadtteil Travemünde waren es "nur" 42 Prozent.

Diesmal holte Weiher zwar sogar 56 Prozent bei den Briefwählern. Angesichts der schmalen 26 Prozent, die aus dieser Gruppe vor zwei Wochen für Lindenau abgestimmt hatten, ist das aber viel zu wenig. 

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Das zeigen die absoluten Zahlen noch besser: In allen Stadtteilen konnten die Kandidaten mehr Stimmen bekommen als noch vor zwei Wochen. Das liegt natürlich vor allem daran, dass es eine Stichwahl ist; die Wähler von Stolzenberg, Misch & Co. konnten nun nur noch Weiher oder Lindenau wählen (oder gar keine Stimme abgeben). Weiher verlor nun aber bei den Briefwählern sogar 487 Stimmen, während Lindenau mit 1033 Stimmen satt zulegen konnte. 

Was haben die Stolzenberg-Wähler gemacht?

Eine große Frage war vor der Wahl, wie sich die Wähler vom überraschend starken drittplatzierten Detlev Stolzenberg heute entscheiden würden. Natürlich lässt sich anhand der Daten nicht sicher sagen, ob sie Zuhause geblieben sind, ungültig gestimmt haben oder sich für einen der beiden verbliebenen Kandidaten entschieden haben.

Am auffälligsten ist, dass sich der Wert der ungültigen Stimmen mehr als verfünffacht hat (von 0,48 auf 2,22 Prozent). Diese Wähler wollten offenbar ihren Protest darüber ausdrücken, dass ihnen keiner der beiden Kandidaten zusagt. Diese Gruppe ist durchaus wahlentscheidend gewesen: 1266 ungültige Stimmen wurden bei der Stichwahl abgegeben. Angesichts der Tatsache, dass der Vorsprung von Lindenau auf Weiher nur 964 Stimmen betrug, hätte diese Gruppe durchaus einen Unterscheid machen können. 

Schauen wir uns die Bezirke und Stadtteile an, in denen Stolzenberg besonders gut abgeschnitten hatte: Die Innenstadt und St. Jürgen  (je 23 Prozent). In beiden Stadtteilen legte Lindenau deutlich stärker zu als seine Kontrahentin. Die Wahlbeteiligung in der Innenstadt sank jedoch so stark wie in keinem anderen Stadtteil - und die Quote der ungültigen Stimmen ist hier besonders hoch (3,5 Prozent). 

Ein genauer Blick lohnt noch auf den Bezirk 219 (Kahlhorst Schule/AS Niederbüssau), den Stolzenberg vor zwei Wochen mit fulminanten 62 Prozent gewonnen hatte. Hier kletterte der Wert der ungültigen Stimmen von 0 auf 7 Prozent - auch das lässt sich als ein Votum verstehen.

Lindenau hat in den klassischen SPD-Stadtteilen gepunktet

Nach der Wahl vor zwei Wochen war ein Ergebnis unserer Analyse gewesen, dass Jan Lindenau in den klassischen SPD-Stadtteilen mehr Wähler mobilisieren muss, wenn er eine Chance haben will. Das ist ihm zumindest teilweise gelungen. Vor allem in Kücknitz scheinen sich diejenigen, die vor zwei Wochen Thomas Misch gewählt hatten, jetzt auf Lindenaus Seite geschlagen zu haben. Misch hatte hier mit 17 Prozent seine besten Werte erreicht. Lindenau konnte jetzt in Kücknitz 1049 Stimmen dazu gewinnen - bei Weiher waren es nur 296.

Hier sehen Sie unsere besten Bilder vom Wahlabend in Lübeck. Die Galerie wird den ganzen Abend über aktualisert - reinschauen lohnt sich! Lübeck hatte am Sonntag die Wahl zwischen Jan Lindenau (SPD) und Kathrin Weiher (CDU, FDP, BfL, Grünen und Linken unterstützt, Lindenau tritt für die SPD an).  

Aber auch in Travemünde hat Lindenau kräftig zugelegt. Zwar erreicht er hier seinen schlechtesten Wert (37 Prozent), konnte aber absolut gesehen mehr Stimmen dazu gewinnen als Weiher (579 zu 386). Außer Travemünde stimmten nur in St. Jürgen und Schlutup mehr Bürger für Weiher als für Lindenau - und da war es auch noch relativ knapp. Bis auf Travemünde scheinen sich also in allen Lübecker Stadtteilen die Menschen mehrheitlich mit Lindenau als Bürgermeister arrangieren zu können.

Von Kilian Haller

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